Bernhard Düttmann war in seiner Karriere CFO von Beiersdorf, Lanxess und Stada. Jetzt übernimmt er bei dem Elektronikhändler Ceconomy das Ruder.

Lanxess

19.12.18
CFO

Ex-Lanxess-CFO Düttmann springt bei Ceconomy ein

Ceconomy hat seine Führungsprobleme noch nicht gelöst: Finanzchef Mark Frese geht, ohne dass ein Nachfolger gefunden ist. Ex-Lanxess-CFO Bernhard Düttmann springt nun in die Bresche – allerdings nur übergangsweise.

Ceconomy setzt auf eine Übergangslösung auf der CFO-Position: Wie der Elektronikfachhändler mitteilt, soll der frühere Lanxess-CFO Bernhard Düttmann den Finanzchef-Posten Anfang 2019 interimistisch von Mark Frese übernehmen. Frese habe den Aufsichtsrat des Media-Saturn-Eigners gebeten, sein Amt Ende des Jahres niederlegen zu dürfen.

Dass Frese gehen wird, ist bereits seit Oktober bekannt. Damals hieß es jedoch, Frese bleibe im Amt, bis ein Nachfolger gefunden sei. Die Suche nach einem langfristigen CFO läuft jedoch immer noch, wie Ceconomy in der Mitteilung schreibt.

Nun springt deshalb der erfahrene Finanzexperte Bernhard Düttmann ein. Er war unter anderem CFO des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf und des Chemiekonzerns Lanxess. Zuletzt hat er interimistisch die Finanzen des Arzneimittelherstellers Stada verantwortet, der sich seinerzeit in einem Übernahmekampf mit den Finanzinvestoren Bain und Cinven befand. Neu-CFO Düttmann kennt Ceconomy zudem sehr gut: Er sitzt im Aufsichtsrat des Konzerns.

Ceconomy startet neues Jahr ohne CEO

Ins neue Geschäftsjahr geht Ceconomy somit jedoch ohne zwei Schlüsselpositionen langfristig besetzt zu haben. Denn das Unternehmen sucht nicht nur einen neuen CFO, sondern seit Mitte Oktober auch einen CEO-Nachfolger. Nachdem die Düsseldorfer ihre Aktionäre mit zwei Gewinnwarnungen binnen weniger Wochen schockiert hatten, war eine personelle Neuaufstellung im Vorstand beschlossen worden. Konzernchef Pieter Haas musste seinen Hut nehmen.

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Dr. Bernhard Düttmann, Ceconomy AG

Von 1986 bis 1988 arbeitet Düttmann als Assistent des Lehrstuhls für Industriebetriebslehre und industrielle Organisation an der Universität Hamburg. Zwischen 1989 und 1991 ist er Länderreferent im Controlling der Tochtergesellschaften von Beiersdorf. Die folgenden drei Jahre arbeitet er zunächst als regionaler Vertriebsleiter, dann als internationaler Produktmanager im Geschäftsbereich tesa Consumer. 1994 bis 1999 ist er Vice President für Finance und Controlling bei der Tochtergesellschaft Four-Pillar Beiersdorf in Singapur.

1999 kehrt er nach Deutschland zurück und übernimmt die Controlling-Verantwortung für das globale tesa-Geschäft. Zwei Jahre später, im März 2001, wird Düttmann Finanzchef von tesa. 2005 übernimmter zusätzlich die Verantwortung für den Geschäftsbereich tesa Consumer.

2006 wird er dann als CFO in den Vorstand von Beiersdorf berufen mit der Verantwortung für Finanzen und IT sowie die Region Lateinamerika. In 2010 übernimmt er zusätzlich das Ressort Personal sowie anstelle von Lateinamerika die Region Middle East, Afrika und die Türkei.

Von Beiersdorf wechselt Düttmann zum Chemiekonzern Lanxess, wo er am 1. April 2011 sein Amt als CFO antritt. Nachdem im Frühjahr 2014 CEO Axel Heitmann Lanxess überraschend verlässt, übernimmt Düttmann interimistisch bis April 2014 die Leitung des Konzerns. Im Juli 2017 heuert Düttmann für wenige Monate als Interims-CFO beim Bad-Vilbeler Arzneimittelkonzern Stada an. Im Januar 2019 wird der Manager Interims-Finanzchef des Elektronikfachhändlers Ceconomy, wo er zuvor als Aufsichtsrat agierte. Der Feuerwehreinsatz endet Anfang März.

Der zweite Noteinsatz Düttmanns sollte nicht lange auf sich warten lassen: Nach einem internen Machtkampf zwischen CEO Jörn Werner und Media-Saturn-Holding-CEO Ferran Reverter musste Werner den Konzern verlassen. Düttmann wurde daraufhin zum CEO berufen.

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Ceconomy ist dringend auf gutes Management angewiesen, denn bei dem Unternehmen läuft es nicht rund: Der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2017/2018 um 0,9 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro zurückgegangen, teilte der Konzern am heutigen Mittwoch mit. Speziell der stationäre Handel stellt die Media-Saturn-Mutter vor erhebliche Probleme. Die Online-Umsätze sind dagegen um 13 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen und machen jetzt rund 12 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Auch die Profitabilität steht unter Druck: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) – ohne Berücksichtigung der Ergebnisbeiträge des 2017 getätigten Zukaufs Fnac Darty in Höhe von 21 Millionen Euro – ist im vergangenen Geschäftsjahr von 494 Millionen Euro auf 399 Millionen Euro eingebrochen.

Eine Dividende wird es in diesem Jahr deshalb nicht geben. Dafür fehle „eine sinnvolle Basis“, teilt das Unternehmen mit. Das Eigenkapital soll dafür verwendet werden, die Transformation im Unternehmen so schnell wie möglich voranzutreiben. 

Ceconomy stimmt Aktionäre auf schwieriges Jahr ein

Interims-CFO Düttmann soll gemeinsam mit Compliance-Vorstand Dieter Haag Molkenteller einen bereits definierten Maßnahmenkatalog umsetzen. Ceconomy will den Ausbau der Multichannel- und Service-Angebote beschleunigen und die Kosten reduzieren, um Mittel für Investitionen in die IT und Logistik freizusetzen. Zudem möchte der SDax-Konzern seine Organisationsstruktur vereinfachen.

Die Maßnahmen werden jedoch Zeit brauchen, um zu greifen. Ceconomy stimmt seine Aktionäre deshalb auf schwierige Monate ein, 2018/2019 werde ein „Jahr des Umbruchs“, heißt es in der Mitteilung. Der Elektronikhändler rechnet nur mit leichtem Umsatzwachstum, das Ebit werde voraussichtlich leicht zurückgehen.

In den Prognosen nicht enthalten sind Ergebnisbeiträge durch Fnac Darty, die vermutlich im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen werden. Allerdings sind auch potentielle Kosten, die durch die Neuausrichtung entstehen können, noch nicht inbegriffen. Ebenso seien Kosten, die durch die Führungswechsel im Top-Management entstehen, nicht in den Zahlen berücksichtigt, schreibt Ceconomy.

Ceconomy-Aktie verliert 2018 drei Viertel an Wert

Auf die neuesten Entwicklungen reagieren die Ceconomy-Aktionäre verstimmt. Die Aktie fiel am Mittwochvormittag im Vergleich zum Vortag um fast 15 Prozent auf 3,02 Euro – ein neues Allzeittief. Die Ceconomy-Wertpapiere haben somit seit Jahresbeginn satte 73 Prozent an Wert verloren. Am 1. Januar 2018 notierte die Aktie noch bei fast 12 Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Beiersdorf, Lanxess, Stada: Mehr zu den Karrierestationen des neuen Ceconomy-CFOs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Bernhard Düttmann.