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HSBC: Beförderung für Firmenkundenchef Salsano

Aufstieg bei der HSBC Deutschland: Firmenkundenchef Nicolo Salsano ist künftig auch Vorstandschef der Großbank.
HSBC Deutschland

Paukenschlag bei der HSBC: Deutschlandchefin Carola von Schmettow tritt von ihrem Amt zurück. „Ich habe bereits vor vielen Monaten den Entschluss gefasst, eine Auszeit zu nehmen, um danach ein neues Kapitel zu beginnen“, lässt sich die Managerin in einer Mitteilung zitieren. Ihr Nachfolger wird Firmenkundenchef Nicolo Salsano, der die Spitzenposition zusätzlich zu seiner derzeitigen Aufgabe übernimmt. Er tritt sein Amt am 1. Mai an.

Mit Carola von Schmettow geht ein HSBC-Urgestein: Die Vorständin, die auch im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp sitzt, arbeitete seit knapp 30 Jahren in verschiedenen Positionen bei der britischen Großbank, unter anderem im globalen Asset Management und im Bereich Markets und Treasury. Im Jahr 2006 stieg sie in den Vorstand der Deutschlandtochter auf und übernahm das Wertpapiergeschäft und das Asset Management. Seit Juni 2015 ist sie Sprecherin des Vorstands und verantwortet den Bereich Markets and Securities Services.

„Wir respektieren die Entscheidung von Carola von Schmettow, bedauern sie außerordentlich und danken ihr für fast 29 Jahre höchst erfolgreichen Wirkens in der Bank, davon 20 Jahre am Vorstandstisch. Das von ihr auf- und ausgebaute Markets-Geschäft sowie das Securities Services-Business haben stetig Marktanteile gewonnen und erheblich zur Profitabilität der Bank beigetragen“, lässt sich Aufsichtsratschef Paul Hagen zitieren.

Neuer Chef Nicolo Salsano ist Investmentbanker

Von Schmettows Nachfolger kennt die HSBC noch nicht so lange wie sie: Nicolo Salsano leitet seit Oktober 2018 das Corporate & Institutional Banking (CIB), in dem die Großbank das Firmenkundengeschäft, das Transaction Banking und die Beratung von Konzernen und institutionellen Kunden bei M&A– und Kapitalmarktfinanzierungen bündelt.

Salsano kam damals von dem Versicherer Anbang Belgium, wo er ein kurzes Intermezzo als Anlagenchef für die Region Europa hatte. Bei der HSBC Deutschland folgte er damals auf Norbert Reis. Zuvor war der 50-jährige Italiener 17 Jahre lang in verschiedenen Positionen bei der Credit Suisse tätig, zuletzt als Chef-Investmentbanker in Deutschland und Österreich.

HSBC-Vorstand kommt nicht zur Ruhe

Der heute verkündete Wechsel an der Spitze ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Positions- und Strukturverschiebungen im Vorstand der Düsseldorfer. Anfang dieses Jahres holte die Bank die CFO-Position zurück in den Vorstand, womit sie eine Entscheidung rückgängig machte, die sie erst zwei Jahre zuvor getroffen hatte. Damals hatte die HSBC das Finanzressort von Andreas Kamp aus dem oberen Management entfernt.

Daneben gab es zahlreiche Abgänge. Bereichsvorstand Christian Kolb, der innerhalb des CIB-Ressorts das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen verantwortet, geht in den vorzeitigen Ruhestand. Für ihn übernimmt in wenigen Monaten der Ex-Deutschbanker Michael Schleef, der bereits zur HSBC gestoßen ist und gerade eingearbeitet wird. Risikochef Fredun Mazaheri nahm bereits im Februar seinen Hut. Sein Nachfolger ist seit Anfang dieses Monats Nikolas Speer.

Den Anfang der vielen Abgänge machte im Frühjahr 2020 Kapitalmarktchef Jan Willmanns, der sich nach offiziellen Angaben wieder stärker seiner Familie widmen wollte. Seinen Rückzug nahm die Bank zum Anlass, den Vorstand auszudünnen. Willmanns Aufgaben wurden umverteilt, dafür beförderte die Bank COO Thomas Runge vom Bereichsvorstand zum Vorstand.

Insgesamt zeichnet sich ein Bild ab: Offene Vorstandsposten besetzt die HSBC nur noch selten eins zu eins nach. Stattdessen werden Aufgaben innerhalb des Vorstands konzentriert – wie jetzt bei Nicolo Salsano – oder eine Ebene nach unten delegiert wie im Fall des Abgangs von Kapitalmarktchef Willmanns.

Wegen Corona: HSBC mit massiver Risikovorsorge

Für Nicolo Salsano, der nicht als besonders versierter Kommunikator gilt, ist die Beförderung an die Spitze nicht nur deshalb eine Herausforderung, weil in dieser Rolle Kommunikationsfähigkeiten noch stärker gefragt sind als in seiner bisherigen. Er übernimmt auch die Führung einer Bank, die gerade darum kämpft, nach einer Phase hoher Investitionen die gestiegene Kundenzahl und das stark ausgeweitete Kreditbuch in profitables Folgegeschäft umzuwandeln. Zur gleichen Zeit muss die Bank durch die Coronakrise manövrieren.

Bislang sind die Düsseldorfer recht gut durch die Krise gekommen: Wie die HSBC Deutschland vergangene Woche bei der Vorlage der Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 mitteilte, sind die operativen Erlöse zwar um 13 Prozent auf 888 Millionen Euro gestiegen. Der Jahresüberschuss vor Steuern betrug 187 Millionen Euro, ein Plus von 29 Prozent im Vorjahresvergleich. Das Provisionsergebnis ist um 10 Prozent auf 494 Millionen Euro gestiegen, der Zinsertrag bewegte sich mit 227 Millionen Euro auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.

Doch die Risikovorsorge, die die HSBC 2020 Corona-bedingt vornehmen musste, überschattet den Erlöszuwachs: Wie sich bereits im Sommer abgezeichnet hatte, verdoppelte die Großbank ihre Risikovorsorge fast, sie stieg um 86 Prozent auf 83,7 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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