Fußball: Der Milliardär Dietmar Hopp wird im Sommer bei der TSG Hoffenheim die Mehrheit übernehmen.

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24.02.15
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TSG Hoffenheim: Hopp nimmt noch mehr Risiko

Der Milliardär Dietmar Hopp wird im Sommer bei der TSG Hoffenheim die Mehrheit übernehmen. Er geht damit finanziell weiter ins Risiko: Im Jahr 2006 hat Hopp offenbar bereits 240 Millionen Euro an den Klub überwiesen. Inzwischen ist nicht einmal mehr die Hälfte davon übrig.

Im Sommer ist es so weit: SAP-Gründer Dietmar Hopp wird 96 Prozent der Anteile an der TSG Hoffenheim übernehmen und damit der erste Unternehmer werden, der die Mehrheit an einem deutschen Bundesligaverein übernimmt. Möglich macht es eine Ausnahme von der 50+1-Regel, die es langjährigen Partnern von Vereinen ermöglicht, Eigentümer zu werden. Die Ausnahme nutzen bereits die Konzerne VW beim VfL Wolfsburg, Bayer bei Bayer Leverkusen und in wenigen Jahren dann voraussichtlich auch der Unternehmer Martin Kind bei Hannover 96.

Ohne Zweifel ist die TSG Hoffenheim neben SAP das zweite Lebenswerk von Dietmar Hopp. Weil er den Verein schon seit 1989 unterstützt, wird Hopp wohl auch wissen, an welcher Art von Unternehmen er da im Sommer die Mehrheit übernehmen wird. Dies ist – knapp zusammengefasst – die Lage: So flott wie die Truppe nach vorne spielt, so dynamisch verbraucht der Klub auch die Millionenzuschüsse von Hopp.

Dass der Aufstieg der TSG Hoffenheim vom Dorfverein zum Bundesligaklub viel Geld gekostet hat, ist nichts Neues. Um das genaue Ausmaß von Hopps finanziellem Engagement ranken sich viele Legenden. Die Rede ist von bis zu 350 Millionen Euro inklusive Zuschüssen für den Bau von Stadion und Trainingsgelände. Hopp selbst hält sich zu dem Thema bedeckt. Aber weil die TSG eine Kapitalgesellschaft ist und ihre Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger veröffentlichen muss, findet man dort einige interessante Hinweise darauf, wie sich Hopps Investment im Kraichgau entwickelt.

So geht Hopps Geld dahin

Operatives Ergebnis der TSG Hoffenheim in Mio. €

Quelle: TSG Hoffenheim

Zwei Drittel vom Umsatz für den Spielerkader

Schon ein erster schneller Blick auf die Eckdaten zeigt, dass die TSG auch im siebten Jahr der Bundesligazugehörigkeit noch nicht genug Substanz hat, um sich ohne Hopps Hilfe finanziell fest in der Bundesliga zu etablieren: Der Umsatz ist zwischen den Geschäftsjahren 2011/12 und 2013/14 von 85 über 71 auf 66 Millionen Euro zurückgegangen, vor allem wegen stark rückläufiger Transfererlöse. Damit liegt die TSG beim Umsatz im unteren Bundesliga-Mittelfeld.

Die Verluste sind in dieser Zeit dagegen in die Höhe geschossen. Erwirtschaftete die TSG aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in der Saison 2011/12 noch einen kleinen Gewinn von 1,7 Millionen Euro, fuhr der Klub eine Saison später schon ein Minus von 12,7 Millionen Euro ein. In der abgelaufenen Saison hat sich die Situation noch weiter verschärft: Unterm Strich stand ein Verlust von rund 25 Millionen Euro. Insgesamt hat der Klub in den vergangenen vier Spielzeiten operative Verluste von fast 60 Millionen Euro angehäuft.

Die Ursache für die anhaltend roten Zahlen: Die TSG Hoffenheim leistet sich einen Kader, der für ihre Umsatzgröße viel zu teuer ist. In der Saison 2012/13 gipfelte die Personalkostenquote bei 67,4 Prozent vom Umsatz. Damals war der Kader nach mehreren Trainerwechseln und Panik-Transfers zeitweise auf 47 Spieler angeschwollen, und in der legendären „Trainingsgruppe 2“ begann Tim Wiese, sich für seine Karriere als Catcher aufzupumpen.

In der abgelaufenen Saison, für die noch keine detaillierten Zahlen vorliegen, dürfte die Personalkostenquote nicht weit darunter gelegen haben. Zum Vergleich: Selbst die Top-Klubs Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 leisten sich nur Kaderkosten von 40 bis 50 Prozent vom Umsatz und arbeiten damit deutlich profitabler als die TSG Hoffenheim.

Erst in der Spielzeit 2015/16 will TSG-Finanzchef Frank Briel nach eigenem Bekunden „die Auswirkungen der Vergangenheit hinter sich gelassen haben“. Wenn es bis dahin aber den Umsatz nicht ausbaut, müsste das Management der TSG Hoffenheim die Personalkosten von zuletzt 47,8 Millionen Euro (Saison 2012/13) auf unter 30 Millionen zurückfahren, um eine bundesliga-übliche Personalkostenquote zu erreichen. In diesem Fall aber läge der Etat dann nicht mehr im oberen Liga-Drittel, sondern irgendwo zwischen dem des 1.FC Köln und dem von Eintracht Frankfurt.

Ohne Hopp auf dem Niveau des SC Freiburg

Was der im Vergleich zum Umsatz teure Kader für Hopps Investment bedeutet, zeigen die im Bundesregister veröffentlichten Unternehmensbilanzen ziemlich deutlich: Den Handelsregisterauszügen ist zu entnehmen, dass Hopp der TSG irgendwann in den Jahren 2006/2007 in Form einer atypischen stillen Beteiligungen offenbar 240 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Zu Hintergründen dieser Transaktion will sich die TSG Hoffenheim auf Anfrage von FINANCE nicht äußern. Mit diesem Eigenkapital wurden Spieler verpflichtet und erstligataugliche Strukturen geschaffen. Resultat: 2008 stieg der Klub in die Bundesliga auf, 2009 wurde die Rhein-Neckar-Arena eingeweiht.

Die Investitionen haben Hopps Einlage zusammenschmelzen lassen. Ende der Saison 2011/12 waren noch 148,2 Millionen Euro übrig, die ein Jahr später auf 135,1 Millionen Euro schrumpften. Der heftige Jahresverlust der abgelaufenen Saison dürfte den Wert der Einlage, die den Löwenanteil des Eigenkapitals der TSG ausmacht, in Richtung 110 Millionen Euro geschmälert haben. Der Kraftakt, die TSG in der Bundesliga zu etablieren, könnte Hopp zwischen 2006 und 2014 also mindestens 130 Millionen Euro gekostet haben.

Um den Wertverlust zu stoppen und die TSG in die schwarzen Zahlen zu führen, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Die regelmäßige Teilnahme am Europapokal bei mehr oder weniger konstanten Personalausgaben, oder das regelmäßige Erwirtschaften von Transferüberschüssen im zweistelligen Millionenbereich. Dann wäre die TSG Hoffenheim aber eher ein Ausbildungsverein wie der SC Freiburg, der mit dem jüngst auf den Weg gebrachten neuen Stadion in einigen Jahren umsatzseitig zur TSG aufschließen könnte. Die Freiburger müssen diesen Weg gehen, denn bei ihnen ist kein Eigentümer in Sicht, der mal eben so 240 Millionen Euro auf den Tisch legt.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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