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Wenn der Unternehmensverkauf zum Karrieresprungbrett wird

Seit August 2020 neuer CFO Europe von Elanco: Maximilian Böhmer
privat

Wenn das eigene Unternehmen von einem Wettbewerber aufgekauft wird, ist das für Mitarbeiter oft mit viel Unsicherheit verbunden: Wie verändern sich meine Aufgaben, oder fällt meine Stelle vielleicht sogar nach der Integration weg? Doch manchmal kann eine Übernahme auch zum veritablen Karriere-Booster werden – so wie bei Maximilian Böhmer, der seit zwei Monaten neuer CFO Europe beim US-Tiergesundheitsunternehmen Elanco ist. Der 45-Jährige ist durch die Veräußerung des Tierarzneigeschäfts von Bayer an den US-Mitbewerber die Karriereleiter hochgestiegen, bei Bayer war er zuletzt Leiter Controlling. „Die Integration war für mich persönlich ein Glücksfall“, sagt Böhmer.

Der Schritt vom Leiter Controlling zum CFO, sowohl intern als auch extern, sei per se nichts Ungewöhnliches, ordnet Erich Schwinghammer, Senior Abteilungsleiter Finance beim Personaldienstleister Hays, ein. „Eher selten ist es jedoch, dass der Finanzchef im Zuge eines Kaufs  aus dem übernommenen Unternehmen – und nicht aus dem übernehmenden Haus – gestellt wird.“

Im August 2020 schloss Bayer den Verkauf an den US-Mitbewerber ab. Durch die Transaktion flossen dem Pharma- und Chemieriesen knapp 7,6 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 6,9 Milliarden Euro) zu. Mit dem Kauf stiegen die Amerikaner hinter dem US-Konzern Zoetis zur weltweiten Nummer zwei in der Tiergesundheit auf. 

Mehrere Planspiele bei Bayer zu Animal Health

Bayer hatte im November 2018 ankündigt, seine Tiersparte im Rahmen einer größeren Umstrukturierung verkaufen zu wollen. Mit der Ankündigung setzte der Pharmariese auch gleich klare Spielregeln für die Mitarbeiter fest: Alle Mitarbeiter, die im Bayer-Konzern überwiegend für den Geschäftsbereich Tiergesundheit tätig waren, gehörten automatisch zum Deal und würden mit verkauft werden. Damit war auch Maximilian Böhmer, der seit seinem Studienabschluss 2001 bei Bayer tätig war, klar, dass seine Tage beim Chemiekonzern gezählt waren. „Zu Beginn war es ein ziemlicher Schock, dass meine Zeit bei Bayer so zu Ende gehen würde“, erinnert sich der Diplom-Kaufmann.

In den ersten sechs Monaten ging man zunächst intern noch davon aus, dass Bayer Animal Health als eigenständiges Unternehmen an einen Finanzinvestor gehen würde. Deshalb arbeitete Böhmer als damaliger Chef-Controller gemeinsam mit dem Bayer-Corporate Controlling an der Ausarbeitung einer eigenständigen Finanzsteuerung. Er berichtete damals noch direkt an den Bayer-Animal-Health-CFO Roland Backes, der derzeit auch noch bei Elanco beschäftigt ist.

FINANCE-Köpfe

Maximilian A. Böhmer, Elanco Inc.

Maximilian Böhmer startet seine berufliche Karriere im Jahr 2001 bei Bayer. Dort ist er in den Folgejahren unter anderem als Projektmanager für die Integration von Schering in den Bayer-Konzern zuständig. Von 2007 bis 2009 ist er Vorstandsassistent des jetzigen Bayer-CEOs Werner Baumann, der damals noch Leiter Central Administration & Organisation ist.

2010 geht er selbst als Leiter Central Administration & Organisation für Bayer Healthcare nach Chile, 2012 folgt der Wechsel nach Kansas City, wo Böhmer für drei Jahre das Controlling des Nordamerikageschäfts von Bayer Animal Health leitet. Nach einer Zwischenstation bei Bayer Business Services wird er 2017 Leiter Controlling bei Bayer Animal Health in Monheim. Nach der Übernahme der Bayer-Tierarzneisparte durch den US-Mitbewerber Elanco macht ihn der US-Konzern im August 2020 zum neuen CFO Europe.

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Wie wird man CFO beim neuen Eigentümer?

Im Sommer 2019 kam es dann doch anders, und der US-Mitbewerber Elanco Animal Health wurde als strategischer Käufer präsentiert. Dann ging alles sehr schnell: Noch vor der offiziellen Ankündigung im August 2019 kam es bereits im Rahmen der Due Diligence im Juli zu ersten Expertenrunden. Dabei stellten die Amerikaner detaillierte Fragen zur Finanzsteuerung, aber auch sehr konkrete Fragen zu einzelnen Finanzprozessen.

Im Jahr 2018 machte die Bayer-Tiermedizinsparte einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, während der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 312 Millionen Euro lag. Elanco konnte im gleichen Jahr bei einem Umsatz von knapp 3,1 Milliarden Dollar ein bereinigtes Ebit von 549 Millionen Dollar erzielen. Bei Elanco, die einen starken Fokus auf den landwirtschaftlichen Bereich haben, sieht man die Bayer-Sparte mit ihrem starken Consumer-Geschäft als ideale Ergänzung.

Böhmer erhielt kurz vor Abschluss der Transaktion das Jobangebot, welches an Tag 1 nach der Übernahme effektiv wurde. Den Grund, warum gerade ihm der CFO-Posten angeboten wurde, sieht Böhmer ganz nüchtern: „Ich habe von Anfang an eine sehr prominente Rolle in dem Integrationsteam gespielt, war bei allen Projektmeetings dabei, konnte die Zentrale in den USA besuchen und hatte so sehr früh die Möglichkeit, mich zu zeigen und mich bei Elanco vorzustellen.“

Wer zur Führungskraft beim neuen Eigentümer befördert werden soll, sollte sich als „pragmatische, umsetzungsstarke, fachlich versierte Führungskraft, die auch unpopuläre Entscheidung treffen kann, positionieren“, rät Hays-Personalexperte Erich Schwinghammer. Eine besondere Herausforderung liegt darin, dass man als CFO beim neuen Eigentümer womöglich auch mit einem neuen Team konfrontiert ist. „Finanzchefs in dieser Position sollten daher empathisch und sehr kommunikationsstark sein.“

Womit CFO Böhmer bei Elanco beschäftigt ist

Als CFO für Europa ist Böhmer nun für die Europäische Union und Großbritannien ohne Osteuropa zuständig und leitet die Bereiche Accounting, Controlling und Order to Cash. Während er bei letzterem manche Entscheidung direkt selber treffen kann, werden die größeren Treasury-Themen von der US-Zentrale in Greenfield /Indiana aus gemanagt, berichtet der Finanzchef. Derzeit gilt es, viele Integrationsthemen zu meistern.

Daneben beschäftigen den zweifachen Familienvater der erste Quartalsabschluss und die Vorbereitung des Business-Plans für das kommende Jahr. Mit Blick auf die eigene Finanzabteilung könne er weiterhin mit der vollen Mannschaft von 15 Kollegen arbeiten, da die Standortsicherung für Monheim bis Ende 2025 an Elanco mitverkauft wurde und somit keine Stellenstreichungen möglich seien, erklärt Böhmer.

Elanco ist selbst eine Abspaltung

Bei der Unternehmenskultur sind Böhmer bereits erste Unterschiede zu seinem früheren Arbeitgeber aufgefallen: Durch die schiere Größe und die sehr lange Unternehmensgeschichte verfüge Bayer im Gegensatz zu Elanco über eine gewisse Ressourcenvielfalt für Spezialgebiete bei Steuer- und Accounting-Themen. Der US-Konzern hingegen sei noch ein junges Unternehmen, das erst vor eineinhalb Jahren von der Konzernmutter, dem Pharmakonzern Eli Lilly, abgespalten wurde.

„Da viele Serviceleistungen von Eli Lilly geleistet wurden, ist die Finance-Organisation noch stark im Aufbau“, so Böhmer. Das neue Unternehmen trete sehr schlank, agil und mit kurzen Kommunikations- und Entscheidungswegen auf. „Während bei Bayer mehr Experten zu involvieren waren, die die Prozesse teils verlangsamt haben, geht man bei Elanco lieber mehr Risiko ein, bringt die wesentlichen Leute in einem Meeting zusammen und trifft dann eine Entscheidung.“

Für Personalberater Schwinghammer ist die Unternehmenskultur ein wichtiger Faktor für einen gelungen Einstieg als neuer CFO: „Neben den fachlichen Themen ist es unabdingbar, sich auf die neue Kultur einzulassen und diese entsprechend zu leben.“ Bei einem Unternehmenskauf sollte immer versucht werden, das Beste aus beiden Welten zu nutzen – Prozess-Standards sowie Tools und Regularien.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über den hier portraitierten neuen Europa-CFO von Elanco erfahren Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Maximilian Böhmer

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