Am heutigen Mittwoch hat die deutsche Niederlassung von Standard Chartered erstmals Ratings der drei großen Agenturen Moody’s, S&P und Fitch erhalten. Das Rating von Moody’s liegt mit A1/P-1 gleichauf mit der britischen Mutter Standard Chartered Bank. „Wir freuen uns über das Ergebnis“, sagt Deutschlandchef Heinz Hilger. Es handelt sich dabei um das erste Rating einer Bank, die ihre Aktivitäten in Vorbereitung auf den Brexit nach Deutschland verlegt hat.
Die Bank will die Bonitätseinschätzungen hierzulande allerdings nicht zur Fremdkapitalaufnahme nutzen, da sie über ausreichende Einlagen verfügt, um das operative Geschäfts zu finanzieren. Standard Chartered benötigt das Rating in Deutschland primär, um den Anlegern und den Kontrahenten von Derivate-Geschäften die eigene erstklassige Bonität zu signalisieren.
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Heinz Hilger: Verzögerung bei Genehmigung „unkritisch“
Die Briten sind damit vergleichsweise früh dran: Als eine der ersten Banken hatte Standard Chartered im Mai vergangenen Jahres Frankfurt als Euro-Hub bestimmt, wie FINANCE damals exklusiv berichtete, und kurz darauf eine Banklizenz in Deutschland beantragt. Deren Genehmigung verzögert sich nach Medienberichten zwar von August auf voraussichtlich September. Deutschlandchef Hilger sieht dies jedoch als unkritisch an, da der Brexit ohnehin erst im März 2019 vollzogen wird.
„Wir verlassen uns nicht auf eine Übergangsfrist.“
Im Laufe des Septembers rechnet der Bankmanager nun mit der Vollbanklizenz, ab Anfang 2019 sollen Neugeschäfte dann über Deutschland abgewickelt werden. „Wir verlassen uns nicht auf eine Übergangsfrist, sondern wollen auch für den schlimmsten Fall des Scheiterns eines Deals mit der EU gerüstet sein“, betont Hilger.
Den Prozess der Bankgenehmigung schildert Hilger als sehr komplex, die Ziellinie habe man nun aber vor Augen. Klar sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in Deutschland keine Briefkastenfirmen oder halbgaren Lösungen akzeptiere.
Bankgeschäfte für deutsche Unternehmen
Gerüstet mit der Banklizenz wird Standard Chartered künftig Kredit für deutsche Kunden aus Deutschland heraus vergeben. Auch neue Derivate werden von Frankfurt aus abgeschlossen.
Eine der offenen Fragen für die Zeit nach dem Brexit ist, welche rechtlichen Konsequenzen der Austritt Großbritanniens für bestehende Kredit- und Derivateverträge haben wird, die über die Mutter in Großbritannien laufen. Hilger beobachtet hier aktuell schon den Wunsch einiger Großkunden, selbst diese laufenden Engagements in die Euro-Zone zu verlagern, um mögliche Rechtsrisiken für die Zeit nach dem Brexit zu vermeiden.
Info
Seit Sommer 2016 steht der Entschluss der Briten, die EU zu verlassen. Vieles deutet auf einen harten Brexit hin – auf CFOs und Banken kommt einiges zu – mehr dazu auf unserer Themenseite.
Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

