Vodafone sorgt mit seiner Unitymedia-Übernahme für eine Machtverschiebung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt.

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11.05.18
Deals

M&A-Deals: Vodafone, Nestlé, HSH

Vodafone greift mit einer Milliardenübernahme den Konkurrenten Telekom an, Nestlé übernimmt das Handelsgeschäft von Starbucks und der Verkauf der HSH Nordbank gerät ins Stocken. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Vodafone attackiert Telekom mit Unitymedia-Übernahme

Der Telekommunikationskonzern Vodafone greift den deutschen Konkurrenten Telekom mit einem milliardenschweren M&A-Deal an. Die Briten übernehmen den Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia von dessen Muttergesellschaft Liberty Global. Neben Unitymedia kauft Vodafone auch kleinere Netze in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Wie die Unternehmen mitteilen, beläuft sich der Kaufpreis für die Geschäftsteile inklusive Schulden auf 18,4 Milliarden Euro.

Die Verhandlungen zwischen Vodafone und Unitymedia erreichten vor zwei Wochen ihren Höhepunkt, als bekannt wurde, dass der Deal kurz vor dem Abschluss stehen soll. Die Transaktion ist kartellrechtlich höchst umstritten, da Unitymedia neben Pÿur (vormals Tele Columbus) der letzte große Netzbetreiber war, der als Konkurrent gegenüber Vodafone aufgetreten ist. Telekom-Chef Tim Höttges befürchtet durch den Deal eine „Remonopolisierung des Kabelmarkts“. Unitymedia betreibt Netze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Vodafone rechnet damit, die Übernahme Mitte 2019 abzuschließen.

Nestlé kauft Vermarktungsrechte von Starbucks

Der Lebensmittelkonzern Nestlé übernimmt die weltweiten Rechte für die Vermarktung der US-amerikanischen Starbucks-Produkte. Der Zusammenschluss kostet den Schweizer Nahrungsmittelkonzern 7,15 Milliarden Dollar (rund 6 Milliarden Euro) in bar, wie Nestlé mitteilte. Von dem Deal ausgeschlossen seien die weltweit mehr als 28.000 Starbucks-Kaffeehäuser, die weiterhin von dem US-Konzern betrieben würden. Die Transaktion soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Mit dem Zukauf tritt Nestlé in direkte Konkurrenz zur Investmentholding JAB, hinter der wiederum die deutsche Milliardärsfamilie Reimann steht. JAB hatte 2015 den US-Kaffeekonzern Keurig Green Mountain für 13,9 Milliarden US-Dollar (rund 12 Milliarden Euro) gekauft. Im Februar 2018 übernahm JAB zudem den Getränkehersteller Dr Pepper Snapple und fusionierte ihn mit Keurig Green Mountain.

Verkauf von kriselnder HSH Nordbank stockt

Der Verkaufsprozess der krisengebeutelten HSH Nordbank gerät ins Stocken. Im Zuge der Privatisierung der HSH gebe es noch „eine Reihe von Stolpersteinen“, teilte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Privatbanken mit. Der zentrale Streitpunkt dreht sich offenbar darum, ab wann die HSH den vollen Schutz der Privatbanken genießen soll.

Ende Februar endete der Bieterprozess für das norddeutsche Bankhaus. Dabei setzte sich ein Konsortium um die US-Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers gegen die übrigen Interessenten durch. Wann und ob der Verkaufsprozess fortgesetzt wird, ist unklar. „Bevor wir kein klares Bild der Bank haben, gibt es nichts zu verhandeln“, stellt Ossig klar.

Sika und Saint-Gobain legen Übernahmestreit bei

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Sika hat sich durchgesetzt: Der französische Rivale Saint-Gobain beendet seinen feindlichen Übernahmeversuch, der bereits 2014 gestartet wurde. Die beiden Parteien haben sich geeinigt, sämtliche Gerichtsverfahren wurden beendet, teilte Sika mit. Saint-Gobain wird im Zuge der Vereinbarung zum Sika-Großaktionär. Saint-Gobain übernimmt die Schenker-Winkler-Holding (SWH) und damit die Namensaktien der Gründerfamilie Burkhard. Die Franzosen verzichten aber auf die Kontrollmehrheit.

Sika selbst kauft wiederum von SWH eine Kapitalbeteiligung über rund 7 Prozent an Sika. Saint-Gobain wird über SWH eine Beteiligung von 10,75 Prozent an Sika halten. Es ist eine zweijährige Lock-up-Frist vereinbart. Im Falle eines Verkaufs muss Saint-Gobain die Papiere zunächst Sika anbieten.

M&A-Personalien

Moritz von Bodman ist neuer Geschäftsführer der Investmentbank GCA Altium. Er wird am Münchner Standort tätig sein. Von Bodman wechselt von DC Advisory zu GCA Altium. Dort hat er an den Standorten Frankfurt und London rund 75 Transaktionen begleitet und verantwortete als Leiter der Deutschen Finanzsponsoren-Gruppe auch die Private-Equity-Kunden im deutschsprachigen Raum.

Silvia Börsch-Supan verstärkt das Frankfurter Büro der Investmentbank Raymond James als Senior Vice President und Head of European Business Development. Von 1998 bis 2016 arbeitete Börsch-Supan im Bereich Corporate Finance bei der Abn Amro Bank beziehungsweise ihrer Nachfolgerin der Royal Bank of Scotland. Zuvor war sie zwei Jahre lang für die BHF Bank tätig, wo sie internationale M&A-Transaktionen begleitete.

Weitere Meldungen

Die Allianz ist bei der portugiesischen Bank BPI ausgestiegen und hat ihre Anteile über 8,4 Prozent an die spanische Caixabank veräußert. Dem Münchner Versicherungskonzern fließen durch den Verkauf 178 Millionen Euro zu. Der Preis je Aktie liegt damit bei 1,45 Euro. Die Caixabank erhöht ihre Anteile durch den Zukauf auf 92,9 Prozent.

Die Verhandlungen über einen möglichen Einstieg des Telekommunikationskonzerns Softbank bei dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re drohen offenbar zu scheitern. Bei den Gesprächen habe es keine besonderen Fortschritte gegeben, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Zuletzt teilte der Rückversicherer mit, dass sich die Japaner mit höchstens 10 Prozent am Unternehmen beteiligen werden.

Die E.on-Sparte für Erneuerbare Energien, E.on Climate & Renewables, hat das deutsche Geschäft der Vortex Energy Holding gekauft. Mit dem Erwerb des Kasseler Konzerns erweitert E.on sein Portfolio um zahlreiche Onshore-Windprojekte in verschiedenen Entwicklungsstadien. Die Aktivitäten der Gruppe in Polen und Belgien sind nicht Bestandteil der Übernahme. Vortex Energy wurde bei der Transaktion von Mayland (Federführung: Armin Rosenkranz und Marcel Sarzio) unterstützt.

Das chinesische E-Commerce-Unternehmen Alibaba hat die südasiatische Daraz Group, ein von Rocket Internet gegründetes Unternehmen, gekauft. Daraz betreibt seit seiner Gründung 2012 Online-Shops in fünf südasiatischen Ländern. Die Transaktion spiegelt Rocket Internets Strategie wieder, in Internet- und Technologieunternehmen zu investieren, sie bei der Expansion zu unterstützen und schließlich Gewinn bringend zu veräußern. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Der Axel-Springer-Verlag hat seinen siebenprozentigen Anteil am türkischen Dogan TV für 160 Millionen Euro verkauft. Damit zieht sich der Konzern früher als geplant aus seinem Türkei-Geschäft zurück, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“. Laut Aussagen des Konzernchefs Matthias Döpfner könne der Erlös nun für das Wachstumsgeschäft in den Kernfeldern eingesetzt werden. Auslöser für die Verkaufsabsichten von Axel Springer war der Verkauf sämtlicher Medienaktivitäten der Dogan Holding an die Mediengruppe Demirören, der Nähe zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nachgesagt wird. Springer war Anfang 2007 mit 25 Prozent bei Dogan TV eingestiegen und hat seinen Anteil zuletzt gekappt.

Die Schweizer Investmentgesellschaft CGS Management hat Innolas Solutions, einen Entwickler kundenspezifischer Maschinen- und Prozesslösungen, gekauft. Gemeinsam mit dem bisherigen Eigentümer Richard Grundmüller will CGS das Kraillinger Unternehmen im Rahmen einer Buy–and- Build-Strategie zu einem globalen Lasermaschinenbauer entwickeln. CGS Management wurde bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Hermann Ali Hinderer) beraten.

Der Finanzinvestor Hg hat den Audiogerätehersteller Teufel an Naxicap Partners, eine Tochtergesellschaft des Asset-Managers Natixis, verkauft. 2017 erzielte der deutsche Lautsprecheranbieter mit rund 200 Mitarbeitern eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Teufel wurde bei der Transaktion von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus und Roman Stenzel) beraten. Die Kanzlei Latham & Watkins (Federführung: Oliver Felsenstein) begleitete Hg.

Die Bosal-Gruppe, ein Hersteller von Abgassystemen, Katalysatoren und Abschleppvorrichtungen, hat Ende April ihre ACPS-Sparte (Automotive Carrier and Protection Systems) an die PE-Gesellschaft Towerbrook verkauft. Der Verkauf der ACPS erfolgte im Rahmen strategischer Maßnahmen, die bereits seit 2017 stattfanden, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Bosal wurde bei der Transaktion von P+P Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus und Roman Stenzel) beraten.

Die Rheinische Mittelstandsbeteiligungs GmbH hat das Gießerei-Unternehmen SHW Casting Technologies in Königsbronn übernommen. Künftig wird die neue Gesellschaft unter dem Namen SHW High Precision Casting Technologies firmieren. Unterstützt wurde die Gesellschaft von dem Restrukturierungsunternehmen Pluta unter der Führung von Marcus Katholing. Ebner Stolz hat die Transaktion ebenfalls begleitet. Seit Juli 2017 befinden sich die beiden weiteren SHW Casting Technologies Gesellschaften sowie die Holding in Eigenverwaltung.

Die Münchner Beteiligungsholding Primepulse hat den Elektronikfertiger Katek einschließlich dessen Tochtergesellschaften in Österreich und Ungarn von der Kathrein-Gruppe übernommen. Mit dem Erwerb von Katek will Primepulse den Geschäftsbereich Electronics verstärken. Mit über 800 Mitarbeitern erzielte Katek im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro. Primepulse wurde bei der Transaktion von Heuking Kühn Lüer Wojtek (Federführung: Boris Dürr) beraten.

Der 3D-Messtechnik-Spezialist Faro ist als Minderheitsinvestor bei Present4D, einem Anbieter für Virtual-Reality-Präsentations- und Trainings-Software, eingestiegen. Present4D wurde bei der Transaktion von Hogan Lovells (Federführung: Jens Uhlendorf) beraten. Faro wurde von Reed Smith unterstützt. Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt.  

Die in Hongkong ansässige Beteiligungsgesellschaft Naga Group hat das Schmuckunternehmen Tamara Comolli Fine Jewelry übernommen. Die Kanzlei Oppenhoff & Partner hat die Naga Group bei der Transaktion beraten. Neben der deutschen Muttergesellschaft umfasst die Tamara-Comolli-Gruppe Tochterkonzerne in den USA, Spanien sowie Italien und verfügt über mehr als 120 Händlerverkaufsstellen weltweit.

Die Restaurantkette Vapiano hat ihre Anteile an dem bestehenden Joint Venture mit Three Wise Men Pty in Australien von 50 auf 75 Prozent erhöht. Mit der Übernahme eröffnet Vapiano ein neues Restaurant in der Hauptstadt Canberra und etabliert seinen siebten Standort in Australien.

Shenzhen Kaizhong Precision Technology (Kaizhong), ein chinesischer Hersteller von Präzisionsteilen für die Automobilindustrie, hat das deutsche Familienunternehmen Smk Systeme Metall Kunststoff übernommen. Ein Abschluss der Transaktion wird bis Ende Juni erwartet, Details zum Kaufpreis sind nicht bekannt. Smk erzielte 2017 einen Umsatz von rund 72 Millionen Euro. Kaizhong wurde bei der Übernahme von Ebner Stolz beraten. Die Gesellschafter von Smk wurden von einem LBBW-M&A-Team begleitet.  

Die europäische Investmentgesellschaft Gimv hat Laser 2000, einen Hersteller von Laser- und Photonik-Lösungen, übernommen. Im Zuge des M&A-Deals kontrolliert Gimv künftig 75 Prozent der Anteile des bayerischen Unternehmens. Weitere Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Der Phenolharzhersteller Prefere Resins wechselt den Besitzer. 2014 hatte der PE-Investor Capiton die Mehrheit an der Gruppe im Rahmen eines Carve-Outs erworben. Die europäischen Phenolharzaktivitäten waren damals aus dem skandinavischen Chemiekonzern Dynea herausgelöst worden. Später hatte zudem die Intermediate Capital Group einen Minderheitsanteil übernommen und das Management seine Anteile erhöht. Jetzt werden Capiton und ICG sämtliche Anteile verkaufen. Käufer ist der PE-Investor Silverfleet Capital. Über Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart, der Deal steht noch unter marktüblichen Vorbehalten. Capiton wurde bei der Transaktion von Alantra, Sidley Austin und BMH Bräutigam & Partner, Deloitte, EY und ERM beraten.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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