Bastei Lübbe hat wieder mit Bilanzierungsfehlern zu kämpfen. Woran liegt das?

Bastei Lübbe

11.02.20

Schon wieder Bilanzierungsfehler bei Bastei Lübbe

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit muss Bastei Lübbe Bilanzierungsfehler zugeben – da scheint auch der Prüferwechsel nichts geholfen zu haben. Neben einem Fall mit Seltenheitswert war auch der Goodwill im Argen.

Bastei Lübbe und Bilanzierungsfehler – eine Never Ending Story? Mal wieder hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) Fehler in den Bilanzen des Verlagshauses gefunden: Nachdem es vor ein paar Jahren noch um Geschäftsberichte 2014/15 und 2015/16 ging, moniert sie jetzt den Abschluss für 2017/18.

Wieder einmal grüßt der Goodwill

Da ist zum einen das Thema Goodwill – ein richtiger Dauerbrenner bei der Bilanzpolizei. Wie in fast allen Fällen sollte durch das Aufhübschen von Annahmen eine außerplanmäßige Abschreibung vermieden werden, denn schließlich drückt diese den Gewinn.

Was war konkret falsch? Bastei Lübbe konnte die Werthaltigkeit eines Tochterunternehmens, das sich mit Spieleentwicklung befasst, nicht nachweisen. Hier wurden Annahmen geschönt: So wurde den Berechnungen eine Umsatzsteigerung von mehr als 70 Prozent zugrunde gelegt. Von solch einem Wachstum träumen andere Verlagsleiter nicht einmal nachts. Kurz nach Bekanntgabe dieses Fehlers hat Bastei Lübbe denn auch eine Abschreibung auf die Games-Tochter vornehmen müssen – und kassierte deshalb sogar Konzernprognose.

Bilanzkosmetik mit Seltenheitswert

Die DPR macht aber noch einen weiteren, eher seltener Fall von Bilanzkosmetik aufmerksam: Das Aufhübschen des Risikoberichtes. Der Bilanzleser sucht bei Bastei Lübbe vergebens nach einer angemessenen Berichterstattung über wesentliche Risiken und Geschäftsvorfälle. Bei den fehlenden Ausführungen zu möglichen wesentlichen Erhöhungen der Sicherheiten und Zinssätze aus der anstehenden Neufinanzierung könnte man noch von Schlamperei ausgehen.

Die zu geringe Einstufung des Risikos fehlender erfolgversprechender Titel im Programm jedoch ist mehr als eine kleine Schlamperei. Denn schließlich war zum Zeitpunkt der Aufstellung des Konzernabschlusses aufgrund der langen Vorlaufzeit in der Programmplanung bekannt, dass das gesteckte Umsatzziel nicht erreicht werden würde, meint die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung. Spätestens bei der Betrachtung der rückläufigen und unterplanmäßigen Investitionen in Autorenhonorare hätte den Bilanzerstellern also auffallen müssen: Das Risiko fehlender erfolgversprechender Titel ist größer als bisher ermittelt.

Im Risikobericht von Bastei Lübbe heißt es: „Titellisten werden laufend aktualisiert und monatlich der Verlagsleitung und dem Programmvorstand zur Verfügung gestellt. Bereits frühzeitig kann so erkannt werden, wenn umsatzträchtige Titel im Programm fehlen.“ Bei der Berechnung der Schadenshöhe und der Eintrittswahrscheinlichkeit wurde wohl vergessen, dass die Daten monatlich aktualisiert wurden. Ganz schön frech, so die Zahlen aufzuhübschen und das Risiko klein zu reden. Denn anders als beim Goodwill geht der Bilanzleser hier davon aus, dass der Text mit der Bewertung des Risikos im Einklang steht.

Auch der Prüferwechsel hat nicht geholfen

Auch bei den Bilanzierungsfehlern vor knapp fünf Jahren ging es schon um die Bewertung von Beteiligungen: Durch die falsche Einordnung erfolgte die Bewertung zum Fair Value und nicht zu den Anschaffungskosten. Kein schlechter Deal für Bastei Lübbe: Durch die andere Bewertungsmethode wurde das Vermögen und somit auch der Gewinn künstlich aufgepumpt.

Damals war es die „Wirtschaftswoche“, die den Stein ins Rollen brachte und über „fragwürdige Deals“ und „kreative Bilanzierung“ berichtete. Das brachte auch die DPR auf den Plan, die sich die Bilanzen dann genauer ansah.

Zunächst stritt Bastei Lübbe alles ab, schließlich akzeptierte der Vorstand die Fehler, gab aber dem damaligen Wirtschaftsprüfer KPMG die Schuld. Am Ende will es keiner gewesen sein: KPMG wiederum schob den Fehler auf die komplexen Bilanzierungsregeln. Von einer der Big-Four-Gesellschaften würde man das nicht erwarten. Zugegeben: Die Regelungen zur Konsolidierung von Beteiligungen sind komplex. Aber wenn die Wirtschaftsprüfer der Big Four die Bilanzierungsregeln schon nicht verstehen, wer denn dann?

Nach diesem Vorfall hat Bastei Lübbe übrigens den Prüfer gewechselt. Doch angesichts der erneuten Bilanzierungsfehler scheint das nicht geholfen zu haben: Auch Ebner Stolz hat offenbar bei der Abschlussprüfung bedeutende Fehler übersehen. Die Probleme scheinen wohl doch tiefgehender zu sein.

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„Abgeschminkt“ ist der FINANCE-Blog von Bilanzierungsexpertin Carola Rinker über aufgehübschte Unternehmenszahlen und skandalöse Bilanzkosmetik. Wie die Unternehmen ihre Zahlen im Rahmen des rechtlich Möglichen beeinflussen und wann sie Grenzen überschreiten, können Sie in loser Folge hier lesen.