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HSBC legt starke, aber undurchsichtige Zahlen vor

HSBC Deutschland legt eine solide Bilanz vor. Foto: HSBC
HSBC Deutschland legt eine solide Bilanz vor. Foto: HSBC

Die deutsche Tochter der britischen HSBC hat ihr Zahlenwerk vorgelegt, und dieses kann sich in einigen Punkten sehen lassen: Um 57 Prozent gegenüber Vorjahr kletterte das Vorsteuerergebnis auf 294 Millionen Euro. Herausgerechnet sind allerdings die Kosten für das laufende Transformationsprogramm. Bereinigt um diese Kosten sowie um die Erlöse aus dem Verkauf der Zentrale in Düsseldorf reduziert sich das Plus auf nur noch 13 Prozent auf 271 Millionen Euro. Doch auch dies sei ein Rekordgewinn, betont die Bank. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die von 84 auf 7 Millionen Euro gesunkene Risikovorsorge.

Die operativen Umsätze stiegen indes nur minimal von 888 auf 900 Millionen Euro. Dies liege mitnichten an einem mauen Handels-, Provisions- und Zinsgeschäft, betonte Vorstandssprecher Nicolo Salsano gegenüber der „Börsenzeitung“. Vielmehr schlage sich hier nieder, dass nicht alle in Deutschland angebahnten Geschäfte auch tatsächlich bei der HSBC Deutschland gebucht würden. Die für Außenstehende fehlende Transparenz über den tatsächlichen Erfolg der deutschen Filiale der HSBC, die sich aus den mannigfaltigen Verrechnungen innerhalb des riesigen Finanzkonzerns ergibt, ist ein Umstand, der die HSBC in Deutschland schon seit vielen Jahren begleitet.

HSBC-Chef Salsano: „Deutschland ist ein Schlüsselmarkt“

Nach Berechnungen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“, die sich auf die im Februar vorgelegten Konzernergebnisse der HSBC stützen, dürfte das deutsche Firmenkundengeschäft der HSBC seine im Vorjahr noch schwache Ertragskraft deutlich verbessert haben. Die Autoren des Finanzportals schätzen, dass sich das Ergebnis dieses Geschäftsbereichs in Deutschland auf 82 Millionen Euro in etwa verfünffacht haben dürfte. Zudem ist die Bilanzsumme der HSBC Deutschland gewachsen, und zwar von 29,5 auf 31,5 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote wuchs von 13,4 auf 15,7 Prozent.

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Die ausgeweitete Bilanzsumme nutzt Bankchef Salsano, um Marktstimmen zu kontern, die schon seit längerem behaupten, dass die HSBC sich in Deutschland tendenziell auf dem Rückzug befände. Salsano bezeichnet Deutschland als „Schlüsselmarkt von HSBC in Europa“ – obwohl die HSBC Deutschland Ende vergangenen Jahres eine Niederlassung von HSBC Continental Europe, der Europazentale der Bank mit Sitz in Paris, geworden ist. Damit hält nun die Mutter in Paris die Zügel in der Hand.

Darüber hinaus soll das Restrukturierungsprogramm „Germany Transformation“ das deutsche Geschäft straffen, mit ihm gehen erhebliche Stellenstreichungen einher. Doch 2021 konnte ein laut HSBC „stark wachsendes Kapitalmarkt- und Wertpapiergeschäft“ die geplanten Geschäftsreduzierungen noch überkompensieren.

HSBC Deutschland erreicht Zielrendite

Im Vergleich mit anderen Konzerntöchtern schiebt sich die deutsche Filiale mit den heute vorgelegten Zahlen wieder über den Schnitt: Bis 2024, so hatte es die britische Mutter den Investoren versprochen, soll konzernweit eine Eigenkapitalrendite zwischen 10 und 12 Prozent erzielt werden. HSBC Deutschland bewegte sich mit 12 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern im Jahr 2021 bereits am oberen Ende dieses Zielkorridors.

Eine Prognose, ob die Düsseldorfer dieses Niveau halten können, traut sich Salsano mit Blick auf die aktuelle Marktlage im Schatten des Ukraine-Kriegs allerdings nicht zu.

melanie.ehmann[at]finance-magazin.de

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Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.

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