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Credit Suisse wird von Geldwäsche-Skandal erschüttert

Die Credit Suisse wird von einem Geldwäsche-Skandal erschüttert. Foto: Yü Lan - stock.adobe.com.
Die Credit Suisse wird von einem Geldwäsche-Skandal erschüttert. Foto: Yü Lan - stock.adobe.com.

Die Credit Suisse soll Kriminelle als Kunden akzeptiert haben – und das wissentlich. Darunter seien korrupte Autokraten, mutmaßliche Kriegsverbrecher sowie Menschenhändler, Drogendealer und andere Kriminelle. Das geht aus umfangreichen Recherchen einer Gruppe von mehr als 40 internationalen Medien hervor, darunter die „New York Times“, der „Guardian“ und die „Süddeutsche Zeitung“.

Eine anonyme Quelle hatte der Gruppe Daten der Credit Suisse zugespielt, die Aufschluss über 30.000 Kunden weltweit geben und aus denen Versäumnisse der Bank bei der Überprüfung ihrer Kunden hervorgehen sollen. Aus den geleakten Daten lässt sich den Presseberichten zufolge schließen, dass die Bank ab den 1940er-Jahren bis in das vergangene Jahrzehnt hinein Kriminelle als Kunden akzeptierte – darunter einige bekannte Namen.

Suisse Secrets: Credit Suisse und die Autokraten

Zu den Kunden der Credit Suisse mit obskurem Hintergrund oder auffälligen Geldbeträgen zählt beispielsweise der jordanische König Abdullah II. Er hatte mehrere Konten bei der Schweizer Bank, obwohl durch die „Pandora Papers“ bekannt wurde, dass der König in Korruption verwickelt sein könnte. Ein weiteres Beispiel ist die Familie von Kasachstans Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew, die in dem Land auch heute noch als einflussreich und mächtig gilt. Laut Recherchen des Medienverbunds hatten zwei Töchter und ein Schwiegersohn des Ex-Präsidenten Konten bei der Credit Suisse, die meisten davon wurden im Jahr 2012 geschlossen.

Auch ein Deutscher reiht sich in diese Riege ein: Ein früherer Siemens-Manager, der 2008 im Rahmen des Siemens-Schmiergeldskandals wegen Korruption verurteilt wurde, führte mehrere Konten bei der Credit Suisse. Auf einem davon sei im Jahr 2006 ein Vermögen im Wert von mehr als 54 Millionen Schweizer Franken (aktuell rund 51,66 Mio Euro) eingetragen gewesen. Dies ist eine Summe, die mit seinem Siemens-Gehalt nicht zu erklären sei, so die „SZ“.

Vernachlässigte die Credit Suisse ihre Compliance-Pflicht?

Die Recherchen der „SZ“ und ihrer Partner stellen infrage, ob die Credit Suisse ihren Pflichten im Umgang mit solchen Kunden und Konten ordnungsgemäß nachgekommen ist. Schweizer Banken haben die rechtliche Pflicht, Personen, die im Verdacht stehen, kriminell zu sein, besonders sorgfältig zu prüfen. Diese Vorschrift umfasst auch Konten von Staats- oder Regierungschefs, Ministern, Geheimdienstlern oder Unternehmern mit fragwürdigen Geschäftspraktiken. Wenn ihnen Geld aus ungeklärter Herkunft auffällt, das aus Straftaten stammen oder solchen dienen könnte, müssen Banken diese Vorgänge bei den Behörden melden.

Die Credit Suisse weist die Vorwürfe zurück: Bei den angeführten Fällen gehe es meist um solche, die weit zurückliegen, zum Teil sogar aus den 1940er-Jahren stammten. „Die Darstellung (…) basiert auf unvollständigen, ungenauen oder selektiven Informationen, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, was zu tendenziösen Interpretationen des Geschäftsgebarens der Bank führt“, so die Schweizer Bank. 90 Prozent der angeführten Konten seien bereits geschlossen worden. Diese Aussagen stehen im Gegensatz zu den Daten der „SZ“, denen zufolge mehr als zwei Drittel der vorliegenden Konten nach dem Jahr 2000 eröffnet worden seien. Etliche von ihnen gebe es bis heute.

Dennoch wittert die Credit Suisse hinter den „Suisse Secrets“ eine Verschwörung: „Hinter den Behauptungen einiger Medien steckt offensichtlich eine konzertierte Aktion mit der Absicht, nicht nur die Bank, sondern den gesamten Schweizer Finanzplatz, der sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt hat, in Verruf zu bringen“, heißt es aus dem Hause Credit Suisse. Und abschließend: „Wir werden die Angelegenheit weiter analysieren und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.“

Credit Suisse: Ein Skandal jagt den nächsten

Die neuesten Enthüllungen sind Wasser auf die Mühlen der vielen Kritiker der Unternehmenskultur bei der Credit Suisse, wo Skandal auf Skandal folgt. Kürzlich erst stand die Bank wegen des Vorwurfs der Geldwäsche vor dem Schweizer Bundesstrafgericht. Die Schweizer Bank soll Evelin B., einem verurteilten bulgarischen Drogenboss, dabei geholfen haben, 146 Millionen Franken Drogengeld zu waschen.

Im Januar bereits musste António Horta-Osório, Kurzzeit-Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, zurücktreten, weil er mehrfach gegen Corona-Quarantänevorschriften verstoßen hatte. Er hatte Tidjane Thiam als Bankchef abgelöst, der zusammen mit einigen weiteren Top-Managern der Credit Suisse über einen Beschattungsskandal gestolpert war.

Dazwischen erlitt die Credit Suisse milliardenschwere Verluste durch den Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos, den die Schweizer maßgeblich finanziert hatten. Das Gleiche passierte bei dem Lieferkettenfinanzierer Greensill, der ebenfalls mit Milliarden der Credit Suisse im Rücken spektakulär zusammenbrach.

eva.brendel[at]finance-magazin.de

Eva Brendel ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Kommunikationswissenschaft, VWL und Politik in Bamberg und Jena studiert. Neben dem Studium arbeitete Eva Brendel als freie Nachrichtenmoderatorin bei einem Lokalsender und moderierte eine eigene Podcast-Reihe.