Osram-CFO Ingo Bank spricht mit FINANCE über das schwierige letzte Jahr des Lichttechnikers.

Osram

11.10.18
CFO

Osram-CFO Bank: „Die Kritik ist gerechtfertigt“

Zwei Gewinnwarnungen, Aktienkurs halbiert: Osram-CFO Ingo Bank spricht mit FINANCE über das schwere Jahr des Lichtkonzerns – und über die M&A-Pläne der Münchener.

Herr Bank, Osram hat im Jahr 2018 gleich zweimal die Prognose kassiert. Die Aktie ist von fast 80 Euro zu Jahresbeginn auf jetzt nur noch 35 Euro abgestürzt. Wieso tut sich Osram so schwer damit, den Geschäftsverlauf zu prognostizieren?

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Ingo Bank, Osram Licht AG

Ingo Bank beginnt seine Karriere 1995 bei Philips in der Hamburger Niederlassung im Bereich Audit. Schnell zieht es den Manager in die niederländische Zentrale, wo er in der M&A-Abteilung arbeitet. Später folgen Stationen als CFO einzelner Geschäftsbereiche im japanischen Kobe und in Hongkong, wo er das Geschäft mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) in der Region für den Konzern aufbaut.

Von 2005 bis 2009 ist Bank als Finanzchef zweier Geschäftseinheiten beim direkten Osram-Konkurrenten Philips Lighting in Eindhoven aktiv, der Lichttochter des Elektronikkonzerns. Nach einer Zwischenstation im Audit zieht es den Manager 2011 in die Vereinigten Staaten, wo er als Finanzchef für Philips Healthcare arbeitet.

2013 verlässt Bank den niederländischen Philips-Konzern nach fast 20 Jahren und wird CFO des US-amerikanischen Pharmadienstleisters Parexel. Im September 2016 tritt er die Position des Finanzvorstands bei dem Münchener Lichtkonzern Osram an.

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Dafür gibt es verschiedene, aber verwandte Gründe. Die erste Gewinnwarnung war bedingt durch eine Allokationsfrage aus dem vergangenen Geschäftsjahr. Wir konnten unsere Kunden nicht mit den Mengen beliefern, die sie gerne abgenommen hätten. Speziell im Bereich Opto Semiconductors war das für uns schwer vorhersehbar. In dieser Phase hatte ein Teil unserer Kunden hohe Vorräte aufgebaut und auch teilweise bei der Konkurrenz angefragt, weshalb wir über die Zeit Marktanteile verloren haben. Mittlerweile hat sich die Liefersituation wieder entspannt.

Und wieso die zweite Gewinnwarnung?
In unserem dritten Quartal mussten wir zwei größere Projekte im zweistelligen Millionenbereich im Mobilfunkgeschäft und in der Pflanzenbeleuchtung ins kommende Geschäftsjahr verschieben. Hinzu kommen auch Volumenverschiebungen bei unseren Autokunden, unter anderem durch das Thema WLTP (Anm. d. Red.: Abgastestverfahren). Das können wir im verbleibenden Quartal nicht ausgleichen. Rund 50 Prozent unserer Umsätze kommen aus dem Automobilsektor. Es gab auch erste Implikationen durch einen potentiellen Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten. Uns belasten also mehrere Faktoren gleichzeitig.

Osram muss an Prognosegenauigkeit arbeiten

Dennoch herrscht bei einigen Marktteilnehmern der Eindruck, Sie hätten zu optimistisch kommuniziert und unrealistische Erwartungen im Markt geweckt.
Wir müssen ohne Frage unsere Planungs- und Prognosesicherheit weiter verbessern. Die Kritik unserer Investoren ist gerechtfertigt, und wir arbeiten daran. Man muss aber zwei Dinge beachten: Wir beschreiben stets, wie wir das Marktumfeld zum Zeitpunkt der Prognosen sehen. Vor einem Jahr hätte niemand vorausgesagt, dass zum Beispiel das Thema WLTP auf fast alle deutschen Autobauer übergreift. Zum anderen befindet sich Osram inmitten einer Transformation, wir sind noch mit dem Konzernumbau beschäftigt. Unsere Investoren sollen natürlich verstehen, wo unsere Reise hingeht.  Dann steigt auch unser Aktienkurs wieder. Daran arbeiten wir mit Hochdruck.

„Unsere Investoren sollen natürlich verstehen, wo unsere Reise hingeht.“

Ingo Bank, Osram-CFO

Wie soll der künftige Osram-Konzern aussehen?
Wir wollen ein Photonic Champion werden.

Das bedeutet?
Wir wollen die Kraft des Lichts in seinen sämtlichen Funktionen nutzen, beispielsweise für Visualisierungen, die Behandlung wie zum Beispiel die Wachstumsförderung von Pflanzen („Horticulture“), in der Sensorik, also insbesondere Laser und Infrarot. Aus unserer Sicht ist das die natürliche und logische Weiterentwicklung unseres Geschäfts. Hier geht es nicht um einen radikalten Umbau, sondern um eine Schärfung unseres Profils.

Teilverkauf von Osram-Sparte LSS in Arbeit

Zum Umbau gehört auch das Thema M&A. Vor zwei Jahren hat Osram seine Lampentochter Ledvance verkauft. Derzeit verhandeln Sie über eine Veräußerung zweier Segmente der Osram-Sparte Lighting Solutions & Systems (LSS). Was genau steht zum Verkauf, und wann können Sie Vollzug melden?
Wir wollen uns in dem Segment zum einen vom Servicegeschäft in den Vereinigten Staaten trennen. Hier sind wir im M&A-Prozess relativ weit und hoffen, diesen bald abschließen zu können. Der andere Bereich ist das Leuchtengeschäft. Dort arbeiten wir gerade daran, den Verkauf vorzubereiten und die Sparte juristisch und organisatorisch zu trennen.

Beide Segmente schreiben rote Zahlen. Rechnen Sie im Zuge der Verkäufe trotzdem mit einem Geldzufluss?
Das möchte ich nicht kommentieren, da wir uns noch im Verkaufsprozess befinden. Letztlich  werden ungefähr 300 bis 350 Millionen Euro Umsatz aus dem Osram-Konzern verschwinden, was gemessen an unserem Gruppen-Umsatz von 4,1 Milliarden nicht extrem viel ist.

Osram setzt auf kleinere Tech-Deals

Sie wollen aber auch als Käufer am M&A-Markt auftreten. Geld ist da: Osram verfügt über ein Nettofinanzguthaben und könnte ohne Probleme Milliardenzukäufe stemmen. Planen Sie größere M&A-Deals, um den Umbau voranzutreiben?
Nein, wir sind nicht auf der Suche nach transformatorischen Zukäufen. Wir wollen im Investmentgrade bleiben, weswegen wir unsere Verschuldung maximal auf das 2,5fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hochfahren dürfen. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda lag im vergangenen Jahr bei fast 700 Millionen Euro. Wir hätten also tatsächlich noch viel bilanziellen Spielraum für Zukäufe, planen unsere M&A-Strategie aber nicht so, dass wir unsere Firepower komplett ausschöpfen.

„Wir planen unsere M&A-Strategie nicht so, dass wir unsere Firepower ausschöpfen.“

Ingo Bank, Osram-CFO

Was für Unternehmen schauen Sie sich an?
Wir wollen Unternehmen kaufen, die technologisch stark, aber keine Start-ups mehr sind. Die Ziele müssen zu unserer künftigen Ausrichtung passen, also in den Bereichen Visualisierung, Behandlung (Treatment) oder der Sensorik aktiv sein. Unsere jüngsten Akquisitionen wie der Pflanzenwachstumsspezialist Fluence oder der Software-Plattform-Anbieter Digital Lumens sind gute Beispiel dafür.

Wie viel wollen Sie für Deals ausgeben? Zuletzt war von bis zu 500 Millionen Euro die Rede.
Das Volumen der einzelnen Zukäufe wird tendenziell überschaubar bleiben – aber nur, wenn die Kaufpreise vertretbar sind. Die Erwartungen im Markt sind teilweise viel zu hoch. Wir haben uns viele Unternehmen schon angeschaut, uns dann aber wieder zurückgezogen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Vor seinem Wechsel zu Osram war der passionierte Fußball-Fan zwei Jahrzehnte im Ausland unterwegs. Erfahren Sie mehr zu seiner Karriere auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Ingo Bank.

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