Das Biontech-Management hat den aktuellen Hype um das Unternehmen gleich zweimal ausgenutzt.

Biontech

23.07.20
Finanzierungen

Biontech besorgt sich eine halbe Milliarde US-Dollar

Nach einer Privatplatzierung Ende Juni zapft das Mainzer Unternehmen Biontech schon wieder den Kapitalmarkt an. 512 Millionen Dollar füllen die Kassen für den Kampf gegen Corona.

Biontech hat eine neue Kapitalerhöhung vorgenommen. Das an der Nasdaq notierte Biotech-Unternehmen aus Mainz hat in der Nacht zum heutigen Donnerstag 5,5 Millionen US-Hinterlegungsscheine (ADS) zu 93 Dollar je Stück platziert und damit einen Bruttoerlös von 512 Millionen Dollar erzielt. Hinterlegungsscheine sind Zertifikate, die dem Käufer das Recht verbriefen, eine entsprechende Menge einer hinterlegten Aktie eintauschen zu können. Laut der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf eine mit der Transaktion vertraute Person beruft, haben viele bestehende, aber auch neue Aktionäre bei der Aktion zugegriffen, darunter auch ein auf die Gesundheitsbranche spezialisierter Fonds.

Biontech nutzt den Corona-Impfstoff-Hype

Dabei hat das Biontech-Management den aktuellen Hype um das Unternehmen gleich zweimal ausgenutzt: Zum einen steht die Aktie hoch wie nie. Bei 35 Dollar in das Jahr gestartet, sind es heute schon rekordhohe 104 Dollar – der Preisabschlag, den Biontech für die neu ausgegebenen Aktien einräumen musste, ist folglich gering. Zum zweiten wurde die Kapitalerhöhung laut Unternehmensangaben kurzfristig um 10 Prozent aufgestockt, weil so viel Nachfrage bestand. Begleitet wurde Biontech von JP Morgan, Bank of Amerika und der Berenberg Bank, die beim Geschäft als Lead Joint Bookrunner fungierten.

Mit dem Geld wollen die Mainzer die Entwicklung eines Impfstoffes für das Coronavirus und weitere Impfstoffprojekte im Bereich Krebs finanzieren. Biontech und der US-Pharmariese Pfizer, die gemeinsam an einem Covid-19-Impfstoff forschen, haben in dieser Woche eine Liefervereinbarung mit der US-Regierung über zunächst 100 Millionen Dosen im Wert von knapp 2 Milliarden US-Dollar geschlossen.

Auch Curevac macht die Kasse voll

Nicht nur Biontech, auch der zweite deutsche Spezialist für die modernen mRNA-Impfstoffe, Curevac, hat sich die aktuelle Lage zu Nutze gemacht, um seine finanzielle Basis zu verbreitern. In drei Schritten sammelten die Tübinger zwischen Anfang Juni und vergangener Woche insgesamt 640 Millionen US-Dollar ein. Die Gelder stammen vom Singapurer Staatsfonds Temasek, der Bundesrepublik Deutschland, dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline und dem Emirat Qatar. Insgesamt wird das Unternehmen, das einen IPO in den USA plant, nun mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet. Biontech kommt auf eine aktuelle Marktkapitalisierung von 18,7 Milliarden Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de


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