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Commerzbank: Jobabbau trifft Firmenkundengeschäft hart

Könnte die Commerzbank bald einen neuen Hauptaktionär haben? Foto: Commerzbank AG
Könnte die Commerzbank bald einen neuen Hauptaktionär haben? Foto: Commerzbank AG

Standortschließungen, das Kappen von nicht profitablen Kundenbeziehungen und der Abbau von rund 10.000 Stellen weltweit: Der Restrukturierungskurs, den die Commerzbank eingeschlagen hat, ist hart und wirkt sich auch auf das Firmenkundengeschäft der Bank aus.

Nachdem der zum Jahresanfang als Sanierer angetretene neue Commerzbank-Chef Manfred Knof gleich nach seinem Antritt eine weitere Restrukturierung der Bank angekündigt und die Bank im März mit der geplanten Schließung von 15 Auslandsstandorten die Quasi-Abkehr von ihrer erst 2019 eingeleiteten Wachstumsstrategie im Auslandsgeschäft verkündet hatte, ist nun auch der geplante Personalabbau beschlossene Sache.

 

 

Commerzbank will Personalabbau bis 2024 abschließen

So teilte die Bank am Freitag Nachmittag mit, dass sie sich mit den Arbeitnehmergremien über den Abbau von 10.000 Stellen – ein Viertel ihres gesamten Personals – geeinigt hat. Dieser soll bis Ende 2024 abgeschlossen werden und vor allem über Altersregelungen wie Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen realisiert werden. Dazu habe man die Vorruhestandsregelung auf sieben Jahre ausgeweitet, hieß es. Wie viele Stellen allein über die Altersregelungen eingespart werden können, sei aktuell jedoch noch nicht abzusehen, wie ein Sprecher der Bank auf FINANCE-Anfrage erläutert.

Der ein oder andere Mitarbeiter dürfte womöglich auch an anderer Stelle in der Bank unterkommen. Geplant ist laut Bank im gleichen Zeitraum die Schaffung von 2.500 neuen Stellen. Mit diesen wollen die Gelben ihre Kosten für externe Dienstleister weiter senken. In den kommenden Monaten sollen die Details des Stellenabbaus in den einzelnen Konzernbereichen beraten und beschlossen werden.

Die Verhandlungen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. 2023 will die Bank den Stand des Abbaus prüfen. Sollte sie dann feststellen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, werde über erforderliche weitere Schritte, gesprochen – dazu gehörten kollektive Arbeitszeitverkürzung oder betriebsbedingte Kündigungen als letztes Mittel.

CoBa reduziert Firmenkundenbereich um 900 Stellen

Fest steht jedoch bereits jetzt: Mit insgesamt 900 Stellen weltweit betreffen 9 Prozent der wegfallenden Jobs den Firmenkundenbereich der Commerzbank, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Wie viele davon in Deutschland betroffen sind, gab er nicht an. Dass es Veränderungen im Firmenkundengeschäft geben wird, hatte die Bank bereits vor einiger Zeit angekündigt. So werde sie sich wieder stärker auf deutsche Firmen und Unternehmen, die in Deutschland tätig sind, konzentrieren, berichtete der neue Vorstand des Firmenkundengeschäfts, Michael Kotzbauer, kürzlich im FINANCE-Interview.

Speziell das Geschäft mit den Mittelständlern soll automatisierter und effizienter werden, von unprofitablen Kundenbeziehungen will sich die Commerzbank trennen. Auch das Investmentbanking soll sich auf Kundengeschäfte fokussieren.

Commerzbank könnte Hunderte Firmenkunden verlieren

Angeblich kalkuliert die Bank, die sich in der FINANCE-Banken-Survey mehrmals in Folge die Spitzenposition bei deutschen Firmenkunden sichern konnte, im Zuge der Umstrukturierung mit dem Verlust von bis zu 1,7 Millionen Kunden, darunter auch einige hundert größere Firmenkunden. Dabei ist das Firmenkundengeschäft – einst Perle der Commerzbank – bereits zu deren Sorgenkind mutiert. Und nicht zuletzt setzt auch die befürchtete Pleitewelle im Zuge der Corona-Pandemie die traditionell im Mittelstand stark exponierten Bank unter Druck.

Die geplanten Kosten für die im Februar beschlossene Restrukturierung unter dem Titel „Strategie 2024“ beziffert die Commerzbank mit etwas mehr als 2 Milliarden Euro. Davon sind 900 Millionen Euro bereits in den vergangenen beiden Geschäftsjahren verbucht und sollen komplett aus Eigenmitteln kommen. Mit den Bemühungen will die CoBa unter anderem ihre Kosten um rund 1,4 Milliarden Euro (20 Prozent) senken. Nach den Umbauten verspricht sich die Commerzbank 2024 eine Eigenkapitalrendite von 6,5 bis 7 Prozent.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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