Die NordLB-Zentrale in Hannover: Die Landesbank will ihre Bilanz bereinigen und offenbar notleidende Schiffskredite verkaufen. Das Deal-Volumen könnte über 2 Milliarden Euro liegen.

Heinricht Hecht/NordLB

09.08.18
Banking & Berater

NordLB will wohl wieder faule Kredite verkaufen

Die NordLB plant offenbar, ein milliardenschweres Portfolio an notleidenden Krediten loszuschlagen. Im vergangenen Jahr war ein solcher Deal noch geplatzt.

Die NordLB will anscheinend erneut versuchen, ein Portfolio an notleidenden Krediten zu verkaufen. Das Volumen belaufe sich auf mindestens 2 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Bezug auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Die Landesbank befinde sich in Gesprächen mit mehreren interessierten Parteien. Darunter sind demnach vor allem auf notleidende Kredite spezialisierte Investoren. In der Regel sind dies US-Hedgefonds. Das Deal-Volumen könnte sogar noch höher als 2 Milliarden Euro ausfallen, berichtet „Bloomberg“.

Notkredite verhageln NordLB die Bilanz

Hintergrund des Berichts: Die NordLB schreibt zwar wieder schwarze Zahlen, doch die Schiffskredite bleiben die Achillesferse der Landesbank. 2017 mussten die Hannoveraner fast 1 Milliarde Euro für notleidende Kredite zurücklegen, im Jahr zuvor sogar beinahe 3 Milliarden Euro.

NordLB-CEO Thomas Bürkle will das Volumen notleidender Kredite daher bis Ende kommenden Jahres von zuletzt 7,9 auf unter 5 Milliarden Euro drücken. Portfolioverkäufe wären der schnellste Weg, dieses Ziel zu erreichen. Allerdings sind bei solchen Deals die Preisabschläge  auch höher als bei der Einzelverwertung von Krediten. Die NordLB wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

NordLB wollte Schiffskredite an KKR verkaufen

Im vergangenen Jahr hat die NordLB schon einmal versucht, ein Paket von Schiffskrediten im Wert von 1,3 Milliarden Euro an den Finanzinvestor KKR zu veräußern. Die Landesbank entschied sich aber letztlich dagegen. Medienberichten zufolge wurde der Deal damals abgebrochen, weil KKR zu hohe Abschlagsforderungen auf den Nennwert der Kredite gefordert hatte.

Aufseher befürchten, dass der aktuelle Wert des NordLB-Schiffskreditportfolios niedriger liegen könnte.

In der Zwischenzeit ist der Druck, die Problemkredite zügig abzubauen, jedoch gestiegen. Die NordLB und ihre Eigentümer – die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie mehrere Sparkassenverbände – suchen derzeit nach Möglichkeiten, die Eigenkapitalquote des Geldhauses von zuletzt 12,8 Prozent zu stärken, weil anstehende Wertberichtigungen drohen, die Kapitaldecke zu dünn werden zu lassen.

Noch liegt die Kernkapitalquote der NordLB zwar deutlich über der Mindestschwelle, allerdings befürchten Aufseher, dass der aktuelle Wert des NordLB-Schiffskreditportfolios um so viel niedriger liegen könnte, dass die Landesbank beim nächsten Stresstest in Schwierigkeiten geraten könnte. Berichten der F.A.Z. zufolge braucht die NordLB frisches Eigenkapital in Höhe von 3 bis 5 Milliarden Euro. Um den Betrag einzuwerben, soll die NordLB Barclays als Berater engagiert haben, so „Bloomberg“. 

NordLB-CFO Olof Seidel steht vor Bewährungsprobe

Der kolportierte Kreditverkauf dürfte dazu dienen, noch vor einer Kapitalerhöhung die Bilanz so weit aufzuräumen, dass ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor entfällt. Erst dann dürften potentielle Investoren dazu bereit sein, zu annehmbaren Konditionen frisches Eigenkapital bereitzustellen. Die öffentlichen Eigner können nicht ohne Weiteres frisches Kapital in die Bank stecken. In diesem Fall würde ein Beihilfeverfahren der EU-Kommission drohen, denn staatliche Beihilfen dürfen nur unter Auflagen und nach Genehmigung angebahnt werden.

Dass ein solches Beihilfeverfahren letztlich auch in der Komplettprivatisierung enden kann, zeigt das Beispiel der HSH Nordbank. Während in diesem Zuge die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein ihren Einfluss über die HSH Nordbank aufgeben mussten, will das Land Niedersachsen aber größter Anteilseigner der NordLB bleiben.

Für den neuen NordLB-CFO Olof Seidel wäre ein großangelegter Kreditverkauf eine erste Bewährungsprobe. Er ist im Mai auf Ulrike Brouzi gefolgt, die Anfang September zur DZ Bank wechselt. Seidel ist seit 2017 bei den Hannoveranern an Bord und verantwortete bis zu seiner Beförderung ein Restrukturierungsprogramm, mit dem die Bank jährlich 150 bis 200 Millionen Euro sparen will.

jakob.eich[at]finance-magazin.de