Ingrid Jägering wird neue Finanzchefin des Automobilzulieferers Leoni. CEO Aldo Kamper ist für sie ein alter Bekannter.

LEONI AG

22.05.19
CFO

Ingrid Jägering wird CFO bei Leoni

Leoni hat mit Ingrid Jägering eine neue Finanzchefin gefunden. Die großen Herausforderungen bei dem kriselnden Autozulieferer wird sie mit einem bekannten Begleiter angehen.

Ingrid Jägering wird neue Finanzchefin bei dem Automobilzulieferer Leoni, der im ersten Quartal tief in die roten Zahlen rutschte und sich seit Monaten in unruhigem Fahrwasser befindet. Die neue CFO soll spätestens zum 1. Oktober anfangen, derzeit liefen jedoch Gespräche über einen früheren Arbeitseinstieg, teilt der Konzern mit.

Mit Jägering holt Leoni den zweiten Top-Manager vom Lichtkonzern Osram. Leoni-CEO Aldo Kamper und Jägering sind bereits ein eingespieltes Team. Sie haben bei der Halbleitersparte von Osram, Opto Semiconductors, zusammengearbeitet, wo sie derzeit noch die Finanzen verantwortet. Der Leoni-CEO hatte seit 2010 die Geschäfte dieser Sparte geführt, die nach dem Automotive-Bereich die zweitgrößte bei Osram ist.

Jägering war vor ihrer Zeit bei Osram rund vier Jahre als Geschäftsführerin und CFO verschiedener Geschäftsbereiche bei dem Großmotorenbauer Man Diesel & Turbo tätig. Ihre Karriere startete sie bei Siemens und hatte dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland inne, unter anderem als CFO der Wind Power Division bei Siemens Wind Power in Dänemark.

Herausfordernde CFO-Aufgaben bei Leoni

Bei Leoni wird sie die Bereiche Accounting, Treasury, Controlling, Risk Management und Internal Audit leiten. Sie löst damit Aldo Kamper ab, der interimistisch die Finanzen übernommen hatte. Er musste als CFO einspringen, als nach mehreren verfehlten Prognosen der damalige Finanzchef Karl Gadesmann das Unternehmen im März mit sofortiger Wirkung verließ.

Nach einer Übergangsphase soll sie auch als CFO für den Unternehmensbereich Wiring Systems arbeiten. Die Bordnetzsparte bereitet dem SDax-Konzern derzeit besondere Schwierigkeiten. Das Ergebnis des ersten Quartals wurde durch Sondereffekte in dieser Sparte in Höhe von 102 Millionen Euro belastet – unterm Strich fuhr der Konzern insgesamt einen Verlust von 132 Millionen Euro ein.

Leoni setzt auf die Erfahrung von Jägering mit schwierigen Fällen: „Im Laufe der vergangenen Jahre hat sie den tiefgreifenden Wandel und Restrukturierungsmaßnahmen bei führenden deutschen und internationalen Unternehmen verantwortet“, lässt sich Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Probst zitieren. Auch die Osram-Sparte Opto Semiconductors, von der Jägering kommt, hat mit dem herausfordernden Umfeld für Automobilzulieferer zu kämpfen.

Jägering muss Leoni-Finanzen wieder auf Kurs bringen

Jägering kommentiert die schwierige Lage ihres neuen Arbeitgebers selbst: „Die vergangenen Monate waren für Leoni sicher nicht einfach und jeder ist sich darüber im Klaren, dass die kommenden Monate herausfordernd sein werden“. Sie wolle ihre Turnaround-Management-Erfahrung einsetzen, um Leoni wieder zu profitablem und cash-generierendem Wachstum zu bringen.

Das ist bitter nötig: Die Nürnberger verbrannten in den ersten drei Monaten 313 Millionen Euro Cash und mussten stärker auf Kredite zurückgreifen. Die Nettofinanzverschuldung stieg im ersten Quartal auf über 1 Milliarde Euro (Ende 2018: 613 Millionen Euro). Derzeit prüft das Unternehmen alle Optionen, um seine langfristige Finanzierungsbasis zu sichern. Leoni will zudem Kosten senken, eine neue Organisationsstruktur kreieren und das Portfolio auf den Prüfstand stellen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de