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Restrukturierungsnews: Uniper, Leoni, Singulus

Der durch den Ukraine-Krieg in Nöte geratene Gashändler Uniper wird von der deutschen Bundesregierung gerettet. Foto: Hans Sehringer - adobe.stock.com
Der durch den Ukraine-Krieg in Nöte geratene Gashändler Uniper wird von der deutschen Bundesregierung gerettet. Foto: Hans Sehringer - adobe.stock.com

Uniper ist erstmal gerettet

Der durch den Ukraine-Krieg in Nöte geratene Gashändler Uniper wird von der deutschen Bundesregierung gerettet. Das Rettungspaket, das aus einem weiteren KfW-Kredit, Mezzanine-Kapital und direktem Aktienerwerb besteht, soll den erheblichen Liquiditätsbedarf decken.

Neben der erweiterten KfW-Kreditlinie in Höhe von 7 Milliarden Euro soll Uniper eine Pflichtwandelanleihe im Umfang von 7,7 Milliarden Euro an den Bund ausgeben. Zusätzlich wird dieser eine Beteiligung in Höhe von 30 Prozent erwerben. Bei einem 1,70 Euro pro Aktie fließen Uniper zwar nur vergleichsweise geringe Mittel in Höhe von 267 Millionen Euro zu, der Bund erreicht dadurch aber eine Sperrminorität beim Gaskonzern.

Hauptaktionär und ehemaliger Mutterkonzern Fortum bekommt das Recht eingeräumt, dem Bund bis zu 70 Prozent der Pflichtwandelanleihe abzukaufen. Im Gegenzug würden Fortums Rückzahlungsansprüche aus Krediten an Uniper an den Bund fallen.

Frisches Geld gesichert: Leoni verhindert Insolvenz

Der kriselnde Autozulieferer Leoni hat die drohende Insolvenz abgewendet: Das Unternehmen hat sich Anfang Juli mit seinen Konsortialbanken auf eine Refinanzierung geeinigt. Teile der Schulden sollen dabei in Leoni-Aktien gewandelt werden. Insgesamt will Leoni durch die ergriffenen Schritte seine Verbindlichkeiten um 574 Millionen Euro senken. 132 Millionen Euro sollen dabei mit einer Kapitalerhöhung und einer Pflichtwandelanleihe erlöst werden, die Leoni Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres begeben will.

Den größten Anteil an Liquidität soll aber ein M&A-Deal mit der thailändischen Stark Corporation hereinspülen. Durch den Verkauf des Unternehmensteils „Business Group Automotive Cable Solutions“ (BGAM) will Leoni 442 Millionen Euro erlösen. Die Transaktion soll im Herbst abgeschlossen sein. Beraten haben bei dem Deal die Finanzierungsboutique Herter & Co sowie die Kanzlei Latham & Watkins.

Singulus-Gläubiger drohen mit Kündigung der Anleihe

Schwierige Tage bei Singulus: Da das Unternehmen von KPMG noch immer kein Testat für die Jahresabschlüsse von 2020 und 2021 erhalten hat, drohten die Gläubiger Anfang Juli mit der Kündigung der Singulus-Anleihe. Wie das Unternehmen mitteilte, bleiben Singulus vom 9. Juli an 30 Tage, um die Pflichtverletzung der nicht erhaltenen Testate zu beheben.

Singulus muss nun kurzfristig die nötigen Mittel auftreiben oder das Problem lösen, das die Testierung der beiden Jahresabschlüsse durch KPMG verhindert hat. Der entscheidende Punkt ist offenbar der Bereich „Going concern“, für den Singulus nachweisen muss, dass es durchfinanziert ist und die Abwicklung der bestehenden Auftragspipeline vorfinanzieren kann.

Weiter zugespitzt hat sich die problematische Situation dadurch, dass der Gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, C & P, das Handtuch geworfen hat. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begründete den Schritt damit, dass ein bisher nicht erkennbarer formaler Interessenskonflikt bestehe. Singulus muss nun mit den Anleihegläubigern einen neuen gemeinsamen Vertreter wählen.

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Das Immobilienunternehmen Evan Group mit Sitz in Malta hat eine Restrukturierung nach dem StaRUG beantragt. Das Unternehmen will damit seine Anleihe restrukturieren. Dazu soll der Nennwert der Anleihe von 22,8 Millionen auf 6,9 Millionen Euro herabgesetzt werden – was bedeuten würde, dass der Nennwert je Anleihe von 1.000 Euro auf knapp ein Drittel des ursprünglichen Nennwerts sinkt. Zudem will Evan die Zinsansprüche der Gläubiger, die eigentlich Ende Juli fällig werden würden, um fünf Monate verschieben. Die Laufzeit des Bonds soll außerdem bis Juli 2024 verlängert werden. Grund für die Restrukturierung ist, dass sich Bauprojekte von Evan nach Unternehmensangaben erheblich verzögern.

Das Logistikunternehmen DFA Transport und Logistik ist insolvent. Am 1. Juli wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens eröffnet. „Der Geschäftsbetrieb wird im vollen Umfang fortgeführt, Einschränkungen wird es nicht geben“, erklärt Insolvenzverwalter Rolf Rombach (Rombach Rechtsanwälte). Man führe M&A-Gesprächen mit potentiellen Investoren. DFA war aufgrund gestiegener Rohstoffpreise und Energiekosten in die Insolvenz geraten.

Beissbarth strebt eine Sanierung in Eigenverwaltung an. Das Unternehmen, das und Prüf- und Servicegeräte für Kfz-Werkstätten herstellt, hat Anfang Juli einen Antrag auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Als vorläufiger Sachwalter ist Matthias Hoffmann (Pohlmann Hoffmann) bestellt, Sanierungsgeneralbevollmächtigter ist Jean-Olivier Boghossian (Dornbach). Laut Boghossian zielt der Sanierungsplan „auf eine dauerhafte Veränderung der Gesellschafterstruktur und dadurch Stärkung der Kapital- und Finanzverhältnisse“ ab. Sachwalter Hoffmann sagte, dass Unternehmen sei für langfristig agierende Investoren interessant. Das Sanierungsverfahren könnte bereits dieses Jahr beendet werden. Beissbarth beschäftigt rund 150 Mitarbeiter.

Das Kranbauunternehmen Kocks Ardelt Kranbau befindet sich im Insolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christian Graf Brockdorff (BBL) bestellt. Laut Brockdorff sei man zuversichtlich, „zeitnah einen oder mehrere Investoren gewinnen zu können“. Man spreche derzeit mit einem halben Dutzend Interessenten. Brockdorff hatte den Verkaufsprozess initiiert, begleitet wird dieser von den M&A-Beratern von Deloitte. Für die laufenden Kranbauprojekte des Unternehmens wurde eine Liquiditätsplanung erarbeitet, die Projekte können demnach zu Ende geführt werden.

Der Osnabrücker Pralinenhersteller Leysieffer hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen gab Liquiditätsprobleme und einen Umsatzrückgang als Hauptgründe für die Insolvenz an, hinzu seien die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sowie die Folgen der Corona-Pandemie gekommen. Leysieffer war schon 2019 in die Zahlungsunfähigkeit geraten, hatte aber im Frühjahr 2020 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abschließen können. Laut dem NDR kann der Schokoladenhersteller aktuell aber weiterhin produzieren und seine Filialen wieder öffnen. Als Insolvenzverwalter agiert Stefan Meyer (Pluta).

Falk & Kannenberg, ein Hersteller von mechanischen Bauteilen, saniert sich in Eigenverwaltung. Sachwalter ist Nils Freudenberg (Tiefenbacher), der bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter agierte. Der eigenverwaltende Geschäftsführer Carsten Pauli wird im Sanierungsverfahren durch den Generalbevollmächtigten Stefan Ettelt (Kulitzscher & Ettelt) unterstützt. Vervollständigt wird das Sanierungsteam durch Simon Leopold (ABG Consulting). Alle Beteiligten seien zuversichtlich, dass die Restrukturierung bis Ende 2022 abgeschlossen sei. Laut Unternehmensangaben hatten „explodierende Kosten bei Energie und Material“ die wirtschaftliche Schieflage bei Falk & Kannenberg verursacht.

Über das Vermögen der Aluminiumgießerei Alku wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist Steffen Beck (Pluta) bestellt. Beck bereite derzeit einen M&A-Prozess vor. Als Grund für die Insolvenzantragstellung gibt das Unternehmen Liquiditätsschwierigkeiten an, vorrangig bedingt durch gestiegene Rohstoffkosten.

Distressed M&A-Deals

Wagner Fernmeldebau Holding hat Resat Arslan Bauunternehmen aus der Insolvenz übernommen. Das Insolvenzverfahren war erst am 1. Juli dieses Jahres begonnen worden, zum Insolvenzverwalter war Ingo Grünewald von der Kanzlei Professor Schmidt bestellt worden. Schon im Antragsverfahren hatte Resat Arslan die Beratung Mentor damit beauftragt, mögliche Investoren ausfindig zu machen, mit Wagner Fernmeldebau hat man laut Grünewald eine „optimale Sanierungslösung“ gefunden. Geschäftsführer Resat Arslan zeigte sich erleichtert, dass alle 92 Beschäftigten übernommen werden und dass der Standort fortgeführt wird.

Im Insolvenzverfahren um das Abwasser-Unternehmen Awas wurde eine Teillösung erzielt. Der Dresdner Standort des Herstellers von Abwasseraufbereitungsanlagen wird von der Firmenfamilie Fuchs übernommen, inklusive aller Mitarbeiter. Laut Insolvenzverwalter Jens Schmidt (Runkel Rechtsanwälte) habe man für den Awas-Standort in Wilsndorf aber noch keinen Käufer gefunden.

Weitere Restrukturierungen und Branchennews

Ähnlich wie Uniper wird auch der Gashändler VNG möglicherweise staatliche Unterstützung erhalten. Der Bund wolle mit einer Bürgschaft von bis zu 2 Milliarden Euro einspringen, falls es wegen der ausbleibenden russischen Gaslieferungen eng für das Unternehmen werde. Der Leipziger Konzern gehört mehrheitlich dem Energieversorger EnBW, an dem wiederum das Land Baden-Württemberg 46,75 Prozent hält. Deshalb steht zur Debatte, ob das Land Baden-Württemberg die Hälfte der Bürgschaft übernimmt. VNG hatte bereits im März einen KfW-Kredit über eine Milliarde Euro beantragt, diesen bislang aber noch nicht in Anspruch genommen.

Auch das Windkraftunternehmen Enercon erhält Staatshilfen. Laut eigenen Angaben erhalte der Windkraftanlagenhersteller staatliche Unterstützung in Höhe von 500 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes. Mit dem Kredit will Enercon durch die Pandemie gestörte Lieferketten stabilisieren und das Unternehmen liquide halten. Die Finanzagentur des Bundes wurde dabei durch die Kanzlei Noerr beraten.

Die Sanierung des Bio-Großhändlers Biuno, der im Mai Insolvenz hatte anmelden müssen, macht Fortschritte. Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Lojowsky (Schultze & Braun) hätten sowohl strategische als auch Finanzinvestoren Interesse an dem Unternehmen bekundet. Die potentiellen Investoren können bis Mitte Juli ihre Angebote abgeben, der Investorenprozess könnte damit im Laufe des Sommers abgeschlossen werden. Biuno war in die Insolvenz geraten, da durch das Ende der Zusammenarbeit mit einem bisherigen Großkunden die Aufträge deutlich zurückgegangen seien. Im Insolvenzprozess berät die Unternehmensberatung Enomyc.

Die Höchster Porzellan-Manufaktur hat ihren Verkaufsladen in der Frankfurter Innenstadt geschlossen. Damit fokussiert sich das Unternehmen bei den Vertriebskanäle auf den Manufaktur-Direktverkauf und den Webshop. Indes führen Insolvenzverwalter Frank Schmitt und Rechtsanwalt Alexander Eggen von Schultze & Braun den Geschäftsbetrieb weiter fort.

Die neuesten Restrukturierer-Personalien

EY-Parthenon holt einen neuen Restrukturierungsexperten an Bord. Andreas Warner kommt von Deloitte und wird bei EY-Parthenon im Leadership Team Europe West für den Bereich Turnaround & Restructuring zuständig sein.

Das Landgericht Leipzig hat Jürgen Wallner als Insolvenzverwalter des Öko-Investmenthauses UDI abgesetzt. Das Gericht zweifelte die Neutralität von Wallner an. Der Absetzung war eine Aufforderung der Kanzlei Schirp & Partner, die die Gläubiger vertritt, an das Gericht vorausgegangen, den Insolvenzverwalter auszutauschen.

Christine Feuerstein übernimmt die Leitung der Münchener Niederlassung des Personalvermittlers Ludwig Heuse. Feuerstein war zuvor bei der Beratung Berdtson Interim tätig gewesen.

Info

paul.siethoff[at]finance-magazin.de    

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt über verschiedene CFO- und Corporate-Finance-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau über Wirtschafts- und Politikthemen.

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