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Darum müssen CFOs ihren Stuhl räumen

Es gibt mehrere Gründe, warum CFOs ein Unternehmen verlassen müssen. Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com
Es gibt mehrere Gründe, warum CFOs ein Unternehmen verlassen müssen. Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

Personalwechsel auf Vorstandsebene werden häufig von großem öffentlichem Interesse begleitet. Das ist aus mindestens zwei Gründen nachvollziehbar. So lenken Top-Manager maßgeblich die Geschicke ihrer Unternehmen. Bei Entscheidungen spielen ihre idiosynkratischen Persönlichkeitseigenschaften sowie ihre individuellen Präferenzen und Erfahrungen eine bedeutsame Rolle. Ein Wechsel wird daher interessiert bis kritisch von allen Stakeholdern einer Organisation beäugt.

Der zweite Grund ist die natürliche Neugierde. Gerade das Schicksal von Personen, die im Rampenlicht stehen und zu denen Top-Manager heutzutage vermehrt zählen, ist von großem Interesse. Doch die Verweildauer von Managern in der CFO-Position ist in letzter Zeit mit aktuell knapp unter fünf Jahren immer kürzer geworden. Was sind die Gründe und Konsequenzen von CFO-Wechseln?

Gründe für CFO-Entlassungen sind vielfältig

Grundsätzlich kann man freiwillige und unfreiwillige Abgänge unterscheiden. Zu den freiwilligen zählen beispielsweise Pensionierungen oder der Wechsel auf eine andere Position innerhalb oder außerhalb des Unternehmens. Zu den unfreiwilligen CFO-Wechseln, mit denen sich die wissenschaftlichen Studien hauptsächlich beschäftigen, zählen neben dem krankheitsbedingten Ausscheiden insbesondere die Kündigung durch den Arbeitgeber oder das Verwehren einer Vertragsverlängerung.

Ein naheliegender Trennungsgrund aus Unternehmenssicht ist die unterdurchschnittliche Leistung des CFO. Aber was heißt das eigentlich? Ellen Engel und Kollegen haben in ihrem Beitrag „The Importance of Role-Specific Performance and Sociopolitical Factors for Chief Financial Officer Employment Outcomes“, der 2019 in der Zeitschrift „Accounting Horizons“ erschien, rund 500 CFO-Kündigungen in vornehmlich amerikanischen Unternehmen untersucht. Die Ergebnisse ihrer Analysen zeigen, dass eine unterdurchschnittliche Leistung bei rollenspezifischen CFO-Aktivitäten die Wahrscheinlichkeit eines CFO-Rauswurfs erhöht.

Sie interpretieren das als klares Indiz dafür, dass CFOs etwa für Probleme in der Finanzberichterstattung, dem Liquiditätsmanagement sowie der Compliance persönlich verantwortlich gemacht werden. Weniger klar ist, ob CFOs auch zumindest eine Mitverantwortung für eine schwache Unternehmensleistung tragen. Im Einklang mit Ergebnissen anderer Studien finden Engel und Kollegen hierzu keine eindeutigen Antworten: Zwar weisen sie einen negativen Zusammenhang zwischen der operativen Performance – gemessen durch den Return on Assets – und der Wahrscheinlichkeit für eine Kündigung nach. Einen Zusammenhang mit der Entwicklung am Kapitalmarkt gemessen durch Aktiengewinne – konnten sie dagegen nicht finden.

Aber zurück zur rollenspezifischen CFO-Leistung: Engel und Kollegen argumentieren weiter, dass die Stärke der erwähnten Zusammenhänge von soziopolitischen Faktoren abhängt. Dazu zählt etwa die Frage: Wie eng ist die Beziehung der CFOs zu ihren CEOs? Die Gefahr des Jobverlusts ist für CFOs mit unterdurchschnittlichen rollenspezifischen Leistungen deutlich geringer, wenn sich CEOs und CFOs aus vorherigen Engagements vom Besuch gleicher Bildungseinrichtungen kennen.

Wann wird ein CFO zum CEO?

Die Autoren haben in ihrer Studie aber nicht nur die Abgänge, sondern auch 132 CFO-Beförderungen genauer untersucht. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Bedingungen, unter denen CFOs unternehmensintern aufstiegen und entweder die Rolle des COO oder CEO übernahmen.

Interessanterweise finden die Forscher heraus, dass die rollenspezifische Performance überhaupt keinen Einfluss auf die Beförderung der CFOs hatte, wohl aber ihre sozialen Bindungen zu ihren CEOs. Im Übrigen ist die Wahrscheinlichkeit für einen unternehmensinternen Aufstieg des CFO grundsätzlich höher, wenn er oder sie schon lange im Amt ist, in einem großen Unternehmen tätig ist und wenn der CEO das Unternehmen verlässt, was intuitiv nachvollziehbar ist.

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Um das Phänomen der CFO-Wechsel noch etwas besser zu verstehen, möchte ich Ihnen noch einen weiteren Artikel vorstellen: Darren Bernard und Kollegen haben im vergangenen Jahr unter dem Titel „Implied Tradeoffs of Chief Financial Officer Accounting Expertise: Evidence from Firm-Manager Matching“ eine Studie in der Zeitschrift „Management Science“ veröffentlicht, in der sie Daten von über 4.600 CFO-Berufungen in US-Unternehmen zwischen 2006 und 2016 auswerten. Sie argumentieren, dass Boards in ihren Besetzungsentscheidungen einen Fit herstellen wollen zwischen den antizipierten Fähigkeiten der CFO-Kandidaten und den Herausforderungen, denen sich Unternehmen im Umfeld der Berufung ausgesetzt sehen.

Wenig überraschend stellen sie fest, dass Unternehmen, die (zum Beispiel im Nachgang von Restatements oder wenn über umfangreiche Rückstellungen berichtet werden muss) größere Accounting-Expertise benötigen, CFOs mit ausgeprägterem Accounting-Hintergrund einstellen und nicht etwa CFOs mit Expertise in anderen Bereichen. Die Wahrscheinlichkeit für die Berufung eines Accounting-CFO sinkt auch, wenn es bereits andere Experten im Team gibt, etwa einen Chief Accounting Officer.

Accounting-CFOs haben geringere Aufstiegschancen

Interessant an dieser Untersuchung ist auch die dynamische Perspektive. Die Autoren gehen davon aus, dass sich die Unternehmensbedarfe an Accounting-Expertise im Zeitverlauf verändern können. Wenn man nun annimmt, dass sich ein CFO mit spezifischen Kenntnissen und Erfahrungen nur bedingt an die veränderten Bedarfe anpassen kann, entsteht ein Misfit zwischen Unternehmensbedarf und CFO-Expertise. Die Forscher vermuten, dass ein solcher Misfit über die Jahre zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Wechsels führen kann.

Auch die Frage, wann es ein CFO auf die CEO-Position schafft, wird von Bernard und Kollegen adressiert. Sie können in ihren deskriptiven Statistiken nachweisen, dass knapp 3,3 Prozent der Manager, die im Beobachtungszeitraum zum CFO berufen wurden, innerhalb der folgenden fünf Jahre zum CEO ernannt wurden. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, das CEO-Amt zu übernehmen, für einen reinen Accounting-CFO signifikant geringer.

Diese Erkenntnis passt auch gut zu meinen Ausführungen in der Kolumne zum CFO-Gehalt. In der Januar/Februar-Ausgabe von FINANCE hatte ich berichtet, dass generalistisch ausgebildete CFOs signifikant mehr verdienen als spezialisierte Accounting-CFOs. Die erwähnten Studien unterstreichen den Zielkonflikt beim Aufbau von CFO-Expertise. Eine Fokussierung auf spezialisierte Accounting-Themen ist in aller Regel mit einem reduzierteren Aufbau von Wissen und Erfahrungen in anderen Gebieten verbunden. Aus den Daten von Bernard und Kollegen wird ersichtlich, dass Accounting-CFOs deutlich seltener ein MBA-Studium absolvieren, obwohl sie dadurch ihre Chancen auf eine Beförderung zum CEO erhöhen könnte.

redaktion[at]finance-magazin.de

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