Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) und Trinavis gehen zusammen: WKGT-Vorstand Michael Häger, WKGT-CEO Joachim Riese und die beiden Trinavis-Managing-Partner Heidemarie Wagner und Jan Merzrath (von links nach rechts)

Warth & Klein Grant Thornton

14.11.18
Banking & Berater

Warth & Klein übernimmt Trinavis

In die Next Ten kommt Bewegung: Der mittelständische Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton verstärkt sich mit dem Berliner Wettbewerber Trinavis. Werden aus den Next Ten die Next Six?

Bewegung im Verfolgerfeld der deutschen Wirtschaftsprüfungsszene. Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) fusioniert zum 1. März 2019 mit der in Berlin sitzenden Trinavis Group. Das fusionierte Unternehmen wird weiterhin Warth & Klein Grant Thornton heißen. Dies gaben beide Unternehmen vor wenigen Minuten in Düsseldorf bekannt.

Das Zusammengehen der Nummer 10 im deutschen Wirtschaftsprüfermarkt WKGT mit der Nummer 25 Trinavis dürfte eher eine Übernahme als ein Fusion auf Augenhöhe sein. WKGT erzielte 2017 gut 96 Millionen Euro Umsatz, Trinavis erreichte 25,5 Millionen Euro. Gemeinsam soll im laufenden Jahr ein Umsatz von rund 130 Millionen Euro zu Buche stehen, schätzt WKGT. Damit rückt WKGT nah an Mazars heran. Die Nummer 9 in Deutschland erwirtschaftete im vergangenen Jahr 135 Millionen Euro.

Im Zuge des Deals steigt Trinavis-Chefin Heidemarie Wagner in die dann fünfköpfige Führungsriege von WKGT um Joachim Riese auf. Mit insgesamt 1.200 Beschäftigten wird WKGT künftig an zehn Standorten in Deutschland präsent sein. Bisher hatte WKGT nur eine kleine Niederlassung in Berlin, die sie im Zuge des Mandats für den Wertstoffrecycler Alba eröffnete. Durch die Hinzunahme der in Berlin ansässigen Trinavis steigt die Berliner Niederlassung zur zweitgrößten hinter der Düsseldorfer Zentrale auf. Wie das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage mitteilte, wird Jan Merzrath, zweiter Managing Partner bei Trinavis, die Leitung des Hauptstadtbüros übernehmen.

Warth & Klein Grant Thornton erweitert sein Portfolio

Es ist aber nicht nur die größere Hauptstadtpräsenz, die WKGT durch die Fusion gewinnt. „Wir ergänzen das Portfolio von Warth & Klein Grant Thornton insbesondere durch unsere Branchenexpertise in den Bereichen Real Estate und der Öffentlichen Hand“, erklärt Trinavis-Chefin Wagner.

Gleichzeitig schlüpft Trinavis unter das Dach eines viel größeren Fusionspartners, was einige Vorteile birgt. So wechselt Trinavis von dem internationalen Netzwerk Crowe Global in das fast doppelt so große Netzwerk von WKGT. Das Grant-Thornton-International-Netzwerk ist mit über 700 Standorten in 135 Ländern präsent und verhilft den Düsseldorfern schon jetzt zu rund 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes. Auf diese Ressourcen hat ab März 2019 auch das Berliner Trinavis-Team Zugriff.

Das Zusammengehen dürfte es beiden Häusern auch leichter machen, die großen Investitionen zu stemmen, die beispielsweise für die Digitalisierung der Wirtschaftsprüfung nötig werden. Dank der gewachsenen Größe dürfte WKGT auch als möglicher Partner für Joint Ventures und Kooperationen attraktiver werden. Das Joint Venture mit Kendaxa, einem Unternehmen, das auf KI-basierte Datenverarbeitung und Prozessteuerung spezialisiert ist, deutet an, welche Ziele WKGT mit dieser Strategie verfolgt.

WKGT vergrößert den Vorsprung vor PKF

Mit der Fusion positioniert sich WKGT auch für die 2020/2021 erwartete große Welle an Prüferwechseln, die durch die gesetzlich vorgeschriebene Prüferrotation nötig werden. Davon unabhängig konnte WKGT bisher den Big Four nur wenige Mandate abnehmen, zum Beispiel KPMG den Wertstoffrecycler Alba und den Flughafen Hahn. Bei dem Getränkehersteller Berentzen bekam WKGT den Zuschlag vor PwC.

Insgesamt haben die so genannten Next Ten im Prüfgeschäft mit Großkonzernen gegenüber den vier Marktführern aber einen schweren Stand. Sie duellieren sich eher untereinander – nicht nur im Prüf-, sondern auch im Beratungsgeschäft.

Eine Verbesserung der eigenen Marktposition gelingt WKGT durch den Trinavis-Deal zwar nicht – das Unternehmen bleibt auf Rang 10. Aber während der Rückstand zur Nummer 9 Mazars deutlich schrumpft, dürften WKGT und Trinavis im laufenden Jahr pro forma fast doppelt so viel umsetzen wie ihr nächster Verfolger PKF Fasselt Schlage, der 2017 knapp 69 Millionen Euro bilanziert. Es deutet sich an, dass die aktuell laufende Marktkonsolidierung dazu führen könnte, dass hinter den Big Four aus den Next Ten die „Next Six“ werden könnten. Auch andere Next-Ten-Firmen wie Mazars und Baker Tilly haben schon marktkonsolidierende Zukäufe getätigt. Diese liegen allerdings schon drei Jahre zurück.

dominik.ploner[at]finance-magazin.de

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