Das Prüfungs- und Beratungshaus PwC bleibt Marktführer in Deutschland. Doch die Big-Four-Konkurrenz holt auf.

PwC

23.10.18
Banking & Berater

Wachstum von PwC schwächt sich ab

Das WP- und Beratungshaus PwC hat die Marktführerschaft in Deutschland erneut verteidigt, doch die Wachstumsraten werden kleiner. Im Beratungsgeschäft droht PwC, von Deloitte überholt zu werden.

PwC hat die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 (Stichtag: 30. Juni 2018) vorgelegt. Die Gesamtleistung von Deutschlands Marktführer in der Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung  ist um 5,4 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro angestiegen. Im Gegensatz zum Umsatz werden bei der Gesamtleistung auch die bis zum Bilanzstichtag erbrachten Leistungen aus noch nicht beendeten Projekten mit eingerechnet.

Die Wachstumsrate von 5,4 Prozent liegt nicht nur unterhalb des Vorjahresniveaus von 10 Prozent – sie dürfte auch im Vergleich zur Konkurrenz eher schwach sein. Schon im Vorjahr hatte PwC – trotz fast doppelt so starken Wachstums – weniger Dynamik als Deloitte und EY gezeigt. Für 2017/18 hat bislang nur Deloitte seine Zahlen bereits vorgelegt: Mit 18 Prozent wuchs der Wettbewerber wesentlich schneller als PwC, allerdings von einem deutlich niedrigeren Niveau aus (Umsatz: 1,47 Milliarden Euro).

EY und KPMG werden ihre Zahlen erst in den kommenden Wochen vorlegen. Doch selbst wenn auch sie höhere Zuwächse vorweisen können als PwC, dürfte PwC die Position als Marktführer in Deutschland behalten. „Wir wollen mit Augenmaß wachsen“, relativierte Ulrich Störk, seit dem 1. Juli Nachfolger von Norbert Winkeljohann als Deutschlandchef, die zurückgehenden Zuwachsraten. Für das inzwischen begonnene neue Geschäftsjahr rechnet er mit einem Zuwachs im hohen einstelligen Prozentbereich.

PwC will mit Strategieberatung punkten

Wie auch schon in den Vorjahren war das Beratungsgeschäft der Wachstumstreiber von PwC: Dort stieg die Gesamtleistung um 9,8 Prozent (Vorjahr: 18,1 Prozent) auf 858,1 Millionen Euro. Das Beratungsgeschäft ist für jede der Big Four zu einem wichtigen Umsatzbringer geworden. Doch Störk grenzt sein Haus von EY, Deloitte und KPMG ab: „PwC ist die einzige Big Four mit einer echten Strategieberatung.“

PwC hatte 2014 die Strategieberatung Booz (heute: Strategy&) übernommen. Die Integration ging mit zunächst einigen Turbulenzen einher, ist aber seit dem vergangenen Jahr abgeschlossen.

Im Gegensatz zu reinen Strategieberatern wie McKinsey, BCG und Bain biete PwC nicht nur die Beratung, sondern auch die Umsetzung der Projekte an, argumentiert Störk. Und anders als beispielsweise Accenture biete man keine reine IT-Implementierung an.

„Wenn wir ein Unternehmen zu einem Problem beraten, haben wir einen ganzheitlichen Blick und betten es auch in die Gesamtstrategie ein. Dieser integrierte Ansatz hebt uns ab“, glaubt der PwC-Chef. Welchen Umsatzanteil die Strategieberatung am gesamten Beratungsgeschäft hat, weist PwC aber nicht gesondert aus.

Beratung: Deloitte ist PwC dicht auf den Fersen

Doch die Marktführerschaft von PwC innerhalb der Beratungsgeschäfte der Big Four ist in Gefahr: Schon im nächsten Jahr könnte Deloitte PwC verdrängen. Mit einem Beratungsumsatz von 827 Millionen Euro liegt Deloitte inzwischen fast gleichauf mit PwC. Rechnet man Deloittes Umsatzzahlen in die Gesamtleistung um, könnten beide Häuser schon jetzt auf Augenhöhe liegen. Und Deloitte wuchs mit 24 Prozent 2017/18 mehr als doppelt so stark wie PwC.

Deloitte-CEO Martin Plendl hat bereits angekündigt, der Marktführer bei der Beratung zur digitalen Transformation der Unternehmen sein zu wollen. Störk kommentiert diese Kampfansage gelassen: „Wettbewerb belebt das Geschäft. Wir fühlen uns gut aufgestellt in der Beratung.“

In der Steuer- und Rechtsberatung ist PwC um 3,1 Prozent (Vorjahr: 2,2 Prozent) auf 541 Millionen Euro gewachsen. Wachstumstreiber waren unter anderem die steuerliche Beratung bei M&A-Deals und Verrechnungspreisen. 

PwC-Chef Störk: „Audit bleibt Kerngeschäft“

Anders als bei der Beratung ist PwC im Geschäftsfeld Wirtschaftsprüfung stärker als im Vorjahr gewachsen: Die Gesamtleistung stieg um 3,1 Prozent (Vorjahr: 1,7 Prozent) auf 766,8 Millionen Euro. Zu diesem Geschäftsfeld gehört neben der reinen Wirtschaftsprüfung auch die prüfungsnahe Beratung, die aktuell etwa 30 Prozent zum Umsatz des Bereichs beiträgt. Störk will dieses Verhältnis auf 50/50 ausbauen.

Obwohl PwC bereits seit vergangenem Jahr mit der Beratung mehr umsetzt als mit dem traditionellen Prüfgeschäft, „bleibt Audit unser absolutes Kerngeschäft“, betont der Deutschlandchef. Das WP-Geschäft steht aber strukturell unter Druck, da PwC wegen der verpflichtenden Abschlussprüferrotation viele Prüfmandate abgeben muss.

Die PwC-Geschäftszahlen im Überblick

Umsatz

Im Geschäftsjahr 2017/2018 hat PwC eine Gesamtleistung von insgesamt 2,2 Milliarden Euro (+5,4%) erwirtschaftet.

Beratung

Die Unternehmensberatung trug 858,1 Millionen Euro (9,8%) zur Gesamtleistung bei.

Tax & Legal

Mit der Steuer- und Rechtsberatung hat PwC 541,2 Millionen Euro (+3,1%) umgesetzt.

Prüfung

Die Wirtschaftsprüfung trug insgesamt 766,8 Millionen Euro (+3,1%) zum Umsatz bei.

PwC hat große Prüfmandate gewonnen

Um das zu kompensieren, versucht PwC, neue Mandate zu ergattern, was dem Big-Four-Haus in vielen Fällen bereits erfolgreich gelungen ist, zum Beispiel bei der Allianz, BMW, Talanx, Hannover Rück und Fuchs Petrolub. Allerdings: Dort, wo PwC prüft, darf die Gesellschaft nur sehr eingeschränkt beraten. Meist ist die Beratung aber wesentlich lukrativer.

Deshalb bewusst auf ein Prüfmandat verzichten will PwC trotzdem nicht. Störk: „Wenn der Kunde uns als Prüfer will, bewerben wir uns um das Mandat und wollen es dann auch gewinnen.“ Diese Strategie fährt nicht jeder: Deloitte beispielsweise bewirbt sich um manche Prüfmandate bewusst nicht, um sich die Chancen auf das Beratungsgeschäft nicht zu verbauen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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