Nach Credit-Suisse-Rettung: UBS braucht keine Staatsgarantien mehr

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Die UBS braucht keine Staatsgarantien mehr. Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com
Die UBS braucht keine Staatsgarantien mehr. Foto: Tobias Arhelger - stock.adobe.com

Die UBS gibt die Staatsgarantien des Schweizer Staats für die Notübernahme der Credit Suisse zurück. Die Schweizer Großbank hat den Garantievertrag mit dem Bund in Höhe von 9 Milliarden Schweizer Franken sowie den Vertrag über staatlich garantierte Liquiditätshilfedarlehen der Schweizer Nationalbank (SNB) von bis zu 100 Milliarden Franken aufgelöst. Das hat die UBS am heutigen Freitag mitgeteilt. Zudem hat die Credit Suisse die Notfallliquiditätshilfen in Höhe von 50 Milliarden Franken vollständig an die SNB zurückbezahlt. Die Risikoprämie betrug dafür 476 Millionen Franken.

Die UBS hat zuvor die durch den Garantievertrag abgedeckten Vermögenswerte der Credit Suisse einschließlich schwerer Stressverlustszenarien sowie die Refinanzierungssituationen der Credit Suisse und der UBS umfassend geprüft, teilt das Bankhaus mit. „Aufgrund dessen sind wir zuversichtlich, dass wir in der Lage sein werden, die Gesamtkosten und die finanziellen Auswirkungen der Integration aus eigener Kraft zu tragen“, kommentieren Colm Kelleher, Präsident des Verwaltungsrats, und Sergio P. Ermotti, Group CEO, in einem internen Memo, das FINANCE vorliegt, die Entscheidung, die Unterstützungsmaßnahmen zu beenden.

Für die Bereitstellung des Garantievertrags hat die UBS 40 Millionen Schweizer Franken an den Schweizer Staat sowie weitere 214 Millionen Schweizer Franken an die SNB und den Schweizer Staat gezahlt, die als Bereitstellungs- und Risikoprämien für die Notfallliquiditätshilfen fällig wurden.

UBS hält Staatsgarantien für nicht mehr notwendig

Die zuvor schon kriselnde und skandalträchtige Credit Suisse war dieses Frühjahr während des Bankenbebens in die Bredouille geraten und stand kurz vor der Pleite. Erst die staatlich verordnete Notübernahme durch die UBS rettete die Credit Suisse. Die Schweizer Regierung schloss mit der UBS einen Garantievertrag, der Verluste in Höhe von 9 Milliarden Schweizer Franken abdecken sollte und in Kraft getreten wäre, nachdem die UBS erste Verlust in Höhe von 5 Milliarden Franken getragen hätte. Damit sollte verhindert werden, dass die UBS ihrerseits von Risiken der Credit Suisse in den Abgrund gezogen wird.

„Mit den heute angekündigten Schritten sind sämtliche notrechtlich geschaffenen außerordentlichen Liquiditätshilfen, die am 19. März 2023 gewährt wurden, zurückbezahlt. Dies unterstreicht die Stärke von UBS sowie die Kompetenz, welche die Mitarbeitenden beider Banken in den letzten Monaten unter Beweis gestellt haben“, heißt es weiter in Kellehers und Ermottis Memo. Sie verweisen zudem auf die Märkte, die ihre Zuversicht teilen würden. Dies zeige sich an der deutlichen Verengung der Credit-Default-Spreads ebenso wie am Verhalten der Kundinnen und Kunden weltweit.

UBS will offenbar 30 Prozent der Stellen streichen

Allerdings gäbe es noch viel Arbeit zu erledigen, um das volle Potential dieser Transaktion zu realisieren. „Diesen Pokal müssen wir erst noch gewinnen“, so Kelleher und Ermotti. „Eine neue, noch stärkere UBS zu schaffen und die Credit Suisse zu integrieren, verlangt viel Einsatzwillen, Engagement und Sorgfalt.“

Zu den nächsten Schritten dürften Kündigungen und andere Maßnahmen zur Restrukturierung zählen, die in dem Memo nicht erwähnt werden. Ende Juni berichtete Bloomberg, dass die UBS die Belegschaft um 30 Prozent reduzieren will, jeder zweite Credit-Suisse-Banker sei betroffen. Von dem Personalabbau profitiert nach FINANCE-Informationen die Commerzbank, die ehemalige Credit-Suisse-Mitarbeiter in der Schweiz für das eigene Firmenkundengeschäft gewinnen konnte. Am 31. August wird die UBS ihre Ergebnisse des zweiten Quartals vorstellen. Kelleher und Ermotti wollen dann über „weitere Meilensteine“ informieren.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.