Alfred Ritter, besser bekannt unter seiner Hauptmarke Ritter Sport, hat einen neuen CFO: Michael Lessmann steigt innerhalb des Unternehmens auf und übernimmt die Position des kaufmännischen Geschäftsführers und Finanzchefs zum 1. April 2023. Er folgt auf Bernhard Kühl, der den Konzern im Februar dieses Jahres verließ. Kühl war bereits seit 2003 für die Ritter-Sport-Mutter tätig gewesen, seit 2007 als kaufmännischer Geschäftsführer. Über Kühls weitere berufliche Pläne ist bislang nichts bekannt.
Lessmann stieß im Mai 2020 als Leiter des Deutschlandgeschäfts zu Ritter Sport, seit März 2021 verantwortet er zusätzlich die Region Nordeuropa mit. Die Position des CFOs schafft das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg nun neu, sie hat mit der Rolle von Lessmanns Vorgänger Kühl nicht mehr sehr viel gemein: „Das Anforderungsprofil der Position hat sich massiv verändert“, sagte ein Firmensprecher gegenüber FINANCE. Hintergrund sei der, dass der Schokoladenhersteller seine Abhängigkeit vom deutschen Markt verringern wolle, und damit einhergehend aktiver im Ausland werden und mehr Absatzmärkte erschließen wolle.
Zudem habe das Unternehmen weitere Vermarktungsgesellschaften im Ausland gegründet und neue Geschäftsfelder wie Kakaoanbau und Vermarktung von Kakaosaftgetränken erschlossen. Die neue CFO-Position beinhalte also Anforderungen, die es vorher so bei dem Unternehmen nicht gegeben habe, dazu würden beispielsweise Währungsgeschäfte gehören, erklären die Waldenbucher. Lessmanns Aufgabe wird nun die kaufmännische Koordination aller Unternehmenszweige und Gesellschaften sein.
Lessmann hat 20 Jahre Erfahrung in der Konsumgüterbranche
Ritter-CEO Andreas Ronken sagte über die Beförderung Lessmanns: „Michael Lessmann hat in den letzten zwei Jahren im bekanntermaßen schwierigen deutschen Markt und einer insgesamt herausfordernden wirtschaftlichen Situation seine Management-Fähigkeiten in den Bereichen Vermarktung und Controlling eindrücklich unter Beweis gestellt.“
Zudem verfüge Lessmann über „umfangreiche In- und Auslandserfahrung im FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods)“, betonte CEO Ronken im Februar 2020, als Lessmann zu Alfred Ritter stieß. Das Segment Fast Moving Consumer Goods bezeichnet Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs, die von einer schnellen Warenrotation gekennzeichnet sind.
Lessmann kam 2020 von Heinz Kraft, wo er als Commercial Director Central-North-East-Europe und DACH tätig war. Erfahrung im FMCG-Bereich sammelte der 46-Jährige auch bei Beiersdorf. Für die Hamburger Nivea-Mutter hatte Lessmann bis 2016 über 13 Jahre lang gearbeitet, unter anderem in leitenden Positionen im Marketing. Über Branchenerfahrung verfügt Lessmann also reichlich, aber: Die Rolle als Finanzchef bei Alfred Ritter ist die erste CFO-Position für den Marketingprofi.
Sinkende Nachfrage wird Herausforderung für Lessmann
Auf Lessmann kommen große Herausforderungen zu. Ähnlich wie auch andere Branchen befürchtet der Schokoladen-Fachhandel Nachfrage- und Umsatzeinbrüche. Anlässlich des „Tages der guten Schokolade“ warnte der Club der Confiserien (CdC) am heutigen Dienstag vor einer schwierigen Periode. „Die Verunsicherung ist groß, nicht erst seit der Energiekrise und dem Ukraine-Krieg, sondern schon seit Beginn der Corona-Pandemie„, sagte Oliver Peik vom Verband CdC. Probleme seien die „Kaufzurückhaltung bei gleichzeitig stark gestiegenen Energie- und Mietkosten sowie höhere Preise der eingekauften Waren beziehungsweise Vorprodukte“.
Zudem geriet Alfred Ritter im März nach Beginn des Ukraine-Kriegs stark in die Kritik, da der Konzern verkündete, sein Russlandgeschäft nicht einstellen zu wollen. Laut dem „Handelsblatt“ hat das Unternehmen zwar mittlerweile Neuprojekte und Werbung eingestellt, liefert aber weiterhin Schokolade nach Russland. Der Ritter-Sport-Hersteller begründete den Schritt, das Russlandgeschäft nicht einzustellen, damit, dass Russland der zweitgrößte Absatzmarkt hinter Deutschland für den Schokoladenhersteller sei und dass man langfristige Lieferantenbeziehungen nicht aufkündigen wolle.
Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.
