Die NordLB strafft ihre Strukturen im Firmenkundengeschäft. Wie die Landesbank am heutigen Donnerstag mitteilte, wird das Corporate Banking mit dem Verbundgeschäft zusammengelegt. Letzteres war bis dato ein eigenständiger Bereich, in dem die NordLB ihr Geschäft mit den Sparkassen gebündelt hat.
Von der Maßnahme erhofft sich das noch immer mit den Folgen der Schifffahrtskrise beschäftigte Geldhaus insbesondere eine Stärkung der Zusammenarbeit mit den Sparkassen. Diese war in den vergangenen Jahren signifikant zurückgefahren worden. „Ein besonderer Fokus wird zudem darauf liegen, mittelständische Kunden bei ihrer Transformation hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen zu begleiten“, bekräftigte Ingrid Spletter-Weiß, Firmenkundenvorständin der NordLB.
Mehr Aufgaben für Firmenkundenchefin Spletter-Weiß
Das offiziell als „Firmenkunden- und Verbundgeschäft“ bezeichnete neue Segment wird künftig das volumenmäßig größte der insgesamt fünf Geschäftsfelder des Instituts bilden, wie ein Banksprecher auf FINANCE-Anfrage bestätigte. Angestrebt werde ein moderates Wachstum, auch sollen dabei neue Stellen aufgebaut werden.
Mit der Neustrukturierung gehen mehrere organisatorische und personelle Veränderungen einher, die auch Spletter-Weiß selbst betreffen: Sie übernimmt zusätzlich zum Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft mit sofortiger Wirkung die Verantwortung für das Verbundgeschäft, das bislang bei Privat- und Geschäftskundenvorstand Christoph Schulz lag.
Ullrich und Raute teilen sich Firmenkundenleitung
Neue Aufgaben erwarten auch den bisherigen Leiter des Firmenkundengeschäfts Bernd Ullrich: Er steht künftig dem neu formierten Geschäftsfeld „Firmenkunden Mitte und Süd“ vor. Zudem wandern das Private-Equity-Geschäft, Leasinggesellschaften sowie Unternehmen der Energiebranche in seinen Zuständigkeitsbereich.
Die Leitung des ebenfalls neu zusammengesetzten Segments „Verbund und Firmenkunden Nord“ übernimmt lljana Raute. Sie kehrte bereits Anfang April nach gut sieben Jahren bei der Hypovereinsbank, wo sie das niedersächsische Firmenkundengeschäft leitete, zurück zur NordLB. In ihrer neuen Funktion werden Ullrich und Raute an Spletter-Weiß berichten. Darüber hinaus wird sich Carsten Hüncken, bisher Leiter des Verbundgeschäfts, zum Ende des Jahres in den Ruhestand verabschieden.
Weitere Führungspositionen sollen Tillmann Völker und Steffen Krannich übernehmen: Völker, der seit zehn Jahren im Corporate Banking der NordLB aktiv ist, wird Leiter der neuen Produktabteilung „Structured Solutions & Products“. Krannich, der im August 2022 von der Hypovereinsbank zur NordLB wechselte, wird Chef der Einheit „Strategie und Steuerung“.
Sparkassen begrüßen Neuaufstellung der NordLB
Damit die Neuaufstellung Früchte trägt, bedarf es nicht zuletzt des Rückhalts aus dem Sparkassenlager. Diese Voraussetzung scheint erfüllt: „Es ist gut, dass die NordLB diese Reorganisation vornimmt“, so die Einschätzung von Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbands Niedersachsen. Ihm zufolge rücke man jetzt noch enger zusammen und könne die Kunden in diesen herausfordernden Zeiten noch besser betreuen.
Die NordLB hatte Mitte 2021 schon einmal eine Neustrukturierung ihres Firmenkundengeschäfts vorgenommen. Damals wurde das bis dahin in norddeutsches und überregionales Geschäft getrennte Segment zu einer einheitlichen Unit zusammengeführt. Bernd Ullrich übernahm dabei die Leitung für das gesamte Firmenkundengeschäft.
NordLB setzt auf Sektoransatz
Ähnlich wie andere Landesbanken, etwa die LBBW oder BayernLB, setzt die NordLB im Firmenkundengeschäft verstärkt auf einen Sektoransatz. Dabei kümmern sich branchenspezifische Teams um die Firmenkunden, im Fall der NordLB handelt es sich hierbei etwa um die Themen Energie, Ernährung und Handel.
Dass die NordLB neue Wachstumsimpulse aus dem Firmenkundengeschäft (und darüber hinaus) grundsätzlich gut vertragen könnte, wird mit Blick auf die am Vortag veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal 2023 deutlich: Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 15 Millionen Euro zu Buche.
Im FINANCE-Banken-Survey, das die deutsche Banking-Szene aus Sicht von CFOs und Treasurern unter die Lupe nimmt, belegte die Nord-LB vergangenes Jahr den zehnten Rang.
Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.
