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SVB-Kollaps: Bafin nimmt deutsche Tochter aus dem Verkehr

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Die Bafin hat die deutsche Tochter der Silicon Valley Bank aus dem Verkehr gezogen. Foto: MichaelVi - stock.adobe.com

In den USA ist am Freitag die Silicon Valley Bank (SVB) kollabiert. Nach einem Kursabsturz der Bank wurden die Aktien der SVB vom Handel ausgesetzt und das Geldhaus unter staatliche Kontrolle gestellt. Infolgedessen hat die Bafin am heutigen Montag ein Moratorium über die deutsche Niederlassung der US-Bank ausgesprochen.

Damit ist die Silicon Valley Bank Germany Branch für den Verkehr mit der Kundschaft geschlossen. Zudem hat die Bafin ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der Bank erlassen, da Gefahr bestehe, dass diese ihre Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht erfüllen könne.

Keine Bedrohung für deutsches Finanzsystem

Laut Bafin stellt die Notlage der deutschen Niederlassung keine Bedrohung für die Finanzstabilität in Deutschland dar, da die Bank nicht systemrelevant sei. Die Bilanzsumme der in Frankfurt sitzenden Einheit belief sich 2022 auf rund 790 Millionen Euro – zum Vergleich: Das zweitgrößte deutsche Geldhaus, die Commerzbank, verzeichnete für das Geschäftsjahr 2021 eine Bilanzsumme von rund 473 Milliarden Euro.

Der Zusammenbruch der SVB am Freitag resultierte daraus, dass viele Start-ups ihr Kapital von der Bank abzogen. Eine Notkapitalerhöhung scheiterte, woraufhin der Börsenkurs der SVB abstürzte. Am gestrigen Sonntag hatte US-Finanzministerin Janet Yellen mitgeteilt, dass die US-Regierung die Bank nicht retten werde. Zudem kollabierte eine weitere US-Bank: Die New Yorker Signature Bank, die vorrangig im Geschäft mit Kryptowährungen aktiv war, wurde von den US-Behörden geschlossen.

Das Moratorium über die Germany Branch der SVB hat eine Parallele zum britischen Markt, dort hatte die Bank of England die SVB UK am Freitag in die Insolvenz geschickt. Der britische Zweig der SVB ist aber bereits gerettet, am heutigen Montag teilte der britische Finanzminister Jeremy Hunt auf Twitter mit, dass die britische Großbank HSBC die SVB UK für einen symbolischen Pfund übernehmen wird. Die Einlagen der britischen Einheit, sei damit vollständig geschützt.

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Konsequenzen für deutsche Start-ups?

Kunden der Silicon Valley Bank in Deutschland sind vornehmlich Start-ups und jüngere börsennotierte Firmen wie der Kochboxenversender Hellofresh und das Flugtaxiunternehmen Lilium. Derzeit sieht es aber so aus, dass deutsche Start-ups nicht vor einer massiven Krise stehen. Wenige deutsche Jungunternehmen hätten ihr Geld bei der SVB deponiert, so das „Handelsblatt“. Es sei „Glück im Unglück“, dass die Silicon Valley Bank in Deutschland nur „sehr halbherzig“ in den Markt gestartet sei, äußerte Berthold Baurek-Karlic von der Wiener Investmentfirma Venionaire gegenüber der Zeitung.

Interessanterweise war die SVB 2018 noch mit großen Plänen in Deutschland gestartet: Die Niederlassung war die erste auf dem europäischen Festland, damals hatten die Amerikaner noch angegeben, langfristig auch in der Mittelstandsfinanzierung Fuß fassen zu wollen. Der ehemalige Chef der deutschen Niederlassung der SVB, Christan Hoppe, der auch als Fintech-Pionier galt, verstarb 2021.

Kurseinbrüche bei deutschen Banken

Auch wenn die Auswirkungen in Deutschland weniger massiv ausfallen dürften, hat die deutsche Börse stark auf die Krise in den USA reagiert. Der Dax-Kurs (Stand: Montag, 14:45 Uhr) brach gegenüber dem Eröffnungskurs von vergangenem Freitag um gute 3 Prozent ein, noch stärker reagierten die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank auf die SVB-Pleite: Die Deutsche-Bank-Aktie fiel seit Freitagmorgen um knappe 7 Prozent, am stärksten reagierte der Commerzbank-Kurs: Die Bank musste seit Freitagmorgen Verluste von knapp 15 Prozent verbuchen.

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Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.