Die M&A-Berater von IMAP wollen die Gesellschafterbasis verbreitern. Karl Fesenmeyer, Carsten Lehmann und Peter Koch (von links) über die Pläne.

IMAP M&A Consultants

11.07.16
Banking & Berater

IMAP-Vorstand: „Wir wollen nicht verkaufen“

Die Mannheimer M&A-Berater von IMAP wollen Personallücken wieder auffüllen und den Gesellschafterkreis verbreitern, erklären die drei Vorstände Peter Koch, Karl Fesenmeyer und Carsten Lehmann. International will der M&A-Verbund künftig einheitlicher auftreten.

In den vergangenen Monaten hat sich die Branche der M&A-Berater neu sortiert. Häuser wie Leonardo & Co. oder Mummert & Company wurden verkauft, andere wie Altium sind mit internationalen Beratungen fusioniert. Hatten Sie keine Überlegungen in die Richtung?
Karl Fesenmeyer: Nein, wir wollen nicht verkaufen. Zum einen wollen wir als Vorstand noch eine Weile an Bord bleiben. Zum anderen sehen wir uns als unternehmerische M&A-Beratung und ziehen die langfristig geregelte Nachfolge einem Verkauf vor.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Fesenmeyer: Wir wollen unsere Gesellschafterbasis verbreitern. Dafür gibt es allerdings keinen festen Zeitplan, sondern es muss bei allen Beteiligten passen. Ein erster Schritt war die Aufnahme von Carsten Lehmann in den Vorstand.

Herr Lehmann, dann sind Sie der Kronprinz?
Carsten Lehmann: Ich bin zumindest schon ein Teil der Nachfolgeregelung, auch wenn sie nicht unmittelbar bevorsteht. Mein Fernziel ist es, ein Gesellschafter dieser M&A-Beratung zu werden. Ich möchte gerne unternehmerisch tätig sein, deshalb habe ich mich auch für das IMAP-Angebot entschieden.

Sie ersetzen im Vorstand Heiko Frank, der das Haus verlassen hat. Auch auf Ebene der Partner und Direktoren gab es zuletzt mehrere Abgänge. Werden diese ebenfalls kompensiert?
Peter Koch: Wir werden in den kommenden Monaten auch neue Partner und Direktoren an Bord holen. Mit einigen interessanten Kandidaten haben wir uns bereits geeinigt. Allerdings bauen wir kein Personal auf, sondern kompensieren die Fluktuation. Wir machen in Deutschland ungefähr 15 bis 20 M&A-Deals im Jahr, unsere Zielgröße liegt bei etwa 30 Mitarbeitern. Damit sind wir gut aufgestellt. 

IMAP hält an Standort München fest

Heiko Frank sollte ja ursprünglich den Standort in München aufbauen. Auch Werner Warthorst, der eine Dependance in Hamburg etablieren sollte, hat IMAP inzwischen wieder verlassen. Was wird aus diesen Außenposten?
Koch: Den Standort in München werden wir behalten. Dort führen wir gerade Gespräche mit möglichen neuen Mitarbeitern. Die Pläne für einen Standort in Hamburg verfolgen wir nicht weiter.

Auch auf internationaler Ebene hat IMAP einen Rückschlag erlitten. Der wichtige Netzwerkpartner Clearwater hat den IMAP-Verbund verlassen und ist seitdem unter eigener Flagge am Markt aktiv. Clearwater stellte IMAP-Mitglieder in Großbritannien, Spanien und Dänemark. Sind diese Positionen wieder besetzt?
Fesenmeyer: Wir sind Mittelstandsberater und die ehemaligen englischen Kollegen hatten eine andere Ausrichtung. Wir haben nun in Großbritannien die M&A-Beratung Assay Corporate Finance als neues Mitglied an Bord geholt. Assay wird bald noch ein weiteres Team aufnehmen, so dass die Beratung dann in diesem wichtigen Markt die vorherige Größe wieder erreicht. Mit unserem neuen spanischen Partner haben wir vor wenigen Tagen bereits die erste Transaktion getätigt und gemeinsam den Automobilzulieferer Mubea beim Kauf der spanischen Inauxa Automotive Gruppe begleitet. Ein neues Mitglied für Dänemark wird vorerst nicht an Bord kommen, diese Region wird von Schweden aus mit betreut. 

M&A-Berater von IMAP sollen einheitlicher auftreten

In der Community der M&A-Berater tobt derzeit eine leidenschaftliche Debatte darüber, ob die Zusammenarbeit in einer Allianz wie IMAP noch zukunftsfähig  oder ob der Zusammenschluss zu einem internationalen Unternehmen vorzuziehen ist.  Warum halten Sie an einem Netzwerk fest?
Fesenmeyer: Wenn man Netzwerke als lose Gemeinschaft interpretiert, dann ist das nicht zielführend. IMAP geht weit darüber hinaus. Wir sehen uns als festen Verbund mit gemeinsamen Werten, einem international besetzten Board of Directors, einer gemeinsamen Verwaltung mit globaler IT in Barcelona und regelmäßigen Treffen und Schulungen sowie der vertraglichen Pflicht zur Mitarbeit. Fast jedes Projekt wird international bearbeitet, was unsere lange Referenzliste belegt. Uns ist ein unternehmerischer Ansatz der Mitglieder wichtig: Dort arbeiten keine angestellten Manager wie bei manchen anderen M&A-Beratungen, sondern jedes IMAP-Mitglied ist eine eigenständige rechtliche Einheit im Besitz der M&A-Berater vor Ort. Vieles beruht auf deren unternehmerischer Verantwortung.

Das heißt aber auch, dass jeder M&A-Berater auf eigene Rechnung arbeitet.
Fesenmeyer: Es gibt getrennte Bilanzen für die Gesellschaften in den verschiedenen Ländern. Allerdings wird das Honorar bei grenzüberschreitenden M&A-Deals natürlich geteilt.

Das dürfte nicht ohne Konflikte abgehen.
Koch: Seit über zehn Jahren ist dies überhaupt kein Thema mehr. Der IMAP-Kooperationsvertrag sieht feste Regeln vor, die nicht diskutiert werden. Darin ist genau verzeichnet, welcher Einsatz bei grenzüberschreitenden Transaktionen von den einzelnen Gesellschaften erwartet wird und wie sich im Gegenzug die Honorare verteilen. Gesellschaften, die ihren Beitrag nicht zufriedenstellend leisten, haben wir in der Vergangenheit auch schon ausgetauscht. Unsere Cross-Border Quote von über 30 Prozent international und von über 40 Prozent in Deutschland ist das beste Beispiel für die funktionierende grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Gibt es Überlegungen, die Zusammenarbeit der IMAP-Mitglieder zu vertiefen?
Lehmann: Es gibt keine Überlegungen zu einem rechtlichen Merger, die Mitglieder werden eigenständige rechtliche Einheiten bleiben. Allerdings wird das Thema Markenbildung wichtiger. Wir möchten daher den Namen IMAP mehr in den Vordergrund stellen. Als deutsches Mitglied tragen wir ihn schon seit Jahren im Firmennamen, inzwischen tun dies auch die Kollegen in Schweden. Die Mitglieder in den Niederlanden, Tschechien, Kroatien und Großbritannien wollen ebenfalls bald umfirmieren. Die Namensänderung braucht aber ihre Zeit, da historisch in den einzelnen Ländern gewachsene Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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