Jens Holstein übernimmt ab Juli die Finanzen von Biontech.

Morphosys AG

18.05.21
CFO

Jens Holstein wird CFO von Biontech

Biontech wechselt seinen CFO: Noch-CFO Sierk Poetting widmet sich ganz seinen COO-Aufgaben. Dafür wird Jens Holstein, Ex-Finanzchef von Morphosys, die Finanzen leiten. Er muss die nächsten Wachstumsschritte einläuten.

Eins der derzeit bekanntesten Unternehmen bekommt einen neuen Finanzchef: Jens Holstein wird neuer CFO bei Biontech. Wie die Mainzer am heutigen Dienstag bekanntgaben, übernimmt Holstein ab dem 1. Juli den Posten. Er soll Biontech bei der Umsetzung der Wachstumsstrategie zu einem globalen und voll integrierten Immuntherapie-Unternehmen unterstützen.

Holstein wird bei dem Covid-19-Impfstoffentwickler für die Bereiche Finanzen, Steuern, Treasury, Human Resources und Einkauf verantwortlich sein. Zudem soll er eine Führungsrolle bei der Entwicklung und Umsetzung der regionalen Expansionspläne des Unternehmens einnehmen.

„Mit den Erlösen aus dem Covid-19-Impfstoff wird Biontech die Möglichkeit haben, seine Forschungspipeline in den Bereichen Krebstherapien, Infektionskrankheiten, regenerative Therapien sowie der Entzündungs- und Autoimmunkrankheiten voranzutreiben“, beschreibt Holstein seine Pläne.

Jens Holstein war CFO bei Morphosys

Mit Holstein holt sich Biontech einen branchenerfahrenen Finanzmanager an Bord. Er war von 2011 bis Ende 2020 CFO des im TecDax notierten biopharmazeutischen Unternehmens Morphosys. Die Verkündung seines Weggangs im Oktober vergangenen Jahres kam überraschend, denn sein Vertrag lief eigentlich noch bis 2023.

„Nach so vielen Jahren, in denen ich als Teil des Unternehmens zum Wachstum und Wandel von Morphosys beitragen durfte, ist es für mich an der Zeit, neue Herausforderungen anzugehen", begründete Holstein damals seinen Schritt. Einen Nachfolger hat das Unternehmen inzwischen gefunden, es ist Sung Lee, der vorher bei dem US-Unternehmen Sangamo Therapeutics arbeitete.

Bei Morphosys leistete Holstein einen guten Job und hinterließ eine prall gefüllte Kasse. Im Geschäftsjahr 2020 setzten die Münchener 328 Millionen Euro um, im Vorjahr waren es 72 Millionen Euro. Stand 2019 unterm Strich noch ein Verlust von 103 Millionen Euro zu Buche, verbuchte das Unternehmen 2020 einen Jahresüberschuss von 98 Millionen Euro. Die Liquidität belief sich auf 1,2 Milliarden Euro. Die Zahlen waren auch durch die Kollaborations- und Lizenzvereinbarungen mit dem neuen Partner Incyte geprägt.

Vor seiner Station bei dem Biotech-Unternehmen war Holstein über 15 Jahre bei Fresenius und hatte dort verschiedene Führungspositionen inne. Zuletzt war er Regional CFO für die Region Europa/Mittlerer Osten sowie Deutschland-Geschäftsführer der Tochter Fresenius Kabi. Seine beruflichen Anfänge absolvierte er bei Roland Berger und KPMG Peat Marwick.

FINANCE-Köpfe

Jens Holstein, Biontech SE

Bereits im Laufe seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre in Münster sammelt Jens Holstein erste berufliche Erfahrungen in der Unternehmensberatung bei Roland Berger International Management Consultants im Bereich Restrukturierungen & Reorganisationen. Ende 1991 wechselt Holstein zu KPMG Peat Marwick in den Bereich M&A, wo er als Senior Consultant in Frankfurt und London arbeitet.

1995 wechselt er zu Fresenius, wo er in knapp 16 Jahren verschiedene Führungspositionen übernimmt: Er beginnt zunächst als kaufmännischer Leiter für die Dialysezentren der Fresenius AG und ist Teil des M&A-Teams, das den Dialyseanbieter National Medical Care für rund 2,8 Milliarden US-Dollar erwirbt. Er übernimmt die kaufmännische Leitung für die Dialysezentren außerhalb der USA und begleitet anschließend die Börsengänge der neugeschaffenen Fresenius Medical Care in Frankfurt und New York.

Ab 1997 übernimmt Holstein kaufmännische Leitungsfunktionen innerhalb von Fresenius ProServe, dem Projekt- und Krankenhausbereich der Fresenius-Gruppe. 2002 wird Holstein kaufmännischer Geschäftsführer der Fresenius ProServe, die damals gut 2 Milliarden Euro erlöst, sowie Finanzvorstand und Arbeitsdirektor der Wittgensteiner Kliniken. Von Ende 2006 bis 2010 fungiert er als Regional CFO für die Region Asien/Pazifik bei Fresenius Kabi in Hongkong. Im Anschluss wird Holstein Regional CFO für die Region Europa/Mittlerer Osten sowie Deutschland-Geschäftsführer von Fresenius Kabi.

Im Mai 2011 kommt Holstein zu dem im TecDax notierten biopharmazeutischen Unternehmen Morphosys in Planegg bei München, wo er den Posten des Finanzvorstands übernimmt. Anfang Oktober 2020 gibt die Gesellschaft bekannt, dass Jens Holstein zum 31. Dezember 2020 als CFO und Vorstandsmitglied zurücktreten werde.

Zum 1. Juli 2021 übernimmt Holstein den Posten des CFO beim Pharmaunternehmen Biontech.

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Biontech im Corona-Impfstoff-Hype

Sein Wechsel zu Biontech kommt zu einer der spannendsten Zeiten für das Unternehmen – durch die Entwicklung des Corona-Impfstoffes ist das Mainzer Unternehmen gerade eines der begehrtesten Ziele von Investoren. Im Juli sammelte Biontech über US-Hinterlegungsscheine (ADS) 512 Millionen Dollar ein.

Auch in den Geschäftszahlen spiegelte sich die Entwicklung stark wider. Laut vorläufigen ungeprüften Zahlen rechnet der Konzern mit einem Jahresumsatz von 482,3 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 108,6 Millionen Euro. Das hat Biontech vor allem zwei neuen Kollaborationsvereinbarungen im Zuge der Impfstoffherstellung zu verdanken. Der Nettogewinn stieg vorläufig auf 15,2 Millionen Euro. Das ist ein sattes Plus, denn im Vorjahr machten die Mainzer noch einen Verlust von 179,2 Millionen Euro. Zum Ende des Geschäftsjahres hatte das Unternehmen 1,2 Milliarden Euro in der Kasse, nach etwas mehr als einer halben Milliarde Euro im Vorjahr – ein schöne Ausgangslage für dein Einstieg des neuen CFOs.

Jens Holstein löst CFO Sierk Poetting ab

Holstein löst bei Biontech Sierk Poetting ab, der sich nun ganz auf seine Aufgaben als Chief Operating Officer fokussieren will. Poetting übernahm die CFO-Aufgabe 2014. Der COO nahm eine wichtige Rolle beim Börsengang im Oktober 2019 ein sowie bei der Erweiterung von Biontechs Produktions-Partner-Netzwerk bei der Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Neben Gründer und CEO Ugur Sahin war er in den zurückliegendne Monaten das Gesicht von Biontech, auch gegenüber Investoren und Medien.

Zu seinen wichtigsten Erfolgen zählt die Übernahme der Produktionsstätte in Marburg von Novartis, die Biontech in nur einem halben Jahr zu einer der größten mRNA-Produktionsstätten weltweit umbaute. Als COO will sich Poetting nun insbesondere um die Automatisierung der Produktion sowie der Forschung und Entwicklung, aber auch um den weiteren globalen Ausbau der Herstellung kümmern.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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