Der Wirtschaftsprüfer und Berater Deloitte setzt sein Wachstum fort, allerdings mit etwas niedrigeren Raten.

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10.10.18
Banking & Berater

Deloitte verdoppelt Umsatz in drei Jahren

Deloitte hat erneut ein starkes Wachstum hingelegt. Doch es gibt auch Dämpfer: Die angepeilte Marktführerschaft im Advisory hat CEO Plendl noch nicht erreicht, und auch die erhofften Dax-Prüfmandate lassen auf sich warten.

Als erste der Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY (Ernst & Young) hat Deloitte die Zahlen für 2017/2018 (Stichtag 31. Mai) vorgelegt. Nachdem die in Deutschland viertgrößte WP- und Beratungsgesellschaft im Vorjahr mit 28 Prozent wesentlich stärker als die Konkurrenz gewachsen ist, liegt das Wachstum mit 18 Prozent nun deutlich niedriger, dürfte aber im Branchenvergleich immer noch sehr hoch sein.

Insgesamt setzt Deloitte jetzt 1,47 Milliarden Euro um und dürfte damit sehr nah an die Wettbewerber gerückt sein, die erst in den kommenden zwei Monaten ihre Zahlen vorlegen werden. Zum Vergleich: Das drittgrößte WP- und Beratungshaus KPMG hatte im Vorjahr noch 1,58 Milliarden Euro umgesetzt.

Deloitte-Deutschlandchef Martin Plendl bekräftigte auf der Pressekonferenz erneut sein Ziel, bis 2020 gemessen am Umsatz nicht mehr die Nummer 4 im Markt zu sein. Sollte das rasante Wachstum anhalten, könnte Plendl dieses Ziel erreichen: Alleine in den vergangenen drei Jahren hat Deloitte seinen Umsatz fast verdoppelt – von solchen Wachstumsraten können die Konkurrenten nur träumen. Allerdings wächst Deloitte von einem deutlich niedrigeren Niveau aus.

Beratung wächst stark – aber nicht so stark wie im Vorjahr

Stärkster Umsatztreiber war – wie auch schon in den Vorjahren – das Beratungsgeschäft: Im Consulting, wo insbesondere die Beratung für Projekte der Digitalen Transformation gebündelt sind, hat sich Deloitte um 21 Prozent auf 530 Millionen Euro verbessert. Im Bereich Financial Advisory, wozu Transaktionsberatung, M&A sowie Forensik gehören, ist Deloitte mit 31 Prozent auf 298 Millionen Euro sogar noch stärker gewachsen. Insgesamt setzte Deloitte 827 Millionen mit dem Beratungsgeschäft um, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 24 Prozent.

Allerdings waren die Zuwächse im Vorjahr noch beeindruckender: Damals hatten sich die Umsätze im Consulting um 36 Prozent erhöht, im Financial Advisory sogar um 53 Prozent (Anmerkung: Im Vorjahr hatte Deloitte noch die Gesamtleistung ausgewiesen, die im Gegensatz zum Umsatz die bis zum Bilanzstichtag erbrachte Leistung aus noch nicht beendeten Projekten mit einrechnet).

Martin Plendl verschiebt Ziel der Marktführerschaft

Auch wenn Deloitte mit dieser Entwicklung verglichen mit der Konkurrenz immer noch sehr gut dastehen dürfte, scheint es, als hätte sich Plendl noch mehr erhofft: Im vergangenen Jahr hatte er noch angekündigt, dass sich Deloitte 2018 zum Marktführer im Beratungsgeschäft unter den Big Four aufschwingen wird. Dieses Ziel hat er jetzt verschoben – allerdings nur um ein Jahr auf 2019.

Damit unterstreicht er, dass das Beratungsgeschäft auch 2019 ein Wachstumstreiber sein wird, vor allem wegen der hohen Nachfrage nach Digitalberatung. Deshalb hat Deloitte erneut den Ausbau von Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Data Analytics vorangetrieben und in strategische Allianzen unter anderem mit Apple und Google investiert. Zudem hat Deloitte auch im vergangenen Geschäftsjahr wieder hochspezialisierte Unternehmensberatungen gekauft, unter anderem Trufa. „Wir wollen Markführer bei der Unterstützung großer Transformationsprojekte mit Fokus auf Digitalisierung werden“, so Plendl.

„Wirtschaftsprüfung bleibt unser Kerngeschäft.“

Martin Plendl, CEO Deloitte Deutschland

Die Digitalisierung verändert aber nicht nur die Standbeine Consulting und Advisory: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz & Co. macht sich auch in der Steuer- und Rechtsberatung von Deloitte bemerkbar, die um 10 Prozent auf 245 Millionen Euro gewachsen ist. Im Vorjahr war das Wachstum (gemessen an der Gesamtleistung) mit 25 Prozent aber noch um einiges höher.

Deloitte setzt viel mehr mit Beratung als mit Prüfung um

Mit 11 Prozent ist Deloitte auch im Bereich Wirtschaftsprüfung ähnlich stark gewachsen (Vorjahr: 27 Prozent gemessen an der Gesamtleistung) und setzt nun 392 Millionen Euro um. „Die Wirtschaftsprüfung ist und bleibt unser Kerngeschäft“, betont Plendl, auch wenn man sich angesichts der Umsatzverteilung fragen muss, was genau das bedeutet: Immerhin setzt Deloitte mit dem Beratungsgeschäft inzwischen mehr als doppelt so viel um wie mit dem alten Stammgeschäft.

Für diese Ungleichverteilung musste Plendl in der Vergangenheit schon öfter Kritik einstecken, halten viele doch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Wirtschaftsprüfer vom Beratungsgeschäft als schädlich für deren Unabhängigkeit. Zudem ist das Gewicht des Beratungsgeschäfts bei den Konkurrenten KPMG, EY und PwC bei weitem nicht so groß: Sie setzen mit der Beratung weniger oder nur etwas mehr um als mit der Prüfung – allerdings wächst das Beratungsgeschäft auch bei den Konkurrenten stark, während die Prüfung stagniert.

Die Deloitte-Geschäftszahlen im Überblick

Umsatz

Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat Deloitte insgesamt 1,47 Milliarden Euro (+18%) umgesetzt.

Beratung

Financial Advisory trug 298 Millionen Euro (+31%), Consulting 530 Millionen Euro (+21%) zum Umsatz bei.

Tax & Legal

Mit der Steuer- und Rechtsberatung hat Deloitte 245 Millionen Euro (+10%) umgesetzt.

Prüfung

Die Wirtschaftsprüfung trug insgesamt 392 Millionen Euro (+11%) zum Umsatz bei.

Deloitte gewinnt keine neuen Dax-Mandate

Laut Plendl hat Deloitte im vergangenen Jahr einige neue Prüfmandate gewonnen, die Namen könne man aber (noch) nicht nennen. Wie auch schon in den Vorjahren bekräftigte der CEO das Ziel, im Zuge der Abschlussprüferrotation, bei der viele deutsche Unternehmen gezwungen sind, ihr Prüfmandat nach zehn Jahren neu auszuschreiben, drei bis fünf Dax-Mandate zu gewinnen. Doch dem Erringen des Bayer-Mandats im Jahr 2015 sind bislang noch keine weiteren Dax-Aufträge gefolgt.

Dabei haben bereits viele namhafte Unternehmen ihre Mandate ausgeschrieben, unter anderem BMW, Beiersdorf, Siemens oder das ehemalige Dax-Mitglied Commerzbank. „Wir haben uns aber bewusst nicht an allen Ausschreibungen beteiligt. In einigen Fällen ist ein Beratungsmandat lukrativer als ein Prüfmandat“, betont Plendl.

Und bei manchen Pitches sei man Zweiter geworden – beispielsweise bei der Commerzbank. Erschwerend komme für Deloitte hinzu, dass Dax-Konzerne einen Prüfer haben möchten, der bereits Dax-Erfahrung habe, gibt Plendl zu. Das kann Deloitte aktuell aber nur bieten, wenn das WP-Haus Dax-erfahrene Teams von Konkurrenten abwirbt. 

„Steinhoff ärgert mich unheimlich.“

Martin Plendl, CEO Deloitte Deutschland

Steinhoff-Skandal schädigt die Marke Deloitte

Allerdings sah es zuletzt nicht nur im Dax30 mau aus: In der gesamten Dax-Familie konnte Deloitte im vergangenen Jahr kein einziges neues Prüfmandat gewinnen. „Wir haben uns darauf konzentriert, bei unseren aktuellen Kunden eine Verlängerung zu erhalten, was uns auch gelungen ist, zum Beispiel bei Sixt oder Hochtief“, verteidigt Plendl diese Bilanz.

Dass der Bilanzskandal bei dem Möbelkonzern Steinhoff, wo Deloitte global der Prüfer war, Deloitte Deutschland im Kampf um neue Prüfmandate schaden könnte, glaubt Plendl nicht. Schließlich habe Deloitte Deutschland nichts damit zu tun gehabt – auch wenn ein solcher Skandal der Marke schade. „Steinhoff ärgert mich unheimlich“, gibt er zu. Trotzdem gibt Plendl – wie schon in den Vorjahren – auch für das neu begonnene Geschäftsjahr als Wachstumsziel wieder ein Umsatzplus von mindestens 10 Prozent aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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