Ebner Stolz tritt RSM-Netzwerk bei

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Paukenschlag bei den Next Seven: Ebner Stolz wird zum 1. Oktober dem internationalen RSM Netzwerk beitreten und dort das einzige deutsche Mitglied sein. Die Nummer 6 im deutschen Wirtschaftsprüfermarkt wird dann unter dem Namen RSM Ebner Stolz firmieren. Das teilte Ebner Stolz soeben mit. Zusammen mit dieser Nachricht hat Ebner Stolz zudem die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr veröffentlicht.

Was bedeutet der Schritt ins RSM-Netzwerk für die Struktur von Ebner Stolz – und was sind die Folgen für RSM Deutschland, die Nummer 11 im deutschen Markt?

Ebner Stolz stellt klar: Die Eigentumsverhältnisse, die partnerschaftliche Struktur sowie die freiberufliche Kultur des Unternehmens sollen unverändert bleiben. RSM Deutschland wollte die Nachricht auf Nachfrage von FINANCE zunächst nicht kommentieren. Da das Netzwerk RSM International dem Prinzip folgt, in jedem Land mit nur einer Mitgliedsfirma unter der Marke RSM aktiv zu sein, scheint es möglich, dass RSM Deutschland den bestehenden Namen ablegen und einem neuen Netzwerk beitreten muss. Auch ein Zusammenschluss von RSM Deutschland und Ebner Stolz wäre infolgedessen denkbar.

Was jedoch klar ist: Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren wird RSM Ebner Stolz nur noch unter dem Namen RSM firmieren.

Ebner Stolz Beitritt zu RSM International beispielslos

In der Vergangenheit kam es vor, dass einzelne Wirtschaftsprüfer um die exklusive Mitgliedschaft in einem internationalen Netzwerk gepitcht hatten. So konkurrierten 2011 Warth & Klein und Susat & Partner um die Mitgliedschaft im Netzwerk von Grant Thornton und 2017 Verhülsdonk & Partner gegen BRL um die Mitgliedschaft im RSM-Netzwerk.

In Großbritannien hatte 2014 das ursprüngliche Mitglied Baker Tilly, das sogar Namensgeber des Netzwerks war, das Netzwerk in Richtung RSM verlassen. „Aber dass ein Wirtschaftsprüfer aus den Next Seven einen anderen aus einem bestehenden Netzwerk herausdrängt, hat es meines Wissens in der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben“, erklärt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer vom Analysehaus Lünendonk & Hossenfelder.

„Wir freuen uns, künftig Teil des internationalen RSM-Netzwerks zu sein“, zeigt sich Holger Jenzen, Partner und Sprecher von Ebner Stolz, im Gespräch mit FINANCE erfreut. „Viele unserer mittelständischen Mandanten sind international tätig, durch die Mitgliedschaft im RSM-Netzwerk können wir sie noch besser unterstützen. Zumal das RSM-Netzwerk sehr vergleichbar zu Ebner Stolz auf den Mittelstand fokussiert ist.“

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Wachstumspotenzial durch RSM-Beitritt

Die deutschen Mandaten könnten nun weltweit nach einheitlichen Standards sowie mit einem einheitlichen Verständnis und einer einheitlichen Software geprüft werden. „Wir sehen für uns im internationalen RSM-Netzwerk mehr Möglichkeiten zu wachsen“, betont Jenzen. „Unsere Expertise und Erfahrung werden das leistungsfähige RSM-Netzwerk bereichern.“ Bislang war Ebner Stolz als unabhängiges Mitglied dem Nexia-Netzwerk angeschlossen. „Da waren wir eines von mehreren deutschen Mitgliedern.“

Das RSM-Netzwerk gilt mit einem Umsatz weltweit von mehr als 8 Milliarden US-Dollar (knapp 8 Milliarden Euro) als sechstgrößtes Beratungsnetzwerk hinter den Big Four und BDO. Rund 57.000 Menschen sind für das Netzwerk in rund 830 Büros in 120 Ländern tätig. „Ich freue mich, dass Ebner Stolz zu RSM kommt“, sagt Jean M. Stephens, CEO des RSM-Netzwerks.

Ebner Stolz kann Umsatz deutlich steigern

Für Ebner Stolz ist der Beitritt zum internationalen RSM-Netzwerk ein großer Schritt, der für weiteres Wachstum sorgen dürfte. Doch wie erfolgreich war die Next-Seven-Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahr? Ein Blick in die Zahlen verrät es.

Die auf den Mittelstand spezialisierte Gesellschaft konnte im Geschäftsjahr 2022 den Umsatz um 15,2 Prozent auf 343,5 Millionen Euro steigern und in allen vier Geschäftsbereichen Zuwächse verzeichnen. Besonders stark fiel das Wachstum in der Rechtsberatung und der Steuerberatung aus. Letztere profitierte von der starken Nachfrage in den Themenfeldern Transaktionen und Nachfolgelösungen.

Der größte Umsatzanteil entfiel auf die Wirtschaftsprüfung. Hier erzielte Ebner Stolz einen Umsatz von 137,8 Millionen Euro, was ein Zuwachs von rund 12 Prozent zum Vorjahr bedeutet. Besonders prüfungsnahe Beratungsleistungen, Interne Revision und Transaktionsberatung sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung seien rege nachgefragt worden, so Jenzen.

Größter Zugewinn in der Rechtsberatung

Den prozentual größten Zugewinn verzeichnete Ebner Stolz indes in der Rechtsberatung. Hier legte der Umsatz um mehr als ein Viertel auf 48,4 Millionen Euro zu. Wachstumstreiber seien hier vor allem die Begleitung von Transaktionen in der Healthcare-Branche sowie in dem Bereichen Arbeitsrecht, Litigation, Sanierungen sowie Legal Compliance. Darüber hinaus wurden die Beratungsfelder Kartellrecht sowie Produktsicherheit und -haftung ausgebaut.

Um satte 17,2 Millionen Euro und damit mehr als 16 Prozent legte der Umsatz in der Steuerberatung zu – und liegt damit bei 122,4 Millionen Euro. Damit ist die Steuerberatung der Bereich bei Ebner Stolz, der im vergangenen Jahr am zweitstärksten gewachsen ist. Vor allem die Begleitung von Unternehmenstransaktionen und Umstrukturierungen sowie absehbare regulatorische Änderungen seien stark nachgefragt worden.

Den schwächsten Zuwachs gab es in der Unternehmensberatung – dem kleinsten Segment gemessen am Umsatz. Hier stieg der Umsatz mit rund 9 Prozent auf 34,9 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl legte im Jahresverlauf auf 2.100 zu.

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Ebner Stolz hat kein Interesse an Dax40-Mandat

Mit den aktuellen Zahlen rückt Ebner Stolz immer näher an das Verfolgerfeld. Next-Seven-Konkurrent BDO, der jüngst den Abschied des langjährigen CEO Holger Otte bekanntgegeben hatte, müsste im Geschäftsjahr 2022 um mindestens 13,2 Prozent gewachsen sein, um den fünften Platz im Ranking der führenden Wirtschaftsprüfer in Deutschland zu behalten.

Während andere Next-Seven-Prüfer wie BDO oder Grant Thornton mit den Big Four in den Ring steigen, um eins der begehrten und prestigeträchtigen Dax40-Mandate zu erringen, habe man sich bei Ebner Stolz auf den gehobenen Mittelstand konzentriert, so Jenzen. „Wir haben eine Vielzahl von PIE-Mandaten und sehen mit einer weltweit einheitlichen Qualität, einheitlichen Systemen und einheitlichen Standards einen immensen Vorteil in der Prüfung und Beratung kapitalmarktorientierter und internationalen mittelständischen Unternehmensgruppen.“

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.