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Bafin nimmt N26 an die Leine

Die Bafin schickt N26 einen Sonderbeauftragten ins Haus.
N26

Schwerer Rüffel für N26: Begleitet von einem Schreiben, dessen Ton es in sich hat, entsendet die Finanzaufsicht einen Sonderbeauftragten zur Neobank. Dieser soll sicherstellen, dass das Finanz-Einhorn „angemessene interne Sicherungsmaßnahmen ergreift und allgemeine Sorgfaltspflichten bei der Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung einhält“. Der Sonderbeauftragte soll dafür sorgen, dass N26 die von der Bafin festgestellten Mängel behebt und dafür auch „eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung“ sicherstellt.

2019 hatte die Bafin die N26 in gleicher Sache schon einmal gerügt. N26 versprach seitdem mehrmals, zu kooperieren und stark in Compliance zu investieren. Doch offenbar ist die Bafin mit dem Erreichten nicht zufrieden.

Bafin kann N26 nun komplett überwachen

Gegenüber FINANCE begründete die Bafin ihren Schritt so: „Wegen weiterhin bestehender Mängel in der Geldwäscheprävention ergreifen wir nun weitere Maßnahmen. Wir erwarten von der Bank, dass sie insbesondere Mängel bei der Transaktionsüberwachung und bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden beseitigt.“ Dafür habe die Bafin N26 auch eine Frist gesetzt. Den Sonderbeauftragten betrachtet die Bafin als ihren „verlängerten Arm, um Fortschritte eng begleiten zu können“. Diesen Schritt ist die Bafin in der Geschichte des Finanzplatzes Deutschland erst ein einziges anderes Mal gegangen – im Jahr 2018 bei der Deutschen Bank. Und der Sonderbeauftragte agiert bei der Deutschen Bank immer noch.

Die Konfrontation kommt überraschend. Nach eigener Darstellung hatte sich N26 angeblich stark professionalisiert und auch gut mit der Bafin zusammengearbeitet. Nach der ersten Rüge hatte der Deutschlandchef des Fintechs berichtet, dass der Compliance-Bereich „stetig ausgebaut“ werde. Vor wenigen Monaten verkündete N26 zudem, dass man sich in eine Finanzholding umwandeln wird. Dadurch würde nun der gesamte Konzern von der Bafin überwacht und nicht mehr nur die N26 Bank. Mitgründer Maximilian Tayenthal berichtete in dem Zusammenhang, einen „offenen und vertrauensvollen Dialog mit den Aufsichtsbehörden“ zu führen.

Im Zuge der Umwandlung stehen dort in Kürze auch Managementwechsel an. Richard Groeneveld, seit April 2019 CFO der N26 Bank, wird offiziell Ende Juni gehen. Wenig später wird auch der bisherige N26-Bank-Chef Markus Gunter sein Amt übergeben – an Mitgründer Tayenthal.

N26 will mit Bafin kooperieren

N26 gibt sich nun zerknirscht und gelobt Besserung. Auf FINANCE-Anfrage ließ das Fintech ausrichten, dass „die Forderungen aus der 2019 ergangenen Anordnung“ zwar „abgeschlossen“ seien. Dennoch „erkennt N26 an, dass noch mehr getan werden muss“.

Dass nach wie vor Handlungsbedarf besteht, begründet das Fintech mit der Coronapandemie, in deren Folge „kriminelle Aktivitäten im Zusammenhang mit Online-Handel stark zugenommen“ hätten.

„Wir nehmen das Thema sehr ernst und verpflichten uns, alle Forderungen der Bafin umzusetzen“, behauptet N26 – und verweist auf bereits angestoßene Investitionen: „In diesem Jahr planen wir, unsere Teams im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung, Produkt und Sicherheit um 150 Prozent aufzustocken.“

FINANCE-Köpfe

Dr. Jan Kemper, N26 Bank GmbH

Jan Kemper startet seine Karriere als Investmentbanker bei Credit Suisse und Morgan Stanley. Von Dezember 2010 bis Mai 2017 ist er Senior Vice President Finance beim Online-Versandhändler Zalando. In dieser Funktion verantwortet er den Aufbau und die Leitung der Bereiche Finanzen (Accounting, Competitive Intelligence, Controlling, Corporate Finance, Investor Relations, M&A, Payments, Treasury), Indirekter Einkauf sowie Infrastruktur (Interne IT und Real Estate). Er baut dabei sein Team von 15 auf rund 400 Mitarbeiter aus. Zusätzlich fungiert er unter anderem als Vorsitzender des M&A-Komitees. Im Oktober 2014 begleitet Kemper den 526 Millionen Euro schweren Börsengang des Unternehmens.

Im Juni 2017 übernimmt Jan Kemper die Position des Finanzvorstands bei dem Medienkonzern ProSiebenSat.1. Er folgt bei den Münchenern auf Gunnar Wiedenfels. Ab August 2017 übernimmt er zusätzlich zu seinen Aufgaben als Finanzvorstand von ProSiebenSat.1 das M&A-Ressort von Ralf Schremper, der als Partner zu Oakley Capital Private Equity nach London wechselt. Ebenso verantwortet er von Februar 2018 an die Leitung des Commerce-Bereichs Nucom, den zuvor der aus dem Unternehmen ausgeschiedene CEO Thomas Ebeling führte.

Im Februar 2019 wird bekannt, dass Kemper ProSiebenSat.1 nach nur zwei Jahren wieder verlassen wird. Vpn April 2019 an ist er CEO und CFO der Online-Reiseplattform Omio. Ende Januar 2021 gibt Kemper seinen Wechsel als Finanzchef zu dem Fintech N26 bekannt. Diesen Job will er im zweiten Halbjahr 2021 antreten.

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Jan Kemper übernimmt bald als CFO

Die Bafin-Überwachung zügig zu beenden und die Compliance-Schwächen zu beheben, dürfte eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Finanzchefs werden: Im zweiten Halbjahr wird Jan Kemper, Ex-ProSieben- und Omio-CFO, diese Position bei N26 übernehmen.

Eigentlich sollte er das internationale Wachstum des Fintechs vorantreiben und die Weichen für einen Börsengang stellen. Doch die erheblichen Kosten, die der Ausbau der Compliance erfordern wird, dürften beide Vorhaben beeinträchtigen. Bei der bislang letzten offiziellen Finanzierungsrunde im Juli 2019 wurde N26 mit 3,5 Milliarden US-Dollar bewertet.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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