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Diese Banken haben die höchsten CDS-Spreads

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Die 5-Jahres-CDS-Spreads sind auf einem Zehnjahreshoch.
Die 5-Jahres-CDS-Spreads sind auf einem Zehnjahreshoch. Foto: Blue Planet Studio -stock.adobe.com

Energiekrise, die galoppierende Inflation und zuletzt die drohende Rezession: Der Druck auf die deutschen Unternehmen wächst, und mit ihm die Zahl der Insolvenzen, wie zuletzt die des Autozulieferers Borgers, des Hygienepapierherstellers Hakle oder des Schuhhändlers Görtz. Das dürften auch die Banken in Form von höheren Belastungen im Kreditgeschäft zu spüren bekommen. In Anbetracht der Kostenexplosion für die Unternehmen und der steigenden Zahl an Insolvenzen wächst auch das Risiko von Kreditausfällen.  

Dass diese Sorge nicht ganz unbegründet sein dürfte, zeigen die jüngsten Zahlen der US-Großbanken, die in Erwartung eines Wirtschaftseinbruchs ihre Rückstellungen für die Risikovorsorge teils deutlich erhöht haben. So hatte nach umfangreichen Auflösungen 2021 etwa das Geldhaus JP Morgan allein im dritten Quartal dieses Jahres die Rückstellungen für die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle um 808 Millionen US-Dollar aufgestockt.  

Auch die Citigroup hatte ihre Risikovorsorge um 370 Millionen Dollar erhöht. Ein mögliches Warnsignal auch für die heimischen Finanzinstitute, schließlich setzen gerade deutsche Unternehmen bei der Finanzierung noch deutlich stärker auf Kredite als jene in den USA.  

Geringe Risikovorsorge bei deutschen Banken 

Doch im Vergleich zu den Mitbewerbern jenseits des Atlantiks zeigen sich die heimischen Finanzinstitute mit Blick auf die Risikovorsorge vergleichsweise entspannt. So wuchsen bei der Deutschen Bank die Rückstellungen im dritten Quartal auf 350 Millionen Euro. Bis Jahresende geht die Bank von einer Vorsorge in Prozent auf das durchschnittliche Kreditvolumen von 25 Basispunkten aus. Damit hätte sich diese im Vergleich zum Jahresbeginn lediglich um 5 Basispunkte erhöht.  

Auch die LBBW hat ihre Rückstellungen im ersten Halbjahr lediglich um 22 Millionen Euro auf 85 Millionen Euro erhöht und geht nach eigenen Aussagen von einer weiterhin niedrigen Kreditausfallquote (NPL) aus.  

Kreditrisiken besorgen EZB 

Deutlich besorgter zeigen sich stattdessen die Bankenaufseher der EZB. So hatte deren Chef Andrea Enria die europäischen Banken erst kürzlich gemahnt, mit Blick auf die Entwicklungen im Risikoausblick wachsam zu bleiben und möglichen Kreditrisiken frühzeitig und proaktiv zu begegnen.   

Ein weiterer Indikator für die wachsende Gefahr dürfte zudem der Blick auf die Credit-Default-Swaps (CDS) sein. So sind die Spreads bei den Kreditausfallversicherungen bereits vor der Finanzkrise 2008 deutlich gestiegen und rangieren auch aktuell auf einem Zehnjahreshoch. Die 5-Jahres CDS-Spreads liegen zurzeit bei 110 Basispunkten und damit auf dem Niveau der Jahre 2012 und 2013. Die Kreditausfallversicherungspolicen aller Banken sind damit im 3. Quartal noch einmal teurer geworden.  

Gründe dafür sind die hohe Inflation, die Straffung der Geldpolitik und die insgesamt große weltweite wirtschaftliche Unsicherheit. Diese Entwicklungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer globalen Rezession und damit einer Zunahme von Insolvenzen, was wiederum zu mehr Ausfällen in den Kreditbüchern der Banken führt. Zu diesem Ergebnis kommt der Bank Monitor für das 3. Quartal von FCF Fox Corporate Finance. 

Krisen-Frühindikator CDS  

CDS gelten als wichtiger Frühindikator für Finanzkrisen. Die CDS-Spreads geben einen Preis für die künftige Zahlungsfähigkeit einer Bank auf der Grundlage aller auf dem Markt verfügbaren Informationen an und signalisieren die Fähigkeit der Bank, in Krisenzeiten auch auf illiquiden Märkten funktionsfähig zu bleiben. 

2008 zeigten die steigenden Preise für CDS die drohende Finanzkrise früher an als die Ratings der Agenturen. CDS-Spreads haben auch ganz konkrete Auswirkungen für die Banken selbst. Im Interbankenmarkt bedeuten höhere CDS-Spreads höhere Zinsen für die leihende Bank. Teure CDS verringern also Gewinnmarge und Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Kreditinstitute.  

Der niedrigste 3-Jahres CDS-Spread mit 23,8 Basispunkten wurde bei der ING gemessen, der höchste bei der HCOB, der ehemaligen HSH Nordbank, mit 159,4 Basispunkten. Das entspricht einem Unterschied von 6,7x, wie aus der Untersuchung von FCF Fox Corporate Finance hervorgeht.  

Die niedrigsten CDS-Spreads hat die DZ Bank 

Der niedrigste Wert bei den 5-Jahres Spreads lag mit 52,0 Basispunkten bei der DZ Bank, der höchste Spread wurde wieder bei der HCOB mit 254,5 Basispunkten gemessen. Hier beträgt der Unterschied 4,9x. Das gleiche Bild bei den 10-jährigen CDS-Spreads: Hier lag der niedrigste Spread wieder bei der DZ Bank mit 65,0 Basispunkten und der höchste bei 285,2 Basispunkten bei der HCOB, was einem Unterschied von 4,4x entspricht.  

Die besten S&P-Ratings wiesen mit AA- die Landesbanken BayernLB, Helaba und die LBBW auf, das höchste Rating mit einem BBB die UniCredit sowie die HCOB. 

CDS-Spreads steigen seit Herbst 2021 wieder 

Generell steigen die 5-Jahres CDS-Spreads bei den 22 untersuchten und in Deutschland und Österreich aktiven Banken seit dem 3. Quartal 2021 wieder. Seit Februar, mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, deutlich kräftiger.  

Bei der HCOB jedoch schossen sie im Vergleich zu den anderen Banken seit Juni regelrecht in die Höhe. Die Autoren des Bank Monitors vermuten darin einen Zusammenhang mit möglichen neuen Untersuchungen zur Verstrickung der HCOB-Vorgängerbank HSH Nordbank in Cum-ex Geschäften.  

Kürzlich wurde zudem bekannt, dass die aktuellen Mehrheitseigentümer der HCOB, die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers, ihre Verkaufspläne vorerst gestoppt hätten. Ein möglicher Verkauf hätte eine Milliardensumme in die Kassen der Hedgefonds gespült, aufgrund der aktuellen Marktlage sei dieser im Moment aber nicht realisierbar.  

HCOB und Deutsche Bank am volatilsten 

Laut Bank Monitor waren in den vergangenen drei Jahren die HCOB und die Deutsche Bank am volatilsten, mit Standardabweichungen von 48 und 30 Basispunkten. LBBW und Helaba dagegen waren mit Standardabweichungen von 8 und 11 Basispunkten am konstantesten. Die solventesten Banken seien die DZ Bank, LBBW und die ING mit CDS-Spreads unter 60 Basispunkten.  

Zwar legte laut Bank Lending Survey (BLS) der Bundesbank knapp ein Fünftel der deutschen Banken im dritten Quartal strengere Vergaberichtlinien für Unternehmenskredite an, da sich das Kreditrisiko erhöht hat. Auf die CDS-Spreads hatten diese Maßnahmen bislang keine Auswirkungen. Von daher dürften spätestens im vierten Quartal die Rückstellungen für die Risikovorsorge auch bei den hiesigen Banken steigen. 

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.