FINANCE-Blog - 3. Halbzeit: TV-Gelder-Ranking: Welche Klubs hoffen, welche zittern.

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27.01.15
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TV-Gelder: Welche Klubs hoffen, welche zittern

Mit dem Start in die Rückrunde beginnt in der Bundesliga die heiße Phase im Millionentanz um das TV-Gelder-Ranking. Zum größten Gewinner könnte in diesem Jahr ausgerechnet ein krasser Außenseiter werden.

Die Meisterschaft ist entschieden, aber sonst ist kurz vor Beginn der am Freitag beginnenden Rückrunde noch alles offen in der Bundesliga. In den kommenden vier Monaten wird es aber nicht nur um die Qualifikation für den Europacup und das Bestehen im Abstiegskampf gehen. Seitdem immer mehr TV-Gelder in die Bundesliga fließen, ist es für die Klubs fast genauso wichtig, sich in der Fünfjahrestabelle gut zu positionieren. Diese Tabelle, in die die Bundesligaplatzierungen der fünf zurückliegenden Spielzeiten einfließen, entscheidet über die Vergabe der TV-Gelder in der jeweils folgenden Saison (Aktueller Stand: Infografik am Ende des Artikels).

Der Spitzenreiter der Mehrjahreswertung wird in der kommenden Saison 38 Millionen Euro aus dem TV-Topf kassieren, der Achtzehnte erhält immerhin noch 19 Millionen Euro.  Jeder Platz darüber ist rund 1,1 Millionen Euro wert.

Der BVB wird im TV-Ranking absacken

In dieser Saison gibt es gleich eine ganze Reihe von Vereinen, die in der aktuellen Bundesligatabelle weit besser oder schlechter liegen als im Mehrjahresranking. Wenn die aktuellen Platzierungen am Saisonende in die Mehrjahrestabelle einfließen, stehen ihnen allen deutliche Veränderungen bei den TV-Einnahmen ins Haus.

Ein Kandidat: Borussia Dortmund. Wegen der katastrophalen Hinrunde droht der im TV-Ranking aktuell auf Rang 2 liegende BVB zwei Plätze an Bayer Leverkusen und Schalke 04 zu verlieren. Glück für den BVB: Der Rückstand der auf Rang 5 rangierenden Gladbacher ist aufgrund der erfolgreicheren Vorjahre des BVB noch groß. Um schon am Ende dieser Saison im TV-Ranking am BVB vorbeizuziehen, müssten die Gladbacher die Saison ganz weit oben und der BVB sehr knapp über den Abstiegsrängen beenden.

Indes: Die Einbußen von 2,2 oder 3,3 Millionen Euro, die dem BVB durch das Abrutschen in der TV-Tabelle drohen, wären nur ein Klacks gegen die Einnahmeausfälle von mindestens 20 Millionen Euro, die ein Verpassen der Champions-League-Plätze kosten würde.

Ein anderes Top-Team steht hingegen vor einem Aufstieg: Der VfL Wolfsburg – aktuell im TV-Ranking auf Rang 7 – wird sehr wahrscheinlich Hannover 96 überholen. Damit würden die Wolfsburger nicht nur einen Platz aufrücken, sondern auch einen Vorsprung auf die Verfolger aufbauen – das bietet ein gutes Polster für die kommenden Spielzeiten. Im besten Fall könnten die Wölfe am Ende der laufenden Saison sogar noch an Borussia Mönchengladbach vorbeiziehen. Doch dafür müssten sie um drei bis vier Plätze besser abschließen als die Gladbacher – möglich, aber nicht besonders wahrscheinlich. 

Eintracht Frankfurt: Mehr TV-Gelder wären strategisch wichtig

Auf noch größere Sprünge können angesichts der aktuellen sportlichen Entwicklung drei Vereine hoffen: TSG 1899 Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und der FC Augsburg. Wenn Hoffenheim den aktuellen Platz im oberen Tabellendrittel verteidigt, könnte der Hopp-Klub – aktuell im TV-Ranking auf Position 12– mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der Fünfjahrestabelle an den derzeitigen Krisenklubs Werder Bremen, VfB Stuttgart und SC Freiburg vorbeiziehen.

Sie alle sind für Hoffenheim in der Mehrjahrestabelle in Reichweite. Vielleicht kann der Klub sogar auch noch die zuletzt schwächelnden Mainzer abfangen. Mehreinnahmen von 3,3 bis 4,4 Millionen Euro aus dem TV-Topf im Vergleich zur laufenden Saison wären selbst für einen reichen Klub wie Hoffenheim nicht zu verachten. Dann könnte Dietmar Hopp wieder mehr in seinen Golfklub investieren.

Auch die beiden Überraschungsteams aus Frankfurt und Augsburg könnten im TV-Ranking aufrücken, wenn es ihnen gelingt, ihre starken Tabellenplätze 6 und 9 zu behaupten. Eintracht Frankfurt – aktuell in der TV-Tabelle auf Rang 14 – droht zwar, vom FC Augsburg überholt werden. Dafür sind für die Eintracht aber die Abstiegskandidaten Bremen, Stuttgart und Freiburg in Reichweite, ebenso der mit einer bedrohlichen Finanzlage kämpfende Hamburger SV.

Für Eintracht Frankfurt geht es in der Rückrunde um potentielle Mehreinnahmen von bis zu 3,3 Millionen Euro pro Saison – Geld, das der Traditionsverein gut gebrauchen könnte. Die Eintracht versucht gerade, sich finanziell noch ein paar Jahre lang durchzulavieren, bis unvorteilhafte Altverträge ausgelaufen sind. Dann könnte die Eintracht mit einer besseren Verhandlungsposition in Gespräche mit Investoren und neuen Partnern gehen. Deutlich höhere TV-Einnahmen würden diesen Kurs absichern.

Überlebenskampf bei Werder Bremen, Banges Hoffen bei Eintracht Frankfurt, Finanz-Irrsinn beim Hamburger SV: Mehr Beiträge aus dem FINANCE-Blog „3. Halbzeit“ finden Sie hier. Folgen Sie 3. Halbzeit auch auf Facebook und diskutieren Sie mit.

Ein Quantensprung für den FC Augsburg?

Dem FC Augsburg (aktuell im TV-Ranking auf Rang 15) sind diverse Plätze weiter oben in der TV-Tabelle eigentlich schon sicher, sofern die Mannschaft in der Rückrunde nicht total einbricht. In unmittelbarer Reichweite befinden sich gleich vier Vereine: Neben Eintracht Frankfurt sind dies der HSV, Werder Bremen und der VfB Stuttgart, eventuell sogar noch der SC Freiburg. Im Extremfall winkt den Augsburgern somit ein Aufstieg um spektakuläre fünf Plätze. Rund 5,5 Millionen Euro mehr Einnahmen aus dem TV-Topf – für den FC Augsburg wäre das ein Quantensprung.

Spiegelbildlich scheint hingegen klar zu sein, dass das im TV-Ranking (noch) gut platzierte Quartett SC Freiburg, VfB Stuttgart, Werder Bremen und Hamburger SV Federn lassen muss. Freiburg und Stuttgart werden wohl selbst im Falle des Klassenerhalts mehrere Plätze abrutschen. Der HSV und Werder Bremen können hingegen noch hoffen, dass die im TV-Ranking vor ihnen platzierten Freiburger und Stuttgarter absteigen. Dies könnte den Absturz im TV-Ranking auf jeweils einen Platz begrenzen.

Was die Entwicklung im Mittelfeld der TV-Tabelle besonders interessant macht, ist eine brisante Regel: Ein Fußballklub, der aus der 1. Bundesliga absteigt, büßt nicht nur auf Jahre hinaus viele TV-Punkte ein, sondern rutscht automatisch aus den Top 18 heraus, weil diese den Erstligisten vorbehalten sind.

Für die beiden Nordklubs aus Bremen und Hamburg könnte die Bedeutung des TV-Rankings unterschiedlicher kaum sein. Beim HSV geht es im finanziellen Überlebenskampf um ganz andere Summen als 1 oder 2 Millionen Euro weniger TV-Geld – die Hamburger müssen dringend ihre üppigen Personalkosten kappen und ihre Verbindlichkeiten refinanzieren. Aber für Werder Bremen – einen Klub, der schon vor drei Jahren auf Sanierungskurs gegangen ist, dem aber jetzt die Luft auszugehen droht –, wären die drohenden 2 bis 4 Millionen Euro Einbußen bei den TV-Einnahmen ein weiterer bitterer Rückschlag, der die Wettbewerbsfähigkeit des einstigen Top-Klubs weiter schwächen würde.

Schwerer Rucksack für Hertha BSC

Lange Gesichter hingegen dürfte es am Saisonende beim Blick auf das TV-Tableau bei Hertha BSC Berlin geben. CFO Ingo Schiller hatte nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR bei der Hertha argumentiert, dass den größeren Investitionen in die Mannschaft über kurz oder lang deutlich mehr TV-Gelder folgen dürften – eine Art inhärente Refinanzierung also.

Aber viel reißen wird die Hertha im TV-Ranking in dieser Saison wohl noch nicht. Halten sie die Klasse, werden die Berliner an den Absteigern vorbeiziehen – vorausgesetzt, dass nicht die im TV-Ranking bereits hinter der Hertha platzierten Kölner und Paderborner absteigen und damit aus der Mehrjahrestabelle fallen.

Bis der Rucksack der Berliner Zweitligajahre im TV-Ranking aber nicht mehr so schwer drückt und höhere Platzierungen in Reichweite kommen, werden noch mindestens zwei Spielzeiten vergehen. Erst dann wird sich Hertha-CFO Schiller über deutliche Zuwächse bei den TV-Geldern freuen können – wenn denn die Hertha bis dahin immer noch in der Bundesliga spielt.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Das aktuelle TV-Ranking der Bundesliga

Quelle: DFL