Der Erotikkonzern Beate Uhse will seine Mittelstandsanleihe restrukturieren. Einige Debt-Fonds durchkreuzen jetzt die Pläne von CEO Kees Vlasblom.

Beate Uhse

29.06.16
Finanzabteilung

Debt-Fonds durchkreuzen Sanierungspläne von Beate Uhse

Die Restrukturierung des Mini-Bonds von Beate Uhse entwickelt sich zum Krimi. Der Plan des Managements ist vom Tisch. CFO Kees Vlasblom muss jetzt mit den verärgerten Gläubigern kooperieren.

Gegen die Restrukturierungspläne von Beate Uhse macht sich Widerstand breit. Wie der Erotikkonzern am heutigen Mittwoch bekanntgab, haben „wesentliche Anleihegläubiger“ angekündigt, der Verlängerung der Mittelstandsanleihe und der Reduzierung der Zinsen nicht zustimmen zu wollen.

Verschiedene Fonds, angeführt von dem Debt-Fonds Robus Capital, haben Gegenanträge gestellt. Die Folge: Auf der Gläubigerversammlung am 6. Juli werde über die ursprünglichen Vorschläge jetzt nicht abgestimmt, erklärt Beate Uhse.

Lehre aus Ekosem: Gläubiger opponieren gegen Beate Uhse

Beate Uhse hatte vorgeschlagen, die Laufzeit des 30 Millionen Euro schweren Bonds um fünf weitere Jahre zu verlängern. Die Anleihe läuft erst in drei Jahren aus. Die Zinsen sollten zudem deutlich reduziert werden. Beate Uhse wollte die Kuponzahlungen erst wieder anheben, wenn der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) über 8 Millionen Euro steigt. Derzeit steckt das Traditionsunternehmen in der Verlustzone.

Die Fonds stören sich besonders daran, dass CFO und Interims-CEO Kees Vlasblom ihre Vorstellungen nicht mit den Gläubigern abgestimmt haben, wie FINANCE aus Investorenkreisen erfuhr. Eine Restrukturierung der Anleihe in der vorgeschlagenen Form würde den Wert des Investments signifikant reduzieren, heißt es aus Investorenkreisen. Zudem wird befürchtet, dass der Bondkurs nach einer derartigen Restrukturierung deutlich einknicken würde.

Als Beispiel verweisen die rebellierenden Investoren auf den Fall Ekosem Agrar. Dort gelang es CFO Wolfgang Bläsi, die Laufzeit der beiden Ekosem-Papiere ohne Gegenleistung deutlich zu verlängern. Anschließend sackte der Kurs der Ekosem-Bonds auf 60 bis 70 Prozent des Nennwerts ab.

Die Ekosem-Transaktion hat am Markt Zweifel geschürt, ob Amend-and-Extend-Lösungen für angeschlagene Mini-Bonds das richtige Mittel sind. Jetzt bei Beate Uhse drängen verschiedene Investoren hinter den Kulissen darauf, dass auch andere Restrukturierungskonzepte erörtert werden, etwa die Zufuhr von frischem Eigenkapital, ein Haircut oder in letzter Konsequenz auch die Insolvenz. An Zugeständnissen kommt Vlasblom nun wohl kaum noch vorbei, will er die Insolvenz vermeiden. Die Verhandlungsatmosphäre ist jedoch nicht von Harmonie geprägt: „Beate Uhse hat versucht, billig davonzukommen“, ereiferte sich ein Beate-Uhse-Investor gegenüber FINANCE.

Beate Uhse hofft auf Zinsstundung

Nun formieren sich erst einmal die Fronten, die notwendige Restrukturierung stockt. Auf der Gläubigerversammlung in der kommenden Woche werden die Gläubiger nur noch über einen gemeinsamen Vertreter sowie über eine Zinsstundung und den vorübergehenden Ausschluss von Kündigungsrechten abstimmen.

Gelingt dies, dürfte unmittelbar danach das Feilschen um einen neuen Restrukturierungsplan beginnen, der den Bondholdern einen besseren Deal ermöglicht. Um diese Atempause zu bekommen, braucht das Beate-Uhse-Management jedoch ein Quorum von mindestens 25 Prozent. Nehmen weniger Anleihegläubiger an dem Event teil, droht die Zahlungsunfähigkeit.

Wenn die Zinsen gestundet werden, hätte CEO Vlasblom hingegen bis mindestens März 2017 Zeit, um gemeinsam mit den wichtigsten Gläubiger ein neues Restrukturierungskonzept zu entwerfen. Der gemeinsame Gläubigervertreter könnte diese Frist eigenmächtig sogar bis Ende Juni des kommenden Jahres verlängern, schreibt Beate Uhse in der Einladung zu der Gläubigerversammlung.

Klarheit, ob Beate Uhse überhaupt eine Zukunft hat, wird Ende Juli erwartet. Dann will das Beratungshaus Ernst & Young ein Sanierungsgutachten vorlegen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Mit der Restrukturierung des Mini-Bonds spitzt sich die Krise beim Erotikkonzern zu. Wie es dazu kam, erfahren Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Beate Uhse.

Beate Uhse ist nicht der einzige Mini-Bond-Emittent mit Problemen. Eine Übersicht über das schwer gebeutelte Marktsegment liefert die FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.