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Fosun will die Macht bei der BHF Bank

Firmenzentrale der BHF Bank in Frankfurt. Geht das Traditionshaus an den chinesischen Investor Fosun?
BHF-Bank Aktiengesellschaft

Der Machtkampf bei der Frankfurter BHF Bank ist eskaliert und wird nun auf M&A-Ebene ausgetragen: Am Freitagabend unterbreitete der chinesische Großinvestor Fosun ein Kaufangebot für sämtliche ausstehende Aktien der Holding BHF Kleinwort Benson (BHFKB), die Mehrheitseigentümerin der BHF Bank ist. Derzeit hält Fosun gut 28 Prozent der Anteile, strebt durch den M&A-Deal der Mitteilung zufolge aber mindestens 50 Prozent plus eine Aktie an. In Finanzkreisen wird das Übernahmeangebot als feindlich eingestuft.

Somit droht die Auseinandersetzung der BHF-Bank-Aktionäre sich weiter zuzuspitzen. Vorausgegangen war die Abberufung des Vorstandssprechers der BHF Bank, Björn Robens, Mitte Juni. Der Manager wurde freigestellt, ohne Fosun mit einzubeziehen. Die Chinesen halten zwar mehr als ein Viertel der Aktien, haben jedoch keinen Sitz im Aufsichtsrat.

Fosun-Angebot für BHF liegt bei fast 500 Millionen Euro

Das soll sich durch die Übernahme der BHF-Bank nun ändern. Fosun bietet 5,10 Euro pro Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 16 Prozent verglichen mit dem durchschnittlich gewichteten Aktienkurs der vergangenen sechs Monate und liegt laut Fosun fast 10 Prozent über dem letzten unbeeinflussten Aktienkurs vom 24. Juli der in Belgien notierten BHFKB-Gruppe. Der Gesamtpreis des Pakets beläuft sich auf 498 Millionen Euro. Der BHF-Aufsichtsratchef und dominierende BHFKB-Manager Leonhard Fischer hat nun die Qual der Wahl, das Angebot zu unterstützen und seinen Stuhl bei der BHF Bank zu räumen, oder zu versuchen, seinerseits Fosun zum Verkauf von deren Beteiligung zu bewegen.

Der Kapitalmarkt hält das Fosun-Angebot jedenfalls noch nicht für das letzte Wort. Die Aktie der BHFKB-Gruppe stieg rasant und legte seit Freitagnachmittag um 10 Prozent zu. Mittlerweile scheinen sich die Papiere der BHFKB bei dem Angebotspreis von 5,10 Euro einzupendeln, springen aber immer mal wieder auch über die magische Marke.

Wie reagieren Stefan Quandt und Philippe Oddo auf BHF-Angebot?

Nicht nur der vergleichsweise geringe Aufschlag weckt Zweifel am Erfolg des Fosun-Angebots. Hinzu kommt, dass auch die anderen großen Aktionäre der Bank Anreize haben, um eine Übernahme der BHF Bank durch Fosun zu verhindern. So hält BMW-Großaktionär Stefan Quandt 11,3 Prozent der Aktien. Für ihn hat die Beteiligung besondere Bedeutung, da die BHF Bank als seine Hausbank gilt.

Auch der französische Bankier Philippe Oddo hält ein großes Aktienpaket (13,9 Prozent). Ihm war durch die BHF Bank einst der Einstieg in den deutschen Markt gelungen. Inzwischen hat Oddo durch die Übernahmen des Asset Managers Meriten, vor allem aber des Brokerhauses Close Brothers Seydler, weitere Expansionsschritte in Deutschland unternommen. Falls er seinen Minderheitsanteil an der BHF Bank nicht mehr als strategisch einschätzt, könnte er die ihm bei einem Aktienverkauf winkenden 70 Millionen Euro nutzen, um sich nach anderen M&A-Targets im deutschen Bankensektor umzusehen, bei denen er die Aussicht hat, eine Kontrollmehrheit zu erlangen.

Fosun, die zuletzt auch bei dem Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar eingestiegen waren, will mit dem Kauf der BHF Bank, wie vor einem Jahr bereits angekündigt, eine Brücke zwischen Europa und Asien schlagen. „London als globales Finanzzentrum und Frankfurt als Finanzzentrum für Kontinentaleuropa und Clearingstelle für Renminbi werden deshalb die erste Wahl für Chinesen sein, um Investitionen in Europa zu tätigen“, lässt sich Fosun-CEO Guo Guangchang zu dem Angebot zitieren. Damit der M&A-Deal durchgeht, müssen jetzt wohl vor allem die strategisch nicht interessierten Aktionäre Franklin Templeton und Blackrock überzeugt werden, die zusammen mehr als 20 Prozent an der BHFKB-Gruppe halten.

Fosun drängt in den deutschen Markt

Mit dem Übernahmeangebot schickt sich Fosun an, die zweite Frankfurter Privatbank binnen weniger Wochen zu übernehmen. Erst Anfang Juli hatte Fosun angekündigt, das Traditionshaus Hauck & Aufhäuser zu übernehmen.

Aber auch dieser M&A-Deal hängt – ebenso wie die mögliche BHF-Transaktion –  an der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. BHF und Hauck & Aufhäuser zusammenführen will Fosun derzeit jedoch offenbar nicht. Fosun will für beide Marken individuell „Mehrwert schaffen“ und ist laut Mitteilung von der „Stärke der unterschiedlichen Geschäftsmodelle überzeugt“, lassen die Chinesen verlauten.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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