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CFO Hessenberger verlässt Varta

Vartas bisheriger CFO Armin Hessenberger verlässt überraschend das Unternehmen. Foto: doganmesut - stock.adobe.com
Vartas bisheriger CFO Armin Hessenberger verlässt überraschend das Unternehmen. Foto: doganmesut - stock.adobe.com

Der kriselnde Batteriehersteller Varta bekommt einen neuen CFO. Thomas Obendrauf ist vom Aufsichtsrat zum weiteren Vorstandsmitglied berufen worden und soll zum 1. Mai Armin Hessenberger als Finanzvorstand ablösen. Hessenberger wolle sich beruflich neu orientieren, werde den Vorstand nach seinem Ausscheiden aber bis zum Jahresende als Berater unterstützen, teilt Varta mit.

Der Weggang Hessenbergers kommt überraschend, da Varta seinen Vertrag erst vorigen August um zwei Jahre verlängert hatte. Hessenberger war im Oktober 2020 von der Schweizer Industriegruppe Montana Tech Components zu Varta gewechselt. Im Januar 2021 rückte er als CFO in den Vorstand des Ellwangener Batterieherstellers auf.

Neuer Varta-CFO Obendrauf bringt viel Erfahrung mit

„Armin Hessenberger hat als Finanzvorstand das starke Wachstum der Varta im Bereich der Lithium-Ionen-Zellen und die Stärkung der Marktposition im Bereich Energy Storage in den vergangenen Jahren maßgeblich begleitet. Im aktuell durch die Folgen des Kriegs gegen die Ukraine herausfordernden Marktumfeld stellte er die Weichen für die Zukunft unseres Unternehmens“, lässt sich Vartas Aufsichtsratsvorsitzender Michael Tojner in einer Mitteilung zitieren – und wünscht Hessenberger für die berufliche Zukunft viel Erfolg.

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Vartas neuer CFO Thomas Obendrauf steht vor großen Herausforderungen. Foto: Varta AG

Hessenbergers Nachfolger Obendrauf kommt vom österreichischen Faserhersteller Lenzing. Dort war er von März 2016 bis Juni 2022 CFO und verließ das Unternehmen damals auf eigenen Wunsch. Davor hatte der 52-jährige Manager den CFO-Posten bei dem Leiterplattenhersteller AT&S inne.

„Seine Expertise gerade im Bereich Effizienzsteigerung und Kostenreduktion macht ihn zum idealen Nachfolger für Armin Hessenberger, um dessen Erfolgskurs bei der Neuausrichtung unserer Geschäftsbereiche und bei den angelaufenen Kosteneinsparungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen fortführen zu können“, betont Varta-CEO Markus Hackstein.

Varta musste 2022 zweimal die Prognose kassieren

Obendrauf weist mehr als 15 Jahre Vorstandserfahrung auf. Die wird er für seine neue Aufgabe brauchen können, denn der einstige Börsenliebling hat ein turbulentes Jahr hinter sich: Ende September musste der Batteriehersteller einen CEO-Wechsel verkraften. Zudem steht das Unternehmen derzeit grundsätzlich vor großen Herausforderungen.

Gleichmal zweimal musste Varta im vergangenen Jahr seine Prognose nach unten korrigieren. Der Aktienkurs brach massiv ein von mehr als 110 Euro Anfang Januar 2022 auf aktuell nur 26 Euro. Die Aktie notiert damit nur noch knapp über dem Ausgabekurs von 17,50 Euro. Neben den gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe drücken aber auch hausgemachte Probleme auf den Umsatz.

Jahrelang profitierte Varta davon, dass Apple die Knopfzellen des Batterieherstellers exklusiv in seinen Kopfhörern nutzte, doch beim neusten Modell haben die Ellwangener ihre Monopolstellung verloren. Auch Samsung soll Apple nun beliefern. Infolgedessen erwartet Varta für das Geschäftsjahr 2021 einen Umsatzrückgang um rund 100 Millionen Euro – von 902,9 Millionen Euro auf voraussichtlich 805 bis 820 Millionen Euro.

„Superbatterie“ bleibt hinter Erwartungen zurück

Mit dem Umsatzrückgang im Nacken meldete Varta Mitte November Kurzarbeit am Produktionsstandort Nördlingen an und startete ein umfassendes Paket zur Kosteneinsparung. Ende September legte der damalige CEO Herbert Schein sein Amt nieder, um künftig das Geschäft mit E-Mobility und Batterypacks in einer eigenen Varta-Gesellschaft vorantreiben zu können. Markus Hackstein übernahm als CEO.

Ein weiteres Problem stellt der nur schleppend vorangehende Umstieg auf die Produktion von Antriebsbatterien für Elektroautos dar. Varta setzt große Hoffnungen auf seine neue „Superbatterie“ V4Drive, die in leistungsstarken Werkzeugen wie Bohrhammer verbaut werden kann und Autos bei der Beschleunigung dient. In einer späteren Ausbaustufe soll sie auch als Hauptantriebsbatterie eingesetzt werden können. Die Lithium-Ionen-Rundzelle soll in sechs Minuten aufgeladen werden können. Selbst bei niedrigen Temperaturen soll sie leistungsfähig bleiben.  

Varta musste Bau für Batteriefabrik verschieben

Doch die Autobauer zögern bislang mit Aufträgen. Nur mit Porsche soll es bisher angeblich eine Liefervereinbarung geben. Ab Ende dieses Jahres soll die Serienproduktion starten. Doch ein Kunde wird nicht reichen, mehr Autohersteller müssen als Kunden gewonnen werden. Den Bau einer Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus musste Varta aus Kostengründen verschieben.  

Ende September 2022 besaß Varta noch Zahlungsmittel in Höhe von 32 Millionen Euro, während die Schulden bei rund 900 Millionen Euro lagen. Pikant: In den vergangenen zwei Jahren wurden jeweils 100 Millionen Euro an Dividenden ausbezahlt. Hauptaktionär mit knapp über 50 Prozent der Aktien ist die Montana Tech Components, deren Mehrheitsaktionär Vartas Aufsichtsratsvorsitzender Michael Tojner ist.

Für das kommende Geschäftsjahr hofft der Batteriehersteller, einen Umsatz von 850 bis 880 Millionen bei einem bereinigten Ebitda von 90 bis 110 Millionen Euro zu erwirtschaften.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.