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Cerberus könnte mehr Macht bei Commerzbank bekommen

Könnte die Commerzbank bald einen neuen Hauptaktionär haben? Foto: Commerzbank AG
Könnte die Commerzbank bald einen neuen Hauptaktionär haben? Foto: Commerzbank AG

Will der Finanzinvestor Cerberus die Bund-Beteiligung an der Commerzbank abkaufen? Laut einer Meldung des „Handelsblatts“ unter Berufung auf mehrere vertraute Personen erwägt der US-Investor offenbar, das 15,6 Prozent schwere Aktienpaket der deutschen Regierung nach der Bundestagswahl zu übernehmen.

Sein Interesse habe Cerberus-Deutschlandchef David Knower in vertraulichen Gesprächsrunden signalisiert, schreibt die Zeitung weiter. Weder die Commerzbank noch Cerberus wollten sich gegenüber FINANCE zu den Informationen äußern.

Commerzbank-Aktie ging nach oben

Die leidgeplagten Aktionäre der Bank jedenfalls würden den Verkauf an Cerberus offenbar begrüßen. Nach der Meldung am Freitagmorgen ging der Kurs der Commerzbank-Aktien um zwischenzeitlich rund 5 Prozent nach oben. Das Papier notierte am Freitagmittag bei rund 5,60 Euro. Der Kurs ist seit Mitte 2017 um rund 40 Prozent eingebrochen.

Mit einem Kauf der Bund-Beteiligung würde der aktivistische Investor seinen Anteil von 5 Prozent auf über 20 Prozent aufstocken. Bis dato ist der Bund mit 15,6 Prozent größter Aktionär des Bankhauses, danach der Investor Capital Group mit 5,3 Prozent und dann Cerberus mit 5 Prozent.

Der mögliche Aktienkauf dürfte vor allem von dem Ausgang der Bundestagswahl am 26. September abhängen. Demnach sei ein Verkauf des Bundesanteils vor allem realistisch, wenn FDP-Chef Christian Lindner neuer Finanzminister wird, vermuteten Insider gegenüber dem „Handelsblatt“. Die Liberalen drängen schon länger auf einen Rückzug des Staates aus der Bank. Auch in der Union „gebe es dafür eine gewisse Offenheit“, ebenso falls Robert Habeck (Grüne) Finanzminister würde.

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Bund würde Verluste mit Verkauf machen

Doch auch unabhängig vom Wahlausgang erwarte man, dass der Staat seinen Anteil überprüfen würde, zitiert die Zeitung Finanzkreise. Auch ein Verkauf an eine andere Bank im Rahmen einer Fusion wäre eine mögliche Option.

Der Bund kam der Commerzbank während der Finanzkrise zur Hilfe. 2008 und 2009 stellte er Kapitalhilfen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Commerzbank hat mittlerweile einen großen Teil der Gelder wieder zurückgezahlt. Da die Bank schon seit Jahren wieder in der Krise steckt und die Aktie deutlich an Wert verloren hat, ist das Aktienpaket des Bundes derzeit nur rund 1 Milliarde Euro wert. Die Regierung zahlte zum Einstieg noch rund 5 Milliarden Euro für ihren Anteil.

Cerberus könnte eine ganz neue Bank hervorbringen

Auch das Investment von Cerberus hat sich bisher als nicht so glücklich herausgestellt. Der Investor ist im Sommer 2017 bei dem Geldinstitut eingestiegen. Seitdem drängt er die Bank zu einem massiven Sparkurs, der auch schon personelle Folgen hatte. Umso überraschender ist es, dass der aktivistische Investor nun über eine Anteilsaufstockung statt Verkauf nachdenkt. Mit einem Anteil von über 20 Prozent wäre der Investor aber größter Aktionär der Bank und hätte eine deutlich größere Handlungsfähigkeit, die Bank neu aufzustellen.

Nicht nur rote Zahlen – im ersten Halbjahr 2021 machte sie einen Verlust von 394 Millionen Euro – machen der Bank zu schaffen. Die Gelben hatten auch viele Personalwechsel in den vergangenen Monaten. Jüngst trennte die Bank sich von IT-Vorstand Jörg Hessenmüller nach einem Projektdebakel mit der HSBC. Hessenmüller ist der vierte Abgang innerhalb kurzer Zeit – auch Privatkundenchef Michael Mandel, CEO Martin Zielke und Firmenkundenchef Roland Boekhout verließen die Bank. Auch hier könnte Cerberus seine Finger im Spiel gehabt haben.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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