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Singulus: Jahrelanges Warten auf KPMG-Testat

Der Maschinenbauer Singulus wartet noch immer auf die Testate von KPMG
Der Maschinenbauer Singulus wartet noch immer auf die Testate von KPMG. Foto: xiaoliangge - stock.adobe.com

Singulus Technologies muss die Veröffentlichung der testierten Jahresabschlüsse für 2020 und 2021 zum wiederholten Male verschieben. Der zuständige Abschlussprüfer KPMG habe das Unternehmen darüber informiert, „dass KPMG die Testate erst erteilen könne, wenn weitere Prüfhandlungen auf die positive Fortführungsprognose der Gesellschaft durchgeführt worden“ seien, teilt der angeschlagene Maschinenbauer mit. Ursprünglich sollten die testierten Jahresabschlüsse am 31. Januar veröffentlicht werden, nachdem sie zuvor allerdings schon mehrfach verschoben worden waren.

Wann die testierten Jahresabschlüsse nun veröffentlicht werden, kann Singulus aktuell noch nicht sagen. „Ein neuer Termin wird in enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer bekannt gegeben“, teilte ein Singulus-Sprecher gegenüber FINANCE mit. KPMG sei sich aber der Eilbedürftigkeit der Angelegenheit bewusst. Singulus gehe derzeit davon aus, dass die Erteilung der Testate in den kommenden Wochen erfolgen kann.

Singulus muss Abschlüsse bis Ende März vorlegen

Das ist auch dringend nötig, denn sowohl die Anleihegläubiger als auch der Kreditgeber über die laufende Betriebsmittellinie in Höhe von 10 Millionen Euro haben dem Maschinenbauer nur eine Frist zur Vorlage der testierten Jahresabschlüsse bis zum 31. März 2023 eingeräumt.

Sollte es Singulus bis dahin nicht gelingen, Testate für die Jahresabschlüsse zu erlangen, „könnte dies den Fortbestand der Gesellschaft gefährden“, wie das Unternehmen mitteilt. Denn eine neue Finanzierungsvereinbarung von bis zu 20 Millionen Euro, die Singulus zurzeit mit seinem Kreditgeber verhandelt, ist an die Testate der Jahresabschlüsse 2020 und 2021 gebunden. Singulus will „weiterhin das Vorliegen einer positiven Fortführungsprognose auf Basis ihrer Liquiditätsplanung engmaschig überwachen“.

KPMGs Testat verzögert sich seit 2021

Singulus befindet sich seit vielen Jahren in einer Restrukturierung. Die Erteilung des Testats für den Jahresabschluss 2020 wurde im März 2021 ursprünglich aufgrund laufender Refinanzierungsverhandlungen verschoben. Eine erneute Verschiebung wurde im Juni 2022 bekannt gegeben. Der Schritt wurde damit begründet, dass das Big-Four-Haus KPMG zusätzliche Prüfungsunterlagen angefragt habe.

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Singulus

Der Zusammenbruch des Kerngeschäfts hat Singulus in eine schwere Krise gestürzt, nur knapp konnte die Pleite abgewendet werden. Aktionäre und Bondholder verloren viel Geld. Doch der Maschinenbauer ist noch nicht über den Berg. Ohne testierte Jahresabschlüsse droht erneut die Insolvenz.

Rund einen Monat später musste Singulus eine erneute Verschiebung mitteilen. „Eine Erteilung des Testats mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk könne erst mit Vorliegen der erforderlichen Beschlüsse zur Änderung der Anleihebedingungen im Hinblick auf Kündigungsrechte bei den Pflichtverletzungen erfolgen“, hieß es damals seitens Singulus, da durch die Verzögerung Anleihebedingungen verletzt wurden, die den Gläubigern ein Sonderkündigungsrecht einräumten. Nun heißt es recht vage, KPMG müsse „weitere Prüfhandlungen“ durchführen, um die Testate für 2020 und 2021 zu erteilen. Was genau das bedeutet, gab KPMG auf FINANCE-Anfrage nicht bekannt – der Prüfer ist an eine Verschwiegenheitspflicht gebunden.

Verschiebt sich auch Abschluss für 2022?

Dabei scheint es für Singulus nach Jahren der Krise wieder besser zu laufen. Laut dem ungeprüften Bericht zum 3. Quartal 2022 konnte der Maschinenbauer den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent auf 67,7 Millionen Euro steigern. Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen für die ersten neun Monate habe sich demnach sogar von minus 7,6 Millionen Euro auf ein Plus von 9,6 Millionen Euro gesteigert. Die frei verfügbare Liquidität lag mit 15,6 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert von 14,9 Millionen Euro.

Gut denkbar ist allerdings, dass sich das Testat für den Abschluss 2022 ebenfalls verschiebt, solange KPMG noch mit den beiden Vorjahren beschäftigt ist.  

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.