Brain muss sich einen neuen CFO suchen: Nach kaum mehr als einem Jahr im Amt will Frank Goebel das Biotechnologieunternehmen schon wieder verlassen.

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08.08.18
CFO

Brain-CFO Frank Goebel geht vorzeitig

Nach nur eineinhalb Jahren im Amt will CFO Frank Goebel das Biotechnologieunternehmen Brain schon wieder verlassen. Das Wachstum des börsennotierten Konzerns ist zuletzt ins Stocken geraten.

Das Biotechnologieunternehmen Brain muss sich einen neuen CFO suchen: Finanzchef Frank Goebel hat um die vorzeitige Aufhebung seines Vertrags gebeten, gab der börsennotierte Konzern bekannt. Goebels Vertrag wäre noch bis Oktober 2019 gelaufen.

Wie Brain schreibt, will sich Goebel zukünftig stärker um die Familie kümmern und vor diesem Hintergrund mittelfristig den Wohnort wechseln. Die Südhessen haben sich auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht und hoffen, bis Jahresende einen neuen CFO gefunden zu haben. Bis dahin bleibt Goebel Finanzchef.

Aktuell besteht der Brain-Vorstand nur aus zwei Mitgliedern, zu denen neben Goebel noch CEO Jürgen Eck zählt. Eck ist seit 2015 Vorstandsvorsitzender, zuvor war er viele Jahre CFO des Unternehmens. Im Aufsichtsrat sitzt aber auch der erfahrene Georg Kellinghusen, der in seiner Karriere unter anderem CFO von Alno und Keiper Recaro war. Um das junge Unternehmen an die Börse zu führen, war Kellinghusen für kurze Zeit auch Finanzchef bei Brain. Der Börsengang spülte 31,5 Millionen Euro in die Unternehmenskasse.

CFO Frank Goebel war zuvor M&A-Chef

Sein Nachfolger Goebel wird sein Amt kaum länger ausüben als der damalige Interims-CFO Kellinghusen. Er wurde erst im März 2017 zum Finanzchef berufen, nachdem der damals 70-jährige Georg Kellinghusen altersbedingt ausschied. Vor seiner Berufung in den Brain-Vorstand leitete Frank Goebel seit 2015 die Tochtergesellschaft Brain Capital, über die das südhessische Unternehmen seine M&A-Aktivitäten steuert. Davor arbeitete der Betriebswirt viele Jahre bei der Royal Bank of Scotland, unter anderem als Director Restructuring und als Investment Director.

Brain hatte den Corporate-Finance-Spezialisten in den Vorstand geholt, um seine M&A-Strategie weiter zu forcieren. Noch als Leiter von Brain Capital hatte Goebel fünf Unternehmen hinzugekauft. In seiner Amtszeit als CFO übernahm Brain außerdem die Mehrheit an dem Spezial-Enzyme-Produzenten Biocatalysts und stärkte so den wichtigen Geschäftsbereich Bio Industrial. Dieser soll die tragende Säule des Unternehmenswachstums sein, hatte CFO Kellinghusen vor dem IPO in einem Interview mit FINANCE erklärt. 

Frank Goebel, Brain AG

Frank Goebel startet seine berufliche Laufbahn als Controller bei dem Schleifmittelhersteller Hermes und arbeitet anschließend im Familienunternehmen IPS Handels GmbH als Executive Assistant des Managements.

In den Jahren 1999 bis Anfang 2015 arbeitet Frank Goebel im Banking, speziell im Bereich für Strukturierte Finanzierungen. 2004 wechselt er zur Royal Bank of Scotland, für die er von Frankfurt und London aus tätig ist und unter anderem Leveraged-Buy-out-Finanzierungen arrangiert und strukturiert. Später wechselt er in das Restrukturierungsteam der RBS, wo er ab 2008 als Director Restructuring agiert und ab 2010 als Investment Director europaweit insbesondere Debt-to-Equity-Transaktionen begleitet.

Im Februar 2015 übernimmt Goebel die Geschäftsführung von Brain Capital, einer Tochtergesellschaft des Biotechnologie-Unternehmens Brain aus Zwingenberg, bevor er im Herbst 2016 zum Vorstand und im März 2017 zum Finanzchef des börsennotierten Biotech-Unternehmens Brain berufen wird. Im August 2018 wird bekannt, dass Goebel seinen Vertrag bei Brain vorzeitig aufheben möchte. Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt er noch CFO.

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Umsätze von Brain kommen nicht in Schwung

Die Forcierung des M&A-Kurses ist für Brain auch deshalb zentral, weil das Unternehmen nach wie vor keine Gewinne schreibt – die Börsenstory stützt sich auf schnell wachsende Umsätze. Zuletzt ist dieses Wachstum aber ins Stocken geraten: Im ersten Halbjahr 2018 ist die Gesamtleistung (Umsatzerlöse samt Bestandsveränderungen und sonstigen Erträgen) verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 12,3 Millionen Euro eingebrochen.

Im Zuge dessen stieg der bereinigte Konzernverlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,9 auf 3,6 Millionen Euro an. Während sich im erklärten Zukunftssegment Bio Industrial die Gesamtleistung leicht auf 6,8 Millionen Euro verbesserte, gab es im zweiten Segment Bio Science einen starken Einbruch um 18 Prozent auf 5,6 Millionen Euro. CEO Jürgen Eck zeigt sich trotzdem optimistisch und geht nach wie vor von einem zweistelligen Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2017/18 aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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