Wird Michael Kotzbauer der neue Chef des Firmenkundengeschäfts der Commerzbank?

Commerzbank AG

25.11.20
Banking & Berater

Commerzbank: Kotzbauer soll Boekhout beerben

Das Personalkarussell bei der Commerzbank dreht sich weiter: Auch Firmenkundenchef Roland Boekhout soll seinen Posten abgeben, als Nachfolger wird Bereichsvorstand Michael Kotzbauer gehandelt. Enden damit die Machtkämpfe?

Die Commerzbank findet personell nicht zur Ruhe: Medienberichten zufolge soll Michael Kotzbauer Roland Boekhout an der Spitze des Firmenkundengeschäfts ablösen. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ aus informierten Kreisen. Ein Insider bestätigte die Information gegenüber dem „Handelsblatt“.

Michael Kotzbauer ist ein eingesessener Commerzbanker, der seit 1990 für die gelbe Bank arbeitet. Derzeit leitet er als Bereichsvorstand der Mittelstandsbank die Region Mitte und Ost und treibt dort unter anderem die Digitalisierung voran: „Wir wollen der Innovator bei Trade Finance in Deutschland sein“, sagte er im August gegenüber FINANCE.

Bereits am Dienstag schrieb die „Wirtschaftswoche“, dass der bisherige Firmenkundenchef Boekhout von seinem Posten zurücktreten werde. Die Commerzbank wollte dies nicht kommentieren, doch es soll noch in dieser Woche Klarheit geben: Der Aufsichtsrat wird sich voraussichtlich in einer außerordentlichen Sitzung am Freitag mit der Personalie befassen.

Boekhout war Deutschlandchef bei der ING

Das Commerzbank-Kapitel dürfte in der Vita von Boekhout damit kein langes werden. Der Niederländer hatte den Job erst im Januar dieses Jahres angetreten als er die Verantwortung für das Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft von Michael Reuther übernahm, der die Commerzbank verließ, um als Investor in der Fintech-Szene zu agieren.

Die Commerzbank angelte sich mit Boekhout einen hochkarätigen Nachfolger. Er war von 2010 bis 2017 Deutschlandchef der ING und verantwortete zuletzt die Bankgeschäfte der niederländischen Bank in den Benelux-Staaten.

In dieser Zeit arbeitete er auch maßgeblich an dem Einstieg ins Firmenkundengeschäft mit, wo die ING mittlerweile eine der Top-Adressen im deutschen Markt ist. Zusätzlich brachte er das Thema Digitalisierung bei den Niederländern voran – genau das Thema, was er auch bei der Commerzbank nach vorne bringen sollte. 

Boekhout wurde zwischenzeitlich sogar als Kandidat für den vakanten CEO-Posten gehandelt, als Commerzbank-Chef Martin Zielke nach einem Streit mit dem Großaktionär Cerberus zusammen mit seinem Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann das Handtuch warf.

Auch CFO Bettina Orlopp wurde als Nachfolgerin gehandelt. Jedoch bevorzugte der Aufsichtsrat eine externe Lösung. So wird der bisherige Deutsche-Bank-Manager Manfred Knof für den zum Jahresende ausscheidenden Martin Zielke übernehmen. 

Unstimmigkeiten zwischen Aufsichtsrat und Boekhout

Mit der Ernennung von Knof kamen die ersten Gerüchte darüber auf, dass Boekhout die Bank möglicherweise verlassen könnte. Die Entscheidung des Niederländers, der Bank den Rücken zu kehren, soll laut Finanzkreisen aber nichts mit der CEO-Debatte zu tun haben. Der Entscheidung sollen vielmehr heftige Debatten über die Zukunft des Firmenkundengeschäfts vorausgegangen sein.

Im Kern soll es um die Größe der Sparte gehen. Boekhout wollte das Netz der knapp 50 Auslandstöchter reduzieren und forderte, dass die Bank dennoch weiterhin global vertreten sein soll. Der neue Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter soll dagegen gewesen sein, schreibt das „Handelsblatt“.

Das Firmenkundengeschäft der Commerzbank braucht – wie die Bank als Ganzes – dringend eine neue Strategie. Die Anfang November veröffentlichten Geschäftszahlen zum dritten Quartal machten dies deutlich: Mit einem operativen Verlust von 120 Millionen Euro lieferte das Firmenkundensegment in den ersten neun Monaten das schlechteste Ergebnis aller operativen Geschäftseinheiten ab.

Enden nun die Machtkämpfe bei der Commerzbank?

Martin Zielke und Stefan Schmittmann sind bereits weg. Auch Privatkundenchef Michael Mendel kündigte seinen Abschied an. Sollte nun auch Roland Boekhout gehen, wären zumindest die wichtigsten Machtkämpfe innerhalb der Bank entschieden, sodass die neue Führungsriege einheitlich an einer neuen Strategie arbeiten könnte. Diese will die Bank im ersten Quartal 2021 präsentieren.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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