Mit Fosun steigt ein chinesischer Mischkonzern bei KTG Agrar ein. CEO Siegfried Hofreiter will davon gleich doppelt profitieren.

KTG Agrar

29.06.15
CFO

Chinesen steigen bei KTG Agrar ein

Der Mischkonzern Fosun wird zweitgrößter Aktionär von KTG Agrar. KTG-Chef Siegfried Hofreiter holt sich damit für die anstehende Bond-Refinanzierung Unterstützung aus China. Dass Fosun dabei wertvoll sein kann, hat gerade erst ein anderer deutscher CFO erfahren.

Das Landwirtschaftsunternehmen KTG Agrar bekommt einen neuen Großaktionär aus China. Das Investmenthaus Fosun kauft der Gründerfamilie Ams 9 Prozent der Aktien von KTG Agrar  ab. Angesichts des aktuellen Aktienkurses von KTG Agrar dürfte sich das Dealvolumen auf knapp unter 9 Millionen Euro belaufen.

Damit wird KTG jetzt von zwei Großaktionären dominiert. Neben dem neuen Investor aus China wird die Familie Ams künftig gut 30 Prozent an KTG Agrar halten. Der Freefloat liegt bei rund 60 Prozent. Repräsentiert wird die Ams-Familie im Aufsichtsrat von KTG durch Beatrice Ams, die Lebensgefährtin von KTG-Agrar-Chef Siegfried Hofreiter. Fosun hat sich für drei Jahre die Option einräumen lassen, den KTG-Anteil auf bis zu 20 Prozent zu erhöhen.

Fosun soll KTG Agrar bei Expansion in China helfen

Offenbar verspricht sich Hofreiter von dem Einstieg der Chinesen auch einen strategischen Nutzen. In den vergangenen Wochen lancierte KTG immer wieder Hinweise darauf, dass der Konzern für sein Nahrungsmittelgeschäft Expansionschancen in China prüft. „Fosun wird uns dabei unterstützen, China als größten Konsumentenmarkt mit unseren hochwertigen Lebensmitteln zu erschließen“, hofft nun Hofreiter.

Die Beteiligung hat dem Vernehmen nach aber auch einen finanziellen Aspekt. Laut Hofreiter will Fosun KTG auch „aktiv bei der Refinanzierung unterstützen“. Dass die Chinesen dabei tatsächlich Mehrwert bieten können, hat erst vor wenigen Tagen Axel Rebien, der CFO des Modehauses Tom Tailor, in einem FINANCE-Interview berichtet. Bei der erfolgten Refinanzierung von Tom Tailor habe Fosun Finanzchef Rebien wichtige Türen bei chinesischen Investoren aufgemacht. 

KTG Agrar ist mit mehr als 8x Ebitda verschuldet

Das Thema Refinanzierung ist für KTG Agrar ein drängendes. Das Unternehmen ist hoch verschuldet, und die umfangreichen Investitionen der Vorjahre in Ackerland und Lebensmittelbetriebe schlagen sich nicht so schnell wie erhofft in höheren Gewinnen und Cashflows nieder. Die von Hofreiter schon vor mehr als einem Jahr ausgerufene Erntephase lässt noch auf sich warten. 

Zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres summierte sich die Nettofinanzverschuldung der KTG-Gruppe auf 462,5 Millionen Euro. Dies entspricht mehr als dem 8-fachen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Eine kleine Kapitalerhöhung über 7,25 Millionen Euro vor wenigen Wochen hat die Leverage-Kennzahlen nur minimal verbessern können. 

2017 wird der Jumbo-Bond von KTG fällig

Dies hat auch zu einer wachsenden Zurückhaltung der Investoren geführt. Mit der Refinanzierung einer in wenigen Wochen auslaufenden Mittelstandsanleihe über 50 Millionen tat sich das Unternehmen im vergangenen Jahr sehr schwer: Hofreiter konnte im ersten Anlauf eine neue Anleihe, die dieses Papier ablösen sollte, nur zur Hälfte platzieren. Doch inzwischen sei die Rückzahlung der 50 Millionen Euro gesichert, erklärt KTG. 

Der Finanzierungspeak liegt allerdings noch vor KTG Agrar. Im Juni 2017 läuft die große KTG-Anleihe mit einem Volumen von 210 Millionen Euro aus. Schon seit langem wachsen die Sorgen der Investoren, ob KTG eine Anschlussfinanzierung gelingen wird. Wohl vor allem aus diesem Grund hat die KTG-Aktie am zurückliegenden Börsenaufschwung nicht teilgenommen und sich lediglich seitwärts entwickelt. Heute allerdings kann sich die KTG-Aktie dafür dem sehr schwachen Marktumfeld entziehen und gegen den Trend sogar zulegen.

Um die Sorgen aber auch nachhaltig zu zerstreuen, wird Hofreiter spätestens in der ersten Hälfte des kommenden Jahres ein belastbares Konzept präsentieren müssen, wie die Jumbo-Anleihe refinanziert werden soll. Die Hoffnungen dafür ruhen jetzt auch auf Fosun.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Eine ausführliche Hintergrundgeschichte zur aktuellen Lage bei KTG Agrar gibt es in der kommenden Ausgabe des FINANCE-Magazins.