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Nach Sonderprüfung: Bafin macht IKB schärfere Kapitalvorgaben

Schärfere Vorgaben: Die Bafin zieht nach einer Sonderprüfung bei der Mittelstandsbank IKB die Zügel an. Foto: IKB
Schärfere Vorgaben: Die Bafin zieht nach einer Sonderprüfung bei der Mittelstandsbank IKB die Zügel an. Foto: IKB

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) hat die Kapitalvorgaben für die Mittelstandbank IKB verschärft. Das teilte die Bafin am Dienstagnachmittag mit. Demnach habe eine Sonderprüfung bei den Düsseldorfern gezeigt, dass „die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsorganisation“ nicht in allen untersuchten Bereichen gegeben gewesen sei. Aus diesem Grund hat die Bafin zusätzliche Eigenmittelanforderungen angeordnet. Nähere Angaben zu den Details der Sonderprüfung und der Höhe des angeordneten Kapitalaufschlags machte die Finanzaufsicht jedoch nicht.

Auch die Bank äußerte sich auf FINANCE-Anfrage nicht zur Höhe des Kapitalaufschlags. Ein Sprecher betonte jedoch, dass es sich bei der Maßnahme um eine turnusgemäße Sonderprüfung gehandelt habe. Die Bank plane, die wesentlichen Feststellungen der Bafin bis zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts am 3. Juni umzusetzen, heißt es von der IKB.

Bafin-Entscheidung ist für IKB ein Rückschlag

Die Nachricht dürfte auch den IKB-Eigentümer Lone Star verärgern. Der US-Investor hat die Mittelstandsbank seit seinem Einstieg in den vergangenen Jahren konsequent zur Cash-Cow geschrumpft. Mit Erfolg: Die Bank steht nach aktuellen Zahlen gut da. Laut den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 weist die IKB einen Konzernüberschuss vor Steuern von 104 Millionen Euro aus. Die Eigenkapitalrendite (RoE) betrug nach Steuern zuletzt 8,3 Prozent. Die Cost-Income-Ratio (CIR) lag den vorläufigen Zahlen für 2021 zufolge bei 55 Prozent.

Zwar liegt die Bank bei der Cost-Income-Ratio noch über dem selbstgesetzten Ziel von 50 Prozent, dennoch zeigt der harte Sparkurs, den Lone Star der Bank verordnet hat, deutliche Wirkung. Damit dürfte der Investor die IKB, einen noch immer wichtigen Player im deutschen Firmenkundengeschäft, für potentielle Investoren attraktiv machen. Umso ärgerlicher ist da nun der Disput mit der Bafin.

IKB streicht Investor Lone Star die Dividende

Um die verschärften Vorgaben zu erfüllen hilft es, dass die IKB in Bezug auf die harte Kernkapitalquote (CET 1) gut aufgestellt ist: Die Quote liegt mit 16,6 Prozent über den regulatorischen Vorgaben. Die Kernkapitalquote der IKB hatte sich zuletzt entgegen der ursprünglichen Kalkulation von 13 Prozent deutlich erhöht, wenn auch aus einem für Lone Star unschönen Grund: Die Bank hat kürzlich überraschend erklärt, auf die eigentlich geplante Dividendenzahlung zu verzichten.

Im vergangenen Jahr hatte die IKB angekündigt, den gesamten Überschuss des Kalenderjahres 2020 – 152 Millionen Euro – ausschütten zu wollen. Für 2021 und die kommenden Jahre hatte die Bank zudem 60 bis 80 Prozent des Jahresüberschusses nach Steuern vorgesehen. Ausgehend von den vorläufigen Zahlen für 2021 wären somit durch die Dividende voraussichtlich 52 bis 69 Millionen Euro abgeflossen. Als Gründe für die Entscheidung gegen eine Dividende nannte der Vorstand die aktuelle Markt- und Risikosituation. Damit dürfte vor allem der Ukraine-Krieg und dessen Folgen für die Wirtschaft gemeint sein. Ob die vor zwei Wochen verkündete Entscheidung auch bereits mit den nun bekannt gegebenen verschärften Kapitalvorgaben durch die Bafin zusammenhängt, ist allerdings unklar.

Für die Bank ist die angeordnete Verschärfung ein erneuter Rückschlag, nachdem es zuletzt auch personell Unruhe gab. Die Mittelstandsbank hat erst im Februar ihren Digitalvorstand Ralph Müller an die ING verloren. Müller war vor einem Jahr als Digitalvorstand zu den Düsseldorfern gekommen und sollte die Digitaloffensive der IKB vorantreiben, unter anderem mit dem Aufbau einer neuen Kreditplattform für den Mittelstand.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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