Beate Uhse

08.06.17
CFO

Beate Uhse beruft CFO Cornelis Vlasblom ab

Beate Uhse kommt nicht zur Ruhe: Der schwer angeschlagene Erotikhändler hat CFO Cornelis Vlasblom mit sofortiger Wirkung abberufen. Die Vorlage des Geschäftsberichtes verzögert sich erneut.

Die Turbulenzen bei Beate Uhse gehen weiter: Mit CFO Cornelis Vlasblom hat der Erotikhändler am heutigen Donnerstag die einzige Konstante im Vorstand mit sofortiger Wirkung abberufen. Darauf hätten sich Aufsichtsrat und Vorstand verständigt, teilte das seit Jahren im Krisen-Modus befindliche Unternehmen mit.

Hintergrund ist offenbar ein Zerwürfnis mit CEO Michael Specht, der erst im April zu Beate Uhse gestoßen war: Specht habe nach seiner Berufung das Finanzmanagement des Unternehmens analysiert und hier „deutliche Optimierungspotentiale“ festgestellt, teilte der Erotikhändler auf Anfrage von FINANCE mit. Diesbezüglich habe es innerhalb des Vorstands Differenzen gegeben, über die keine Einigkeit erzielt werden konnte.

In der knappen Mitteilung fehlt jegliche Dankesformel an CFO Vlasblom, der seit November 2013 für die Finanzen der Hamburger zuständig war und das Unternehmen zwischenzeitlich als Alleinvorstand führte.

Rochade im Vorstand von Beate Uhse geht weiter

CEO Specht ist nach der Abberufung von Vlasblom nun der neue starke Mann bei Beate Uhse. Er übernimmt zusätzlich das CFO-Amt und agiert als Alleinvorstand. Der frühere Starbucks-Deutschlandchef und Vorstand des Reiseveranstalters L‘Tur hat bereits seit seinem Antritt im April den Posten des Chief Operating Officer (COO) inne.

Sein Vorgänger Dennis van Allemeersch war im März mit dem Auslaufen seines Vertrags „in beiderseitigem Einvernehmen“ aus dem Unternehmen ausgeschieden, wie es von Beate Uhse hieß. Mit dem Ausscheiden von CFO Cornelis Vlasblom geht die ständige Rotation im Spitzengremium des schwer angeschlagenen Erotikhändlers nun in die nächste Runde.

Beate Uhse verschiebt Veröffentlichung des Geschäftsbericht

Die Unruhe macht sich auch nach außen bemerkbar: Wie das Unternehmen heute ebenfalls mitteilte, verzögert sich die Vorlage des Konzernabschlusses für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 erneut. Als Grund führte Beate Uhse „einzelne Prüfungsthemen“ heran, die zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen seien. Wann der Geschäftsbericht veröffentlicht wird, konnte das Unternehmen auf Nachfrage nicht sagen.

Bereits im April hatte Beate Uhse die Vorlage der Zahlen verschoben, „voraussichtlich auf Mai“, wie es damals hieß. Begründung: Der neue CEO Specht brauche ausreichend Zeit für die Prüfung des Zahlenwerks. Die naheliegende Frage, ob die Abberufung von CFO Vlasblom mit der erneuten Verschiebung des Geschäftsbericht zusammenhänge, wollte eine Sprecherin von Beate Uhse zunächst nicht beantworten.

Erotikhändler scheiterte mit Restrukturierung von Mittelstandsanleihe

Beate Uhse arbeitet seit Jahren am Rande der finanziellen Existenz: Die Verschuldung ist hoch, die liquiden Mittel gering, die Aktie ist längst ein Penny Stock. Eine geplante Restrukturierung der 30 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe war im vergangenen Sommer am Widerstand von investierten Debt-Fonds gescheitert. Daraufhin kündigte Beate Uhse an, die Zinsen nicht pünktlich zahlen zu können. Nur mit Hilfe eines Kredits eines unbekannten Dritten schaffte es Beate Uhse, den Kupon des bis 2019 laufenden Papiers zu bedienen.

Ein Deal mit dem Finanzamt Flensburg, der 3,2 Millionen Euro Eigenkapital in die Kasse spülte, sorgte zwar für eine moderate Entlastung. Doch auch das operative Geschäft läuft weiterhin nur schleppend, wie aus den vorläufigen Zahlen für 2016 hervorgeht, die das Unternehmen heute vorlegte: Zwar werden die Umsatzerlöse im oberen Bereich des Prognosekorridors von 105 bis 110,0 Millionen Euro liegen. 2015 hatte das Unternehmen allerdings noch knapp 130 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Zudem liegt das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im unteren Bereich des für 2016 in Aussicht gestellten Bereichs von minus 1 bis plus 2 Millionen Euro.

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Beate Uhse steckt in einer schweren Krise. Wie es dazu kam und warum die Restrukturierung der Mittelstandsanleihe scheiterte, das erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Beate Uhse.