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Prüfungsfachwirt: Ein Schritt in Richtung Wirtschaftsprüfer

Das WP-Examen gilt als eine der härtesten Prüfungen überhaupt. Der Prüfungsfachwirt soll eine Zwischenstufe sein.
BrianAJackson/iStock/Thinkstock/Getty Images

Wege zum Wirtschaftsprüferexamen gibt es viele, doch alle sind hart und erfordern einen langen Atem: Der klassische Weg in den Beruf ist immer noch ein Studium, gefolgt von mehreren Jahren Berufserfahrung und dem anschließenden Examen zum Wirtschaftsprüfer. Der Lohn für die Mühen ist ungewiss. In vielen Jahrgängen besteht laut Wirtschaftsprüfungskammer nur gut die Hälfte der Kandidaten das Examen direkt und ohne Nachprüfungen.

Die hohen Anforderungen im WP-Examen schrecken viele ab – ein Problem, das in der Branche zu Nachwuchsmangel führt. Seit längerem gibt es daher Diskussionen über einen Zwischenschritt, ähnlich dem Abschluss als Steuerfachwirt in der Steuerberatung. Ein erstes Angebot hat der Fortbildungsdienstleister Primus entwickelt, der im September einen Zertifizierungslehrgang zum Prüfungsfachwirt starten will. „Gerade im Mittelstand wollen manche Kollegen kein WP-Examen ablegen. Es gibt aber derzeit kaum zertifizierte Fortbildungsangebote darunter“, sagt Professor Gerrit Brösel, akademischer Leiter des Lehrgangs. 

Lehrgang zum Prüfungsfachwirt soll Praxiswissen vermitteln

Als „Wirtschaftsprüfer light“ will Brösel den Prüfungsfachwirt nicht verstanden wissen. Mit dem Lehrgang will er sowohl ambitionierte Kandidaten ansprechen, die später noch ein WP-Examen draufsetzen, als auch Nachwuchskräfte, die zwar in der Wirtschaftsprüfung arbeiten möchten, aber eine Position unterhalb der WP-Stufe anpeilen. „Der Prüfungsfachwirt ist eine Möglichkeit, die Fortbildungsangebote unterhalb des Wirtschaftsprüfers zu strukturieren und die erbrachten Qualifikationen mit einem Abschluss zu dokumentieren“, sagt Brösel. Der Lehrgang besteht aus fünf Modulen und wird berufsbegleitend absolviert. Wer an allen Modulen teilnimmt, muss einen Zeitraum von rund elf Monaten einkalkulieren.

Im Gegensatz zu vollwertigen Master-Studiengängen ist die Fortbildung zum Prüfungsfachwirt als Lehrgang konzipiert und soll in erster Linie Berufspraxis vermitteln. Auf ein späteres WP-Examen lassen sich die Prüfungen deshalb nicht anrechnen.

Studiengänge als Vorbereitung auf das WP-Examen

Eine Anrechnung einzelner Leistungen, um das WP-Examen etwas zu entzerren, ermöglichen dagegen Studiengänge und spezialisierte Programme: Die Big Four KPMG, PwC, EY und Deloitte bieten seit Mai 2012 einen berufsbegleitenden Studiengang im Rahmen ihres Audit-Xcellence-Programms an. Teilnehmer können einen Teil der Prüfungsleistungen in ein späteres WP-Examen einbringen.

Dies geht auch bei einer Reihe von Masterstudiengängen – möglich machen es die Paragraphen 8a und 13b der Wirtschaftsprüfungsordnung. Nach Angaben der Wirtschaftsprüfungskammer bieten derzeit acht Hochschulen einen spezialisierten Masterstudiengang im Bereich Audit/Wirtschaftsprüfung und weitere 17 Hochschulen allgemeinere betriebswirtschaftliche Studiengänge an, aus denen später im WP-Examen Leistungen in den Prüfungsgebieten Angewandte Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht angerechnet werden können. An den fachspezifischen Prüfungen kommt im Rahmen des WP-Examens grundsätzlich niemand vorbei. 

Prüfungsfachwirt muss sich erst noch etablieren

Bis der Prüfungsfachwirt als Zwischenschritt zum Wirtschaftsprüfer etabliert ist, wird es noch einige Zeit dauern. Während der Steuerfachwirt als Zwischenschritt zum Steuerberater eine feste Größe ist und es sich beim Steuerfachwirt um einen anerkannten Abschluss handelt, trifft dies auf den Prüfungsfachwirt derzeit nicht zu. „Ob dies passiert, bleibt abzuwarten, allerdings sehe ich dies aufgrund der Entwicklungen im Berufsstand als geboten an“, sagt Brösel.

Wer alle fünf Module des geplanten Lehrgangs absolviert, muss Nettokosten von 5.175 Euro einplanen. Ob sich der Arbeitgeber an den Kosten beteiligt und wie die Urlaubsregelung für die insgesamt 15 Präsenztage gestaltet wird, die jeweils für Donnerstag bis Samstag angesetzt sind, ist Verhandlungssache. „Wir gehen davon aus, dass viele WP-Gesellschaften die Kosten übernehmen oder zumindest bezuschussen“, erwartet der akademische Leiter Brösel.

Der erste Lehrjahrgang soll im September starten, die Anbieter rechnen mit insgesamt rund 60 Teilnehmern an den Standorten Lüneburg, Bergisch Gladbach sowie im südöstlich von Stuttgart gelegenen Bad Boll. Bei entsprechender Nachfrage soll der Kurs künftig jährlich angeboten werden.

Da es noch keine Erfahrungen mit dem Lehrgang gibt, ist auch noch offen, welche finanziellen Perspektiven der Prüfungsfachwirt für Absolventen eröffnet. Wer die Qualifikation erwirbt, muss die Auswirkungen auf das Gehalt mit seinem Arbeitgeber klären. Besonders die ersten Absolventen werden hierfür noch Verhandlungsgeschick mitbringen müssen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Anbieter: Primus-Akademie GmbH

Inhalte: Der Lehrgang vermittelt in fünf Modulen wesentlichen Aspekte der Erstellung und Prüfung des Einzelabschlusses mit Schwerpunkt im wirtschaftlichen Prüfungswesen. Themen u. a.: Bilanzierung und Bilanzpolitik, Grundlagen des Wirtschaftsrechts, Buchführung und Bilanzierung, Grundlagen der Jahresabschlussprüfung, ausgewählte Prüffelder des Jahresabschlusses, Grundlagen technischer Anwendungen, Grundlagen der betrieblichen Steuerlehre, Prüfungsbericht, Lagebericht

Aufwand: Fünf dreitägige Unterrichtsmodule jeweils von Donnerstag bis Samstag im Zeitraum von September bis Juli des Folgejahres. Der erste Kurs startet im September 2017. Zusätzlich ein Fernlehrgang sowie integrierte Leistungstests zum Abschluss jedes Unterrichtsmoduls.

Kosten: Jedes Modul ist einzeln buchbar für 1.150 Euro (netto), für den gesamten Lehrgang werden 5.175 Euro (netto) fällig.

Info

Weitere Informationen zu Zusatzqualifikationen finden Sie auf unserer Themenseite Weiterbildung im Finanzbereich.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.