In-Memory Computing ermöglicht eine Echtzeit-Verarbeitung von großen Datenmengen. SAP S/4 Hana nutzt diese Technologie.

Wavebreakmedia Ltd/Wavebreak Media/Thinkstock/Getty Images

13.10.16
CFO

SAP S/4 Hana: Kosten verhindern bislang den Siegeszug

Die In-Memory-Technologie von SAP S/4 Hana Finance finden viele Unternehmen interessant. Doch mit der Einführung zögern die meisten noch. Eine Analyse zeigt die Gründe.

Mit seiner In-Memory-Lösung SAP S/4 Hana Finance sorgt SAP in den Finanzabteilungen für Gesprächsstoff. Viele Unternehmen diskutieren die Einführung der neuen Software, doch nur wenige trauen sich schon an die Umsetzung. Dies zeigt eine Studie der Unternehmensberatung BearingPoint zusammen mit dem Lehrstuhl Controlling der Universität Stuttgart. Für die Analyse wurden mehr als 40 Antworten von europäischen  Unternehmen mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum ausgewertet.

Das Ergebnis: 55 Prozent der Unternehmen ziehen es in Betracht, SAP S/4 Hana Finance einzuführen. Implementiert ist die Technologie auf Basis von In-Memory Computing, das die Echtzeit-Verarbeitung von großen Datenmengen ermöglicht, allerdings erst in 11 Prozent der Unternehmen. Einer der Vorreiter ist beispielsweise der Airbus-Geschäftsbereich Optronics.

SAP S/4 Hana: Business Case ist schwer zu ermitteln

Ein großer Hemmschuh sind die Kosten: Sie sind der Analyse zufolge derzeit für 77 Prozent der Unternehmen das überwiegende Argument, das sie von der Einführung abhält. Weitere Hindernisse sieht die Hälfte der Befragten bei den Unsicherheiten in Bezug auf Funktionalität und Systemstabilität. Die Kosten für die Umstellung sind für die Verantwortlichen vorab nur schwer zu kalkulieren. „Die Umstellung ist mitunter ein sehr umfassendes Transformationsvorhaben. Das macht es schwierig, einen verlässlichen Business Case zu ermitteln“, sagt BearingPoint-Partner Sven Fahn.

Manche Vorstände seien zudem noch unsicher, welche ihrer Funktionen und Geschäftsprozesse sich tatsächlich mit einer Umstellung verbessern ließen. Die Tatsache, dass ein Business Case schwer zu berechnen ist, halten die Berater auch für einen Grund dafür, dass viele Unternehmen sich zunächst in einer Vorstudie vertiefend mit SAP S/4 Hana Finance befassen.

Hinzu kommen die Auswirkungen, die eine Arbeit mit SAP S/4 Hana Finance auch auf die internen Prozesse in den Unternehmen hat. Um den größtmöglichen Nutzen aus dem Einsatz zu ziehen, müssen Unternehmen auch interne Abläufe in der Buchhaltung und im Controlling umstellen. „Diese Transformation gehen viele Unternehmen sukzessive an. Sie stellen schrittweise einzelne Bereiche, Funktionen oder Regionen auf SAP S/4 Hana um“, sagt Svatopluk Alexander, Partner bei BearingPoint. Dieser stufenweise Ansatz sei besonders geeignet für Unternehmen, die eine komplexe IT-Struktur umstellen müssen. Sie übernehmen damit Schritt für Schritt die neue SAP-Generation. 

SAP S/4 Hana soll Analysequalität verbessern

Der größte Treiber für eine Umstellung auf In-Memory Computing sind Alexander zufolge die neuen strategischen Möglichkeiten, die sich Finanzabteilungen durch die digitale Transformation bieten: „Themen wie Predictive Analytics wecken große Erwartungen. Außerdem bietet die Umstellung die Möglichkeit, die IT-Landschaft im Unternehmen zu harmonisieren und zu konsolidieren“, sagt er. Die BearingPoint-Berater gehen davon aus, dass diese Argumente SAP zahlreiche Neukunden bringen könnten.

Für 75 Prozent der befragten Unternehmen gehört die Schaffung einer konsistenten Datenbasis und einheitlicher Prozesse im Finanzbereich zu den wichtigsten Zielsetzungen bei der Auseinandersetzung mit S/4 Hana Finance. Mehr als die Hälfte möchte bessere Ergebnisse bei der Analyse großer Datenmengen erzielen und die Entscheidungsfindung durch Echtzeit-Informationen beschleunigen. Weitere 52 Prozent setzen zudem auf eine angepasste Prozessstruktur.

Mittelfristig stehen die Ampeln für die neue Software trotz der aktuellen Zurückhaltung auf Grün. „Wir hören von mehreren Unternehmen, dass sie sich noch ein Jahr oder 18 Monate Zeit nehmen wollen, um die Entwicklung zu beobachten“, sagt Sven Fahn. Allzu lange sollten Unternehmen aber nicht auf ihre bestehenden Systeme setzen, rät der BearingPoint-Berater: „Die vorherigen Releases werden zwar noch gepflegt, Innovationen werden dort aber nicht mehr eingearbeitet.“

Zum 30. Juni dieses Jahres gab es SAP-Angaben zufolge bereits mehr als 3.700 S/4-Hana-Kunden. Dem Walldorfer Software-Konzern zufolge ist SAP S/4 Hana das erfolgreichste Produkt in der Unternehmensgeschichte.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

SAP hat sein neues ERP-System SAP S/4 Hana auf den Markt gebracht – und bewirbt die neuen Möglichkeiten. Für viele Unternehmen ist die erzwungene Umstellung aber erst einmal stressig und teuer. Erfahrungsberichte und Ratgeber finden Sie auf unserer Themenseite zu SAP S/4 Hana.