Ceconomy findet mit Karin Sonnenmoser eine neue Finanzchefin.

Zumtobel

31.01.19
CFO

Ceconomy holt Ex-Zumtobel-CFO Karin Sonnenmoser

Der Feuerwehreinsatz des früheren Lanxess-CFOs Bernhard Düttmann bei Ceconomy endet Anfang März: Der Elektronikhändler hat mit Karin Sonnenmoser eine neue Finanzchefin gefunden. Auf sie wartet eine schwierige Aufgabe.

Knapp vier Monate nach dem personellen Kehraus bei Ceconomy haben die Düsseldorfer wieder eine reguläre Führungsspitze benannt: Der frühere Chef der Werkstattkette A.T.U, Jörn Werner, wird ab Anfang März den CEO-Posten bei Ceconomy übernehmen. Neue Finanzchefin wird Karin Sonnenmoser.

Die 49-Jährige löst damit den früheren Lanxess-CFO Bernhard Düttmann ab, der das Finanzressort des Elektronikhändlers seit Anfang des Jahres interimistisch leitet. Düttmann sitzt seit einiger Zeit im Aufsichtsrat der Media-Saturn-Mutter und war kurzfristig eingesprungen, nachdem der damalige CFO Mark Frese sein Amt früher niedergelegt hatte als ursprünglich geplant.

Dass Frese die Düsseldorfer verlassen würde, war bereits seit Oktober klar. Damals hatte der SDax-Konzern seine Investoren innerhalb weniger Wochen mit zwei Gewinnwarnungen geschockt. Zunächst war jedoch geplant, dass Frese bleibt, bis Ceconomy den CFO-Posten neu besetzt hat. Ceconomy-Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen wollte das Machtvakuum an der Spitze nicht zu groß werden lassen, schließlich hatte auch Konzernchef Pieter Haas im Oktober seinen Hut nehmen müssen.

Karin Sonnenmoser verließ Zumtobel nach Machtkampf

Mit Karin Sonnenmoser hat der SDax-Konzern nun eine neue Finanzchefin gefunden. Sie war zuletzt CFO des Leuchtenherstellers Zumtobel, hatte die Österreicher jedoch nach einem monatelangen Machtkampf zwischen Vorstand und Teilen des Aufsichtsrates im vergangenen März verlassen.

Hintergrund war ein Zerwürfnis mit der Gründerfamilie: Zahlreiche Zumtobel-Führungskräfte hatten die Zumtobel-Familie kritisiert, weil sie sich zu stark ins Tagesgeschäft einmische, obwohl sie nur noch Drittel des börsennotierten Konzerns hält. Zumtobel-CEO Ulrich Schumacher und später auch seine Finanzchefin Sonnenmoser verließen das Unternehmen schließlich. Sonnenmosers eigentlich bis 2020 laufender Vertrag sei im „gegenseitigen Einverständnis“ um zwei Jahre verkürzt worden, hieß es damals.

Die 49-Jährige war seit 2014 Finanzchefin bei Zumtobel, zuvor war sie viele Jahre im Volkswagen-Konzern tätig. Zuletzt hatte Sonnenmoser – ebenso wie der neue Ceconomy-Chef Werner – lediglich Aufsichtsratsposten inne, so dass beide nun recht kurzfristig für den Vorstand des Elektronikhändlers zur Verfügung stehen.

Ceconomy hat Vertrauen am Kapitalmarkt verspielt

Dass sich die neue Führungsspitze von Ceconomy schnell findet, ist auch dringend notwendig. Denn der Elektronikhändler steht unter massivem Druck: Im Geschäftsjahr 2017/2018 ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 494 Millionen Euro auf 399 Millionen Euro eingebrochen. Selbst wenn man die Ergebnisbeiträge des 2017 getätigten Zukaufs Fnac Darty in Höhe von 21 Millionen Euro berücksichtigt, ist der Trend klar negativ.

Zumindest kurzfristig rechnen die Düsseldorfer auch nicht mit Verbesserungen: Der Umsatz werde im Geschäftsjahr 2018/2019 nur leicht wachsen, das Ebit sogar voraussichtlich leicht zurückgehen, prognostizierte Ceconomy im Dezember. 2019 werde ein Jahr des Umbruchs.

FINANCE-Köpfe

Dr. Bernhard Düttmann, Ceconomy AG

Von 1986 bis 1988 arbeitet Düttmann als Assistent des Lehrstuhls für Industriebetriebslehre und industrielle Organisation an der Universität Hamburg. Zwischen 1989 und 1991 ist er Länderreferent im Controlling der Tochtergesellschaften von Beiersdorf. Die folgenden drei Jahre arbeitet er zunächst als regionaler Vertriebsleiter, dann als internationaler Produktmanager im Geschäftsbereich tesa Consumer. 1994 bis 1999 ist er Vice President für Finance und Controlling bei der Tochtergesellschaft Four-Pillar Beiersdorf in Singapur.

1999 kehrt er nach Deutschland zurück und übernimmt die Controlling-Verantwortung für das globale tesa-Geschäft. Zwei Jahre später, im März 2001, wird Düttmann Finanzchef von tesa. 2005 übernimmter zusätzlich die Verantwortung für den Geschäftsbereich tesa Consumer.

2006 wird er dann als CFO in den Vorstand von Beiersdorf berufen mit der Verantwortung für Finanzen und IT sowie die Region Lateinamerika. In 2010 übernimmt er zusätzlich das Ressort Personal sowie anstelle von Lateinamerika die Region Middle East, Afrika und die Türkei.

Von Beiersdorf wechselt Düttmann zum Chemiekonzern Lanxess, wo er am 1. April 2011 sein Amt als CFO antritt. Nachdem im Frühjahr 2014 CEO Axel Heitmann Lanxess überraschend verlässt, übernimmt Düttmann interimistisch bis April 2014 die Leitung des Konzerns. Im Juli 2017 heuert Düttmann für wenige Monate als Interims-CFO beim Bad-Vilbeler Arzneimittelkonzern Stada an. Im Januar 2019 wird der Manager Interims-Finanzchef des Elektronikfachhändlers Ceconomy, wo er zuvor als Aufsichtsrat agierte. Der Feuerwehreinsatz endet Anfang März.

Der zweite Noteinsatz Düttmanns sollte nicht lange auf sich warten lassen: Nach einem internen Machtkampf zwischen CEO Jörn Werner und Media-Saturn-Holding-CEO Ferran Reverter musste Werner den Konzern verlassen. Düttmann wurde daraufhin zum CEO berufen.

zum Profil

Diesen Umbruch sollen nun CEO Werner, der vor seiner Zeit bei A.T.U bereits die strategische Neuausrichtung der Elektronik-Handelskette Conrad verantwortete, und CFO Sonnenmoser gestalten. Während Werner vor allem seine Expertise bei der digitalen Transformation von Ceconomy einbringen soll, ist Finanzchefin Sonnenmoser in Sachen Investorenkommunikation und Controlling gefragt.

„Eine der wesentlichen Aufgaben der kommenden Monate wird es sein, die finanzielle Steuerung des Unternehmens weiter zu optimieren und verloren gegangenes Vertrauen, nicht zuletzt im Kapitalmarkt, wiederaufzubauen“, sagte die neue CFO.

Die ersten Signale des Marktes waren positiv, die Ceconomy-Investoren begrüßten die Benennung der neuen Führungsspitze: Nachdem die Aktie des SDax-Konzern im vergangenen Jahr 75 Prozent an Wert verlor, kletterte sie am heutigen Vormittag um 2,5 Prozent auf 4,10 Euro.

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