EY wächst kontinuierlich weiter – doch die Wachstumsraten schwächen sich ab.

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30.10.18
Banking & Berater

EY knackt die 2-Milliarden-Marke

Erstmals hat Ernst & Young die 2-Milliarden-Marke geknackt. Doch die Wachstumsraten sind deutlich gesunken – vor allem in dem aktuell eigentlich sehr gefragten Beratungsgeschäft.

Als dritte der Big Four hat EY (Ernst & Young) die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/2018 (Stichtag 30. Juni) vorgelegt. Nachdem das in Deutschland zweitgrößte Prüfungs- und Beratungshaus im Vorjahr mit 16 Prozent noch sehr stark gewachsen ist, hat sich die Wachstumsrate nun auf 7,7 Prozent mehr als halbiert.

Der Umsatz ist auf 1,97 Milliarden Euro angestiegen, die Gesamtleistung auf 2 Milliarden Euro. Im Gegensatz zum Umsatz werden bei der Gesamtleistung auch die bis zum Bilanzstichtag erbrachten Leistungen aus noch nicht beendeten Projekten mit eingerechnet. Im Vorjahr hatte EY mit seinem überraschend starken Wachstum die damalige Nummer 2 KPMG überholt. Ob KPMG nun EY ein- oder gar wieder überholen wird, wird sich erst bei der Vorlage der KPMG-Geschäftszahlen im Dezember zeigen.

„Wir fühlen uns mit einem Wachstum im hohen einstelligen Bereich sehr wohl und können das auch gut auf personeller Seite begleiten“, sagte EY-Deutschlandchef Hubert Barth auf der gestrigen Jahrespressekonferenz. Auch wenn sich das Wachstum von EY abgeschwächt hat, ist das WP- und Beratungshaus etwas näher an die Nummer 1 PwC herangerückt. Der Konkurrent wuchs um 5,4 Prozent auf eine Gesamtleistung von 2,2 Milliarden Euro. Und PwC muss dieses Tempo beibehalten, um die Nummer-Eins-Position zu verteidigen, schließlich rechnet EY für das aktuelle Geschäftsjahr erneut mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. 

Ernst & Young wächst in der Beratung langsamer

Alle vier Geschäftsbereiche haben zum Umsatzwachstum von EY beitragen, allerdings allesamt schwächer als im vergangenen Jahr. Am besten hat sich das Beratungsgeschäft entwickelt: Der Umsatz in der Managementberatung ist um 9,3 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) auf 362 Millionen Euro angestiegen, in der Transaktionsberatung um 7 Prozent (Vorjahr: 34 Prozent) auf 420 Millionen Euro.

Zu den gefragtesten Themen in der Managementberatung gehörten Cyber Security und Risk Management, in der Transaktionsberatung haben vor allem die vielen M&A-Transaktionen in Deutschland das Wachstum getrieben. Als Grund dafür, dass das Wachstum in der Management-, vor allem aber in der Transaktionsberatung viel niedriger als im Vorjahr ausfiel, gab EY-Chef Barth Unterschiede in der Abrechnung an: Vor einem Jahr seien mehrere Projekte auf einmal geclosed worden, wodurch hohe Einnahmen aus Gebühren flossen.

EY ist in der Beratung Nummer 3 unter den Big Four

Dennoch überrascht das nur einstellige Wachstum im Beratungsgeschäft: Denn im Gegensatz zu PwC und KPMG, die sehr viele Prüfmandate haben und daher weniger Beratungsaufträge annehmen dürfen, sieht das bei EY anders aus. Die Eschborner haben mehr Spielraum, dieses Wachstumsgeschäft auszubauen, als die beiden Kontrahenten.

Insgesamt trägt das Unternehmensberatungsgeschäft mit 782 Millionen Euro inzwischen 37 Prozent zum Gesamtumsatz von EY bei. Damit ist EY unter den Big Four im Beratungsgeschäft aktuell die Nummer 3: PwC hat mit einem Plus von knapp 10 Prozent eine Gesamtleistung von 858,1 Millionen Euro erreicht, Deloitte mit einem starken Wachstum von 24 Prozent einen Umsatz von 827 Millionen Euro. Ihrem Ziel, unter den Big Four zum Marktführer in der Beratung zu werden, sind die Münchener deutlich näher gerückt. 

EY bleibt Marktführer bei Tax & Legal

„Wir bewerben uns nicht um jedes Mandat.“

Hubert Barth, EY-Deutschlandchef

Den Spitzenplatz in Deutschland konnte EY hingegen in der Steuer- und Rechtsberatung klar verteidigen: Hier ist EY um 8,9 Prozent (Vorjahr: 11 Prozent) auf 685 Millionen Euro gewachsen. Die Nummer 2 PwC liegt mit einer Gesamtleistung von 541,2 Millionen Euro deutlich dahinter. Getrieben wird das Tax-Geschäft auch durch Projekte in der Unternehmensberatung, erzählt Hubert Barth: Es gäbe inzwischen kaum ein Beratungsprojekt, in dem nicht auch steuerliche Aspekte berücksichtigt würden.

Das Steuer- und Rechtsberatungsgeschäft trägt etwa ein Drittel zum EY-Umsatz bei, ebenso die Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratung: Hier ist EY um 5,2 Prozent (Vorjahr: 11 Prozent) auf 574 Millionen Euro gewachsen. Die prüfungsnahe Beratung macht davon etwa ein Fünftel aus. Wie auch Deloitte-Chef Martin Plendl und PwC-Chef Ulrich Störk betont Hubert Barth: „Die Wirtschaftsprüfung ist und bleibt unser Kerngeschäft“ – und das, obwohl alle drei Häuser mit der Beratung schon lange mehr als mit der Prüfung umsetzen.

Die EY-Geschäftszahlen im Überblick

Umsatz

Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat EY einen Umsatz von insgesamt 1,97 Milliarden Euro (+7,7%) erwirtschaftet.

Beratung

Die Managementberatung trug 362 Millionen Euro (9,3%), die Transaktionsberatung 420 Millionen Euro (+7%) zum Umsatz bei.

Tax & Legal

Mit der Steuer- und Rechtsberatung hat EY 685 Millionen Euro (+8,9%) umgesetzt.

Prüfung

Die Wirtschaftsprüfung trug insgesamt 574 Millionen Euro (+7%) zum Umsatz bei.

EY hat Deutsche-Bank-Mandat gewonnen

Tatsächlich kann EY im Prüfgeschäft Erfolge vermelden. Dem vor einigen Jahren verkündeten Ziel, im Zuge der Abschlussprüferrotation bis zu sechs Mandate im Dax zu gewinnen, kommt EY immer näher: Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, dass die Eschborner sich gegen PwC durchgesetzt haben und voraussichtlich neuer Prüfer bei der Deutschen Bank werden. Aktuell ist EY noch Berater bei der Deutschen Bank. Diese Aufträge muss EY in den kommenden 18 Monaten abschließen.

Damit hat das WP-Haus mit HeidelbergCement, Siemens, Wirecard, Beiersdorf und der Deutschen Bank schon fünf Dax-Mandate. Die Commerzbank ist im September in den MDax abgestiegen. Von Heidelberg Cement wird sich EY aber trennen müssen, der Baustoffkonzern hat das Mandat bereits neu ausgeschrieben. Damit fehlen EY noch zwei Neumandate, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen.

Ihre Mandate ausgeschrieben haben die Lufthansa, Fresenius, Münchener Rück und VW. Um diese vier Mandate hat sich EY beworben, was aber nicht bedeutet, dass man sich grundsätzlich immer auf Ausschreibungen bewirbt, betont Barth: „In Absprache mit dem Mandanten überlegen wir beispielsweise, ob wir Berater bleiben sollen oder uns doch lieber um die Prüfung bewerben.“ Diese Überlegungen sind auch aus finanzieller Sicht notwendig, denn die Beratung ist meist wesentlich lukrativer als die Prüfung. Allerdings bietet das Prüfmandat eine über viele Jahre gesicherte Einnahmequelle.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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