Scalable Capital

15.09.20
CFO

Ex-ING-Firmenkundenchef wird CFO bei Scalable Capital

Der frühere Firmenkundenchef der ING Deutschland, Martin Krebs, heuert als CFO bei Scalable Capital an. Bereitet sich das Fintech damit auf einen IPO vor?

Martin Krebs ist zurück im operativen Geschäft: Der 52-jährige frühere Firmenkundenvorstand der ING in Deutschland (damals ING Diba) wird CFO des Münchner Robo Advisors Scalable Capital. Am heutigen Dienstag ist der erste Arbeitstag von Krebs, wie das Fintech mitteilte.

Krebs hatte die ING im März 2019  nach 16 Jahren verlassen. Bei der niederländischen Großbank war er zuletzt als Global Head Retail Investment Products für den Ausbau des Anlagegeschäfts in 13 Privatkundenmärkten zuständig. Mit seinem neuen Arbeitgeber Scalable kam Krebs auch schon zu seiner ING-Zeit in Berührung: Sein Team gab damals unter anderem den Anstoß für die Partnerschaft der ING Deutschland mit Scalable Capital. Allerdings soll Krebs der FAZ zufolge mit seinen Plänen, die Partnerschaft mit dem digitalen Vermögensverwalter auf weitere Länder auszuweiten, nicht bei der ING-Führung durchgedrungen sein.

Krebs ergänzt als CFO die Scalable-Führung

Nach seinem Abgang bei der ING war Krebs unter anderem als Aufsichtsrat des M-Dax-Unternehmens Hypoport tätig – eine Tätigkeit, die er auch als Finanzvorstand von Scalable Capital fortführen will. Bei dem Fintech wird Krebs nun gemeinsam mit den beiden Gründen Florian Prucker und Erik Podzuweit die Geschäftsführung bilden. „Scalable Capital gehört für mich zu den spannendsten Fintechs in Europa. Ich freue mich darauf, die Erfolgsgeschichte mit fortzuschreiben“, kommentiert Krebs seinen Einstieg.

Von seinen Geschäftsführerkollegen erhält der Ex-Banker Vorschusslorbeeren: „Martin kennt die Finanzwelt wie seine Westentasche und er hat schon Fintech gemacht, als es den Begriff noch gar nicht gab. Ich könnte mir kaum einen besseren Manager für Scalable vorstellen“, lobt Podzuweit den neuen CFO.

Krebs kommt aus dem Investmentbanking

Die drei Geschäftsführer kennen sich aus der ING-Zeit von Krebs‘ gut, sie haben zudem auch eine ähnliche Vita. Wie Krebs‘ begannen auch Prucker und Podzuweit ihre Karriere bei Goldman Sachs – allerdings heuerten die Scalable-Gründer erst nach Krebs‘ Abgang bei der Investmentbank dort an. Krebs hatte 1991 seine Karriere bei Goldman Sachs begonnen und beriet mehr als zehn Jahre Finanzdienstleister bei Kapitalmarkttransaktionen und Unternehmensübernahmen. Nach einer Station bei JP Morgan wechselte er schließlich 2003 zur ING.

Dort war er ab 2006 als Vorstand der deutschen Tochtergesellschaft ING Diba tätig und verantwortete unter anderem den Ausbau des deutschen Firmenkundengeschäfts. Diese Rolle gab der vierfache Familienvater allerdings 2016 ab, er wechselte damals zur niederländischen Mutter ins Privatkundengeschäft. Als Firmenkundenvorstand folgte auf ihn damals der frühere RBS-Banker Joachim von Schorlemer, den die ING Deutschland gerade zum Vizechef befördert hat.

„Ich könnte mir kaum einen besseren Manager für Scalable vorstellen.“

Erik Podzuweit, Mitgründer und Geschäftsführer Scalable

Bereitet Scalable einen IPO vor?

Scalable Capital hat mit Krebs erstmals einen CFO verpflichtet. Bisher gab es lediglich eine Head of Finance, die an die beiden Geschäftsführer Prucker und Podzuweit berichtete, wie eine Sprecherin von Scalable auf Anfrage von FINANCE erklärte. Zu den Spekulationen, das Fintech bereite sich mit Verpflichtung von Krebs auf einen Börsengang vor, wollte sie sich nicht äußern.

Klar ist: Das 2014 gegründete Fintech verwaltet inzwischen mehr als 2 Milliarden Euro. Neben der ING sind auch Siemens, Barclays und Santander Kooperationspartner, der größte Vermögensverwalter der Welt – Blackrock – zählt zu den Miteigentümern. Gerade erst hat Scalable Capital im Zuge der Finanzierungsrunde D 50 Millionen Euro neues Eigenkapital erhalten. Entsprechend dürfte ein Börsengang eher ein mittelfristiges Ziel sein. Krebs‘ Vita als Investmentbanker würde jedenfalls gut zu solchen Plänen passen.

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de