Viele Banken zieht es wegen des Brexits in die Finanzmetropole Frankfurt. Diese will PwC jetzt als Kunden gewinnen.

MarkusBeck/iStock/Thinkstock/Getty Images

01.03.18
Banking & Berater

Wegen Brexit: PwC baut Bankberatung stark aus

Der Brexit treibt viele Investmentbanken nach Frankfurt. Das will PwC sich zunutze machen – und baut ihre Kapitalmarktberatung stark aus.

Seitdem klar ist, dass der Brexit kommen wird, stellt sich vielen internationalen Investmentbanken die Frage, ob und wie sie Teile ihres Geschäft nach Deutschland verlagern wollen. PwC sieht hohen, Brexit-bedingten Beratungsbedarf bei den Banken und reagiert darauf mit einem deutlichen Ausbau ihres Capital-Markets-Geschäfts in Deutschland.

Der Bereich, bislang Teil der PwC-Einheit Banking & Capital Markets, soll ein eigenständiger Sub-Sektor werden. Die Leitung übernimmt  Markus Sauerland, der seit Mitte Februar Parter bei PwC ist. Sauerland war seit 2014 als Berater für PwC tätig und kümmerte sich um regulative und prozessuale Fragestellungen, zuletzt vermehrt auch rund um den Brexit.

Davor arbeitete er bei der Deutschen Bank, zuletzt als Global CFO Global Markets und COO Group Finance. Unterstützt wird Sauerland von PwC-Partner Stephan Lutz als Stellvertreter, der im Bereich Risk & Regulation tätig ist.

PwC berät Banken bei Regulatorik und HR

Beratungsleistungen für Banken – auch rund um den Brexit – stehen zwar schon seit einiger Zeit auf der Agenda von PwC, tätig waren dort bisher allerdings weniger als 50 Mitarbeiter, wie ein PwC-Sprecher auf FINANCE-Anfrage erklärte. Nun soll dieses Team auf 150 Berater, Wirtschaftsprüfer und Steuerspezialisten anwachsen, 100 Stellen werden dafür neu geschaffen.

PwC hofft vor allem auf jene Banken als Kunden, die Teile ihres Investmentbankings nach Frankfurt verlagern. Diese Häuser will der Beratungsriese dann unter anderem bei regulatorischen Fragen unterstützen – darunter Lizensierungen, Genehmigungen und Compliance –, aber auch bei der Rekrutierung von Personal in Deutschland. Eine Art Outsourcing-Geschäft, bei dem die Banken sich PwC-Personal ins Haus holen könnten, will PwC nach Angaben des Sprechers aber nicht betreiben.

Nach eigener Aussage hat PwC in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Beratungsprojekte zum Thema Brexit bei Aufsehern und Finanzdienstleistern gewinnen können. Bislang zählen zu den Kunden vor allem amerikanische, asiatische und britische Banken, die ihr Geschäft aus London verlagern, so der Sprecher, allerdings ohne Namen zu nennen.

PwC als zentraler Ansprechpartner für Investmentbanken

Zwar ist der Ausbau des Bereichs Capital Markets aktuell vor allem Brexit-getrieben. Doch auch nach der Sonderkonjunktur soll der neu gegründete Bereich nicht etwa schrumpfen, betont PwC. Vielmehr wolle man die neuen Kunden, die man anfangs zu Brexit-Themen beraten hat, langfristig behalten, um ihnen auch in anderen Bereichen Dienstleistungen anzubieten. „Wir wollen PwC als zentralen Ansprechpartner für internationale Investmentbanken in Deutschland etablieren“, beschreibt Markus Sauerland das ambitionierte Ziel.

Das Thema Brexit steht bei vielen Investmentbanken weit oben auf der Agenda: Viele überlegen, ob und in welcher Form sie ihr Geschäft nach Europa verlagern können. Gerade der Standort Frankfurt ist attraktiv, viele Banken suchen dort Personal, darunter Morgan Stanley, Goldman Sachs oder auch japanische Banken wie Nomura.

PwC dürfte nicht das einzige Haus sein, das von dem entstehenden Beratungsbedarf profitiert: Die übrigen Big-Four-Konkurrenten EY, Deloitte und KPMG buhlen auch um die Investmentbanken. Die Big Four, die eigentlich aus der Wirtschaftsprüfung kommen, bauen ihr Beratungsgeschäft derzeit stark aus. Auch klassische Strategieberater wie McKinsey oder BCG dürften das Thema Brexit-Beratung oben auf ihrer Agenda haben.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Wie sich das Geschäft von KPMG, PwC, Deloitte und EY entwickelt, können Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four nachlesen. Wie sich Banken und Unternehmen für den Austritt Großbritanniens aus der EU rüsten, finden Sie auf unserer Themenseite zum Brexit