Ernst & Young will sich nach FINANCE-Informationen mit dem Kauf von OC&C im Beratungsgeschäft verstärken.

Ernst & Young

18.04.17
Banking & Berater

EY will offenbar Strategieberatung OC&C kaufen

Nach FINANCE-Informationen will Ernst & Young den Strategieberater OC&C übernehmen. Ein Zukauf würde die Position von EY auf dem hart umkämpften Beratungsmarkt wieder verbessern – die Konkurrenz hat bereits vorgelegt.

Die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG, Ernst & Young (EY), PwC und Deloitte (genannt Big Four) haben zuletzt immer wieder Beratungsunternehmen zugekauft – jetzt steht nach FINANCE-Informationen wieder eine solche Übernahme bevor. EY will die Strategieberatung OC&C Strategy Consultants kaufen, wie FINANCE aus Marktkreisen erfahren hat.

OC&C ist vor allem auf die Strategieberatung fokussiert. Daneben berät das Unternehmen aber auch zu M&A- und Private-Equity-Themen sowie zur Optimierung von Organisations- und Geschäftsprozessen. Die Beratung wurde 1987 in London von zwei ehemaligen Partnern des Beratungsriesen Booz Allen & Hamilton gegründet.

Aus Booz Allen & Hamilton spaltete sich später Booz & Company ab, die 2014 von PwC gekauft wurde und seitdem unter dem Namen Strategy& firmiert. OC&C hat heute weltweit 550 Mitarbeiter, wovon 120 in Deutschland an den Standorten Düsseldorf, Hamburg und München sitzen.

EY Niederlande hatte OC&C Benelux gekauft

Die Übernahme weiterer Teile von OC&C wäre keine riesige Überraschung, schließlich hat EY erst im September vergangenen Jahres in den Niederlanden OC&C Benelux gekauft und damals knapp 60 Mitarbeiter übernommen. Unklar ist, ob EY OC&C jetzt auf globaler Ebene übernehmen will oder nur etwa die deutschen Büros.

Auf Anfrage von FINANCE wollte EY den möglichen Zukauf weder bestätigen noch dementieren. Ein EY-Sprecher erklärte lediglich: „Wir sondieren laufend den Markt nach geeigneten Kandidaten.  Wenn sich zum richtigen Zeitpunkt eine passende Gelegenheit bietet, sind wir dafür offen, uns mit einer weiteren Unternehmensberatung zu verstärken.“ Zum aktuellen Zeitpunkt könne man aber keine konkreten Angaben machen.

Wirtschaftsprüfer kämpfen um Beratungsmandate

Der Trend, dass Wirtschaftsprüfer ihr Beratungsgeschäft wieder ausbauen, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nachdem fast alle großen WP-Gesellschaften nach dem Enron-Skandal ihre Beratungssparten verkauft haben, schlagen sie schon seit vielen Jahren wieder den entgegengesetzten Weg ein und übernehmen in hoher Schlagzahl vornehmlich kleine und mittelgroße Strategieberatungen. Dies hat den Hintergrund, dass die Beratungsmandate wesentlich lukrativer als die Prüfmandate sind.

Allerdings liegt EY bei diesem Trend zumindest in Deutschland noch hinter den Erzrivalen zurück, denn die Beratungssparten der Konkurrenz sind zuletzt stärker gewachsen als bei EY: Die Beratungsumsätze bei PwC und Deloitte stiegen im Geschäftsjahr 2016 um mehr als 40 Prozent, bei KPMG um immerhin 12 Prozent. Bei EY waren es hingegen nur 8 Prozent. Bezogen auf die absoluten Zahlen hat EY aber nach PwC den zweithöchsten Beratungsumsatz innerhalb der Big Four in Deutschland.

Mit der Beratungsexpertise, die die Big Four über die Zukäufe erhalten, versucht jedes der einzelnen WP-Häuser, Marktanteile zu gewinnen. Die Übernahme von Booz durch PwC gehörte zu den größten Deals, daneben hat es aber auch kleinere Übernahmen gegeben: So kaufte beispielsweise KPMG im Juni 2014 den Berliner Berater CTG, PwC im Januar 2016 den IT-Berater Outbox und im August den IT-Berater Persicon. EY übernahm im Juli den Strategieberater Innovalue

Kauf von Strategieberatern birgt Kulturelle Schwierigkeiten

Die Zukäufe im Strategiebereich bergen Konfliktpotential, da sich die Unternehmenskulturen zwischen Käufern und Übernommenen oft deutlich voneinander unterscheiden.

Auch die Übernahme von Booz durch PwC soll nicht reibungslos verlaufen sein. Dort spielte aber auch eine Rolle, dass die Booz-Berater manche ihrer alten Stammmandanten nicht mehr beraten durften, weil PwC deren Bilanzen prüfte. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, mussten die Booz-Mitarbeiter die Beratungsmandate abgeben, was dazu führte, dass einige von ihnen kündigten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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