Ein letztes Mal Jahresabschluss heißt es bald für Peter Zattler. Der langjährige CFO des schon mehr als 170 Jahre alten Sicherheitstechnologiekonzerns Giesecke+Devrient (G+D) wird nach dem Jahresabschluss für 2023 planmäßig im Mai 2024 in den Ruhestand treten. Der 65-Jährige blickt auf eine lange Amtszeit seit 2001 zurück. Als Finanzchef verantwortet er die Bereiche Controlling, Treasury, Business Accounting und Steuern. Seit 2006 war er zudem für den Personalbereich zuständig. Vor seiner Tätigkeit bei G+D war er über 13 Jahre bei Daimler angestellt und in verschiedenen Managementpositionen in der Finanzabteilung aktiv.
Peter Zattler blickt auf projektreiche Jahre zurück. So hatte er etwa im Juli 2018 den Debütschuldschein von Giesecke+Devrient platziert. Insgesamt sammelte er 200 Millionen Euro für den Konzern ein. Ursprünglich wollte der Finanzchef nur 75 bis 100 Millionen Euro platzieren. Da das Orderbuch aber bei über 300 Millionen lag, entschied sich Zattler, angesichts des kommenden Finanzierungsbedarfs von Giesecke+Devrient das Volumen aufzustocken.
Viele Projekte für G+D CFO Peter Zattler
Der Schritt hat sich ausgezahlt, G+D hat sich nach eigener Aussage zu einem weltweit führenden Hersteller von Banknoten und Technik für Bargeldmanagement und elektronische Bezahlmethoden entwickelt. Zu seinen Kunden gehören nach Firmenangaben nicht nur 150 Zentralbanken, auch Apple und Samsung vertrauen auf das Münchner Traditionsunternehmen.
Unter der Ägide Zattlers war G+D in den vergangenen Jahren auch rege am M&A-Markt aktiv: 2022 erwarb G+D das Nordamerika-Geschäft von Valid im Bereich Smartcards für Payment und Identity Solutions. Darüber hinaus baute Zattler die Beteiligung am Branchenkollegen Netcetera weiter aus, um ihr Wachstum mit digitalen Payment-Lösungen zu beschleunigen.
„Die G+D-Gemeinschaft ist Peter Zattler für sein außergewöhnliches und langjähriges Engagement sehr dankbar. Er hat die Finanzen des Konzerns über mehr als 22 Jahre mit Umsicht verantwortet und stark zum Erfolg von G+D beigetragen. Dafür gebührt ihm großer Dank“, sagte G+D-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Josef Lutz.
Nachfolger Thyen seit 2010 bei G+D
In den kommenden Monaten findet nun die Übergabe aller Verantwortungsbereiche statt. Während CEO Ralf Wintergerst künftig die Personalverantwortung übernimmt, ist
bereits ein Nachfolger für Zattler installiert: Der neue CFO Jan Thyen ist bereits mit dem Münchner Unternehmen vertraut. Er ist 2010 als Head of M&A bei Giesecke + Devrient eingestiegen.
Zwischen 2017 und 2021 war er als CFO der G+D Tochter G+D Mobile Security tätig. Seither verantwortet er als Head of Strategy, Corporate Development and M&A die Strategie des Familienunternehmens.

Thyen übernimmt den CFO-Posten nach einem Rekordjahr: Im vergangenen Geschäftsjahr hat G+D den Umsatz um 6 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gesteigert, der höchste Umsatz der Konzerngeschichte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 168 Millionen Euro, womit G+D das Vorjahresergebnis erneut steigern konnte. Die Auftragslage wuchs um satte 20 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro und mit 81 Millionen Euro ist der Jahresüberschuss nahezu genauso hoch wie im Geschäftsjahr 2021.
Großer Generationswechsel bei G+D
Die Staffelübergabe im Finanzvorstand ist eingebettet in einen Generationenwechsel in Gesellschafterkreis, Aufsichtsrat und Beirat. Im Eigentümerkreis wird die 74-Jährige Verena von Mitschke-Collande nach mehreren Jahrzehnten der Gremienarbeit Anfang April 2024 ihre Funktionen in Aufsichtsrat und Beirat an ihren Sohn Marian von Mitschke-Collande (43) übergeben.
Ebenfalls zum Mai 2024 wird das Gremium Gabriel von Mitschke-Collande als erstmaliger Group Chief Digital Officer (CDO) in die Geschäftsführung der über 12.600 Mitarbeiter starken G+D Group berufen. Beide Söhne entstammen der sechsten Generation der Unternehmerfamilie.
Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
