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Firmenkunden: Dampft die Commerzbank ihr Auslandsgeschäft ein?

Die Commerzbank steht wieder einmal Kopf: Coba-Chef will das Firmenkundengeschäft auf Deutschland fokussieren.
Comofoto - stock.adobe.com

Die Commerzbank und ihr neuer Chef Manfred Knof haben ihre bereits angekündigten Umbaupläne konkretisiert: Wie das Geldhaus mitteilt, wolle man sich eine „tiefgreifende Restrukturierung“ auferlegen. Die Ziele: Kosten runter bei gleichbleibender Rentabilität. Die Bank will zudem digitaler werden. Das geht aus einer Mitteilung hervor, in der die Bank die Eckdaten ihres neues Strategieprogramms skizziert.

Commerzbank: Nur Firmenkunden mit Deutschlandbezug

Auch für das Firmenkundengeschäft sind Änderungen geplant, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Die Commerzbank wolle sich demnach bei den Unternehmenskunden künftig darauf fokussieren, deutsche Unternehmen im Ausland zu begleiten oder ausländischen Firmen beim Geschäft in Deutschland zu unterstützen.

Das Auslandsgeschäft ohne jeglichen Bezug zum Heimatmarkt werde demnach komplett eingestampft. Mehrere größere Standorte im Ausland sollen geschlossen werden, schreibt das „Handelsblatt“. Auf FINANCE-Anfrage wollte ein Sprecher der Commerzbank die Informationen nicht kommentieren. Weitere Details sollen folgen, sobald die Strategie vom Vorstand verabschiedet wurde.

Grund für den Schritt ist offenbar, dass das reine Auslandsgeschäft viel Kapital bindet, gleichzeitig aber wenig profitabel ist. Dieses Thema war dem Vernehmen nach wohl auch ein Grund für den Abschied von Ex-Firmenkundenchef Roland Boekhout, der weniger rigoros vorgehen wollte. Sein Nachfolger Michael Kotzbauer will sich hingegen stärker auf den deutschen Mittelstand konzentrieren.

Commerzbank will Kosten um 20 Prozent senken

Der Umbau betrifft nicht nur das Geschäft mit Unternehmenskunden. Konkret will die Commerzbank mittels eines Sparprogramms die Kosten im Jahr 2024 im Vergleich zu den erwarteten Zahlen für 2020 um 1,4 Milliarden Euro reduzieren. Das wäre eine Kosteneinsparung von 20 Prozent. Demgegenüber erwarten die Frankfurter – exklusive weiteren Wachstums in der polnischen MBank – weitgehend stabile Erträge.

Nach den Umbauten strebt die Commerzbank in vier Jahren eine Eigenkapitalrendite („RoTE“) von 6,5 bis 7 Prozent an. Bei den Restrukturierungsaufwendungen rechnet das Geldhaus mit 1,8 Milliarden Euro, die zur Hälfte schon verbucht sind und komplett aus Eigenmitteln finanziert werden sollen.

Commerzbank-Chef Knof plant vor allem im Filialgeschäft massive Einschnitte: Die Zahl der Standorte soll von aktuell 790 auf dann bundesweit 450 Filialen verringert werden. Damit einher geht ein Stellenabbau: Die Commerzbank will bis 2024 brutto rund 10.000 Vollzeitstellen abzubauen. In Deutschland betrifft dies jeden dritten Arbeitsplatz. Der MDax-Konzern werde „alles daransetzen, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern faire und – soweit möglich – sozialverträgliche Lösungen für den Stellenabbau“ zu vereinbaren. Es dürften harte Verhandlungen werden.

Kooperation mit US-Konzern Microsoft

Nur Sparen will die Commerzbank aber nicht – sie will auch deutlich digitaler werden. In den kommenden vier Jahren wolle man rund 1,7 Milliarden Euro in die Modernisierung der IT investieren, heißt es in der Mitteilung.

Erst vergangene Woche hatte die Commerzbank eine strategische Kooperation mit dem US-Konzern Microsoft bekanntgegeben. Das Institut will einen „signifikanten Teil“ der Anwendungen in die Cloud-Computing-Plattform Microsoft Azure auslagern. Das Institut arbeitet aber nicht exklusiv mit dem US-Konzern zusammen, sondern verfolgt eine Multi-Cloud-Strategie mit mehreren Technologiepartnern. Ein erstes Ergebnis der Kooperation ist ein Cash-Management-Tool.

Die Restrukturierungspläne sind noch nicht final abgesegnet. Der Vorstand der Bank hat dem Aufsichtsrat den Entwurf des neuen Strategieprogramms zur Erörterung vorgelegt. Die Aufsichtsratssitzung soll am kommenden Mittwoch stattfinden. Danach kann der Vorstand die neue Strategie dann beschließen.

An der Börse kamen die Restrukturierungspläne gut an: Am gestrigen Donnerstagnachmittag stieg die Aktie nach Bekanntwerden der Pläne von 5,30 Euro auf zwischenzeitlich fast 5,80 Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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