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Deloitte dementiert Aufspaltungsgerüchte vehement

Deloitte dementiert das Gerücht, dass sich das Big-Four-Haus in Consulting und Auditing aufspalten wolle.
Deloitte dementiert das Gerücht, dass sich das Big-Four-Haus in Consulting und Auditing aufspalten wolle. Foto: OlekAdobe - stock.adobe.com

Das Big-Four-Haus Deloitte hat am heutigen Vormittag Gerüchten widersprochen, dass das Unternehmen sich in ein jeweils eigenständiges Prüfungs– und ein Beratungsunternehmen aufspalten wolle. Den Gerüchten war ein Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) vorausgegangen, der mögliche Aufspaltungspläne des global tätigen Consultings– und Prüfungsunternehmens adressiert hatte. Das „WSJ“ wurde in seinem Bericht sogar konkret – so soll Deloitte bereits Gespräche mit Bankern bei Goldman Sachs über eine mögliche Teilung des Konzern geführt haben, wenngleich sich diese noch einem frühen Stadium befinden sollen.

Deloitte-Gerüchte folgen den Abspaltungsgedanken von EY

Auf die Medienberichte hat Deloitte Global geschlossen vor wenigen Stunden mit einem harten Dementi reagiert: „Jüngste Medienberichte, wonach wir einen Plan zur Abspaltung unserer Organisation prüfen, sind eindeutig nicht zutreffend. Wie bereits erwähnt, halten wir an unserem derzeitigen Geschäftsmodell fest“, ließ das Unternehmen als offizielles Statement verlauten. Auch Deloitte Deutschland bleibt auf Nachfrage von FINANCE bei dieser Rhetorik. Punit Renjen, Global CEO von Deloitte, widersprach den Gerüchten sogar persönlich über seinen Twitter-Account vehement.

Dass solche Gerüchte auf fruchtbaren Boden fallen, überrascht nicht: Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass Deloitte-Konkurrent EY eine weltweite Aufspaltung in zwei separate Einheiten prüft. EY hatte die Medienberichte damals – im Gegensatz zu Deloitte heute – nicht dementiert, sondern mitgeteilt, man prüfe alternative Strukturen und Geschäftsmodelle. Die möglichen Aufspaltungspläne von EY haben Unruhe in die Branche gebracht und diese für Spekulationen wie die aktuellen Gerüchte um Deloitte sensibilisiert.

Tendieren die Big Four zur Aufspaltung?

Zwar scheint der Medienwirbel um Deloitte dieses Mal – anders als bei EY – keine strategischen Pläne des Unternehmens aufgedeckt zu haben. Aber möglich ist, dass sich ein Trend bei den Big Four abzeichnet. Die vier Consulting- und Prüfungs-Giganten waren zuletzt unter Druck geraten, weil Aufsichtsbehörden den Unternehmen mangelnde Unabhängigkeit bei der Bilanzprüfung vorwerfen. Die Behörden kritisieren, durch ihre zusätzlichen Beratungstätigkeiten könnten die Big Four nicht ausreichend unabhängig prüfen.

In Großbritannien existiert bereits die Forderung der Wirtschaftsprüferaufsicht FRC, dass sich die Konzerne bis 2024 aufspalten sollten. Hintergrund sind größere Prüfungsskandale in der jüngeren Vergangenheit, zum Beispiel Carillion. Auch in den USA untersucht die Börsenaufsicht SEC mögliche Interessenkonflikte. Mit einer Aufspaltung könnten EY und Co. möglichen Zwangsteilungen zuvorkommen.

Für die Big Four in Deutschland hätte eine Aufspaltung einen attraktiven Nebeneffekt: Da das 2021 eingeführte Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (FISG) den Unternehmen untersagt, Firmen von öffentlichem Interesse (PIEs) gleichzeitig zu prüfen und zu beraten, wäre das Wachstumspotential für die Big Four mit getrennten Divisionen sowohl im Consulting als auch im Auditing groß.

Deloitte wächst im Auditing, das Consulting schrumpft

EY, PwC und KPMG haben sich schon einmal in der Vergangenheit von ihren Beratungsgeschäften getrennt, nachdem Anfang der 2000er Jahre größere Bilanzskandale wie Enron und Worldcom die Branche durchgeschüttelt hatten. Als einzige der Big Four ist Deloitte diesen Schritt aber nie gegangen. Das ist mit ein Grund, warum Deloitte von den Vieren das stärkste Beratungsgeschäft hat.

Zuletzt sind Prüfung und Consulting aber unterschiedlich stark gewachsen. Während das Unternehmen im Prüfungsgeschäft einige namhafte neue Mandate gewinnen konnte, brach das Beratungsgeschäft (Adivsory und Consulting), eigentlich das Zugpferd von Deloitte, im Zeitraum 2020/2021 stark ein. In der Advisory-Sparte schrumpfte Deloitte von Juni 2020 bis Mai 2021 um knapp 30 Prozent auf 227 Millionen Euro. Auch im Consulting-Geschäft ging der Umsatz zurück, um 7,5 Prozent auf 592 Millionen Euro. Im Bereich Wirtschaftsprüfung blieben die Zahlen des Unternehmen dagegen stabil, der Umsatz wuchs minimal auf 457 Millionen Euro. Insgesamt setzte Deloitte 2020/2021 1,55 Milliarden Euro um.

paul.siethoff[at]finance-magazin.de

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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