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M&A-Berater Alantra will Debt Advisory ausbauen

Wolfram Schmerl (links) und Robert von Finckenstein haben haben für die spanische Investmentbank-Boutique Alantra (früher N+1) das Deutschlandgeschäft aufgebaut.
Alantra

Vor rund fünf Jahren haben Wolfram Schmerl (M&A) und Robert von Finckenstein (Debt Advisory) die Privatbank Hauck & Aufhäuser verlassen, um sich der spanischen Investmentbank-Boutique N+1 anzuschließen und deren Deutschlandgeschäft aufzubauen. Das Frankfurter Büro startete damals mit 17 Professionals. Seitdem hat sich eine Menge getan: „Heute sind wir in Frankfurt 35 Professionals“, sagt Schmerl. „Da M&A ein zeitintensives Geschäft bleibt, würden wir allerdings gerne kurzfristig auf 40 Professionals aufstocken.“

Seit der Übernahme des US-Wettbewerbers C.W. Downer vor drei Jahren firmiert N+1 unter Alantra. Unter neuem Namen hat das Corporate-Finance-Haus den britischen Wettbewerber Catalyst übernommen sowie ein Büro in Wien eröffnet. Deutschland, mit dem einzigen Büro in Frankfurt, bleibt aber mit 35 Mitarbeitern nach Großbritannien (50 Mitarbeiter) der zweitgrößte Standort – noch vor Frankreich, wo 25 Professionals beschäftigt sind.

Alantra begleitet in Frankfurt in fünf Jahren 70 Deals

Deutschland ist damit ein wichtiger Markt für Alantra. Laut Schmerl wurden allein von Frankfurt aus seit 2013 rund 70 Transaktionen im Volumen von rund 8,6 Milliarden Euro begleitet. „Zwei Drittel der Deals waren reine M&A-Mandate, bei einem Drittel berieten wir bei der Finanzierung“, berichtet Schmerl. 

 

„Zwei Drittel der Deals waren reine M&A-Mandate, bei einem Drittel berieten wir bei der Finanzierung.“

 

 

Wolfram Schmerl, Alantra

Ähnlich wie der umtriebige Wettbewerber GCA Altium bietet Alantra nach eigener Aussage die M&A- samt zugehöriger Finanzierungsberatung aus einer Hand an, wodurch sich die Transaktionssicherheit für den Kunden erhöhe. Schmerl und Finckenstein bezeichnen ihr Haus jedoch nicht als „Deal-Maschine“. Man berate lieber weniger, dafür jedoch größere Transaktionen. Der Sweetspot liegt bei Deals im Wert von rund 150 Millionen Euro.

Alantra macht M&A-Deals überwiegend mit PE-Investoren

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der überwiegende Teil der M&A-Deals von Alantra in Deutschland mit Private-Equity-Investoren abgewickelt wurden, da diese ihre Unternehmenskäufe in der Regel größtenteils fremdfinanzieren. Zuletzt beriet Alantra beispielsweise die PE-Investoren Capiton und ICG beim Verkauf von Prefer Resins an Silverfleet.

Auch bei der Übernahme von BFC Fahrzeugteile durch den Finanzinvestor Triton sowie der Übernahme der Fertighaus-Gruppe Bien-Zenker und Hanse Haus durch Equistone sicherte sich Alantra das Verkaufsmandat.

Alantra will LBO-Banker abwerben

Sowohl die Finanzierungsberatung von Private-Equity-Übernahmen als auch von Restrukturierungsfällen ist komplex, weshalb Alantra in diesem Bereich personell nachrüsten möchte. „Wir befinden uns aktuell in Gesprächen mit dem ein oder anderen Leveraged-Finance-Banker“, deutet Finckenstein mögliche Verstärkungen an. 

Das seit 2013 von Robert Finckenstein geleitete Finanzierungsteam von Alantra in Deutschland umfasst inzwischen drei Professionals. In der Finanzierungsberatung sieht Finckenstein noch großes Wachstumspotenzial. „Mittelfristig sehe ich in Deutschland auch wieder Restrukturierungen im Kommen“, meint Finckenstein. 

 

„Mittelfristig sehe ich in Deutschland auch wieder Restrukturierungen im Kommen.“

 

Robert von Finckenstein, Alantra

Alantra will vor allem in Asien und USA wachsen

Der Schwerpunkt bleibt allerdings das mittelständische M&A-Beratungsgeschäft, das laut Schmerl auch in Zukunft stark von Boutiquen dominiert werden wird. In Deutschland sei traditionell der Industrie- und Automobilzulieferersektor sehr interessant. „Wir wollen hierzulande jedoch vor allem unseren Track Record bei Verkaufsmandaten in den Bereichen Gesundheit und digitale Medien ausbauen“, sagt Schmerl. International stünde vor allem die Expansion in den USA und in Asien im Fokus. Japan beispielsweise sei noch ein gänzlich weißer Fleck im Niederlassungsnetzwerk von Alantra.

Gerade bei grenzüberschreitenden Übernahmen sei es laut Schmerl und Finckenstein ein großer Vorteil, fest integrierter Bestandteil eines internationalen Konzerns und nicht etwa Teil eines kooperativen Netzwerkes selbständiger M&A-Berater zu sein. Durch ein einheitliches Auftreten könnten mehr Interessenten für ein Target gefunden werden, so die beiden Berater.

Schmerl schließt weitere Zukäufe nicht aus und verweist auf eine mit 120 Millionen Euro gut gefüllte Kriegskasse. Da Alantra börsennotiert ist, habe man außerdem mit den eigenen Aktien eine weitere reizvolle Akquisitionswährung, um zusätzliche Partner anzuwerben. Die Boutique bringt inzwischen eine Marktkapitalisierung von rund 600 Millionen Euro auf die Waage.